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Google TiSP und das Internet über das Abwasserrohr

Google bot zum 1. April kostenloses Internet über die Toilette an, mit Glasfaser zum Runterspülen und Tarifen wie "Royal Flush". So war der Scherz aufgebaut.

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Eine Spule mit orangefarbenem Glasfaserkabel und ein weißer Router auf einem gefliesten Badezimmerboden
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Google TiSP war ein Aprilscherz von Google zum 01.04.2007. Der angebliche "Toilet Internet Service Provider" versprach kostenloses Internet über das Abwasser: Man sollte ein Glasfaserkabel die Toilette hinunterspülen, das an einem Knoten in der Kanalisation angeschlossen würde. Dazu gab es eine Pressemitteilung, eine Anleitung und eine Seite mit Fragen und Antworten.

Google TiSP war ein Aprilscherz, den Google am 1. April 2007 veröffentlichte [1]. Die Abkürzung stand für "Toilet Internet Service Provider", einen angeblich kostenlosen Internetzugang, der das Glasfaserkabel durch die Toilette und die Kanalisation zum nächsten Netzknoten bringt [1]. Zum Scherz gehörten eine Pressemitteilung, eine bebilderte Anleitung und eine Seite mit Fragen und Antworten samt Tarifen [2] [3].

Die Pressemitteilung aus Mountain View

Die Mitteilung trug das Datum 1. April 2007 und den Ort Mountain View, wo Google seinen Sitz hat. Ihre Überschrift kündigte einen kostenlosen drahtlosen Breitbandzugang für zu Hause an, die Unterzeile sprach von einem Projekt mit dem Decknamen "Dark Porcelain", also dunkles Porzellan [1]. Voraussetzung war laut Text ein Computer mit WLAN und eine Toilette, die an die städtische Kanalisation angeschlossen ist. Der Dienst sollte werbefinanziert sein und von den Kunden selbst eingerichtet werden [1].

In der Branche spricht man vom Problem der "letzten Meile", also dem Stück zwischen dem Netz und dem einzelnen Haushalt. Die Mitteilung griff das auf und nannte TiSP eine Lösung für die "last hundred smelly yards", die letzten hundert übelriechenden Meter [1]. Auch Zitate gehörten dazu: Die Pressemitteilung legte dem Mitgründer Larry Page und der Managerin Marissa Mayer ausgedachte Sätze in den Mund, Mayer etwa die Bemerkung, der Dienst passe zu allen, die ihre besten Gedanken im Badezimmer haben [1] [4].

Die Anleitung zum Runterspülen

Wer sich anmeldete, sollte laut Pressemitteilung ein Paket bekommen: eine Spule mit Glasfaserkabel, einen TiSP-Router, eine Installations-CD und eine Kurzanleitung [1]. Die Anleitung auf der Website beschrieb die Schritte im Ton eines echten Handbuchs [2]:

Ein helles Badezimmer mit blauen Fliesen, auf dem Waschbeckenrand sitzt eine gelbe Gummiente
Bild: KI-generiert
  • das Kabel von der Spule abwickeln und am losen Ende ein Gewicht befestigen,
  • das beschwerte Ende in die Toilette fallen lassen,
  • beide Enden der Spule festhalten, während eine zweite Person spült,
  • das Kabel von der Spule lösen, ohne dass es in die Toilette rutscht, und an den Router stecken,
  • die CD einlegen und bis zu 60 Minuten warten.

In dieser Zeit sollten sogenannte "Plumbing Hardware Dispatchers" das andere Ende am nächsten Netzknoten anschließen [1]. Die Abkürzung PHD spielt auf den Doktortitel an. Der Router hatte laut Anleitung ein Gegengewicht, damit ihn die Kraft der Spülung nicht mitreißt, und der letzte Schritt lautete, vor dem Surfen die Hände zu waschen [2]. Wer keine Lust auf Handarbeit hatte, konnte angeblich eine Installation durch Nanoroboter buchen, die in 15 Minuten durch die Kanalisation anreisen [2].

Tarife mit Namen aus dem Badezimmer

Die Seite mit den häufigen Fragen nannte drei Tarife [3]. "Trickle", also Tröpfeln, war kostenlos und bot bis zu 8 Megabit pro Sekunde. "The #2" kostete 9,95 Dollar im Monat, "Royal Flush" 24,95 Dollar für bis zu 32 Megabit [3]. Royal Flush ist beim Poker die höchste Hand und zugleich ein Wortspiel mit der Spülung. Die Nachrichtenagentur AP las die Stufen als Seitenhieb auf den damaligen Streit um Netzneutralität, bei dem Kabel- und Telefonfirmen gestaffelte Preise wollten und Google dagegen stand [4].

Die Fragen und Antworten gingen in die Einzelheiten. Mit einer Klärgrube funktioniere TiSP nicht, nötig sei ein Anschluss an die Kanalisation [3]. Spartoiletten könnten die Geschwindigkeit senken, und der Dienst sei zunächst nur in den USA und Kanada verfügbar [3]. Bezahlt werden sollte der kostenlose Tarif durch Werbung, zugeschnitten auf das, was die Analyse des Abwassers über Ernährung und Gesundheit verrate [3]. Der Witz spielte mit der Frage, wie viel ein Unternehmen über seine Nutzer wissen darf, um Werbung zu verkaufen.

Warum der Scherz so gut ankam

Google stellte einen Link auf die TiSP-Seite auf seine Startseite, und auf einigen Seiten ersetzte eine Toilette den zweiten Buchstaben g im Firmenzeichen [4]. Wer klickte, fand eine Produktseite, die aussah wie jede andere des Unternehmens. Sogar der Zusatz "Beta" fehlte nicht; die Fragen und Antworten begründen ihn sinngemäß damit, dass es bei Problemen mit TiSP "very, very wrong" gehe, also gründlich schiefgehe [3].

Eine gelbe Gummiente sitzt auf einem weißen Router mit zwei Antennen auf einem Holzregal
Bild: KI-generiert

Der Bericht von AP verwies auf einen ernsten Hintergrund: Google hatte damals mit dem Anbieter EarthLink einen echten Vertrag über kostenloses WLAN in ganz San Francisco geschlossen, der ab Anfang 2008 laufen sollte [4]. Ein kostenloser Internetzugang von Google war also keine abwegige Vorstellung. Abwegig war nur der Weg durch das Rohr.

Der Programmierer und Autor Eric Raymond, der ein bekanntes Wörterbuch der Hackersprache herausgegeben hat, beschrieb TiSP gegenüber AP als typisch für Hackerhumor: "precise reasoning from utterly bizarre premises", genaues Denken auf völlig abwegigen Voraussetzungen [4]. Diese Formel erklärt, warum der Scherz funktioniert. Jede einzelne Angabe, vom Gegengewicht bis zur Spartoilette, folgt logisch aus der unsinnigen Grundidee.

Das Kleingedruckte

Wie gründlich der Scherz gebaut war, zeigt sich an den Systemanforderungen. Die Fragenseite verlangte Windows XP oder Vista, eine Version für Mac und Linux komme "bald" [3]. Die Toilette musste rund oder länglich geformt sein und mindestens 1,0 Gallonen pro Spülung verbrauchen, automatische Beckenreiniger seien nicht zu empfehlen [3]. AP griff einen weiteren Witz auf: TiSP arbeite mit dem damals neuen Windows Vista zusammen, nur Klärgruben erfüllten dessen Anforderungen nicht [4].

Auch die drahtlose Technik bekam ihre Begründung. Ein Kabelanschluss sei zwar möglich, aber nicht ratsam, denn in einem Haushalt mit nur einem Bad drohe sonst ein Stau an der Toilette, und das WLAN erlaube bequemes Surfen vom Sofa aus [3]. Für unterwegs war eine mobile Fassung namens "TiSP on the Run" angekündigt [3]. Wer mit Google Checkout, dem Bezahldienst des Unternehmens, einkaufte, sollte die ersten zehn Bestellungen auf Wunsch direkt ins Badezimmer geliefert bekommen, verpackt in abbaubare Beutel aus Mais; Voraussetzung war die Installation durch die Nanoroboter [2].

Ein Scherz zum Lesen, kein Versuch zum Nachmachen

So wörtlich die Anleitung klingt: Ein Kabel, eine Schnur oder sonst etwas, das nicht ins Abwasser gehört, verstopft Rohre und kann teure Schäden verursachen. Aus TiSP lässt sich für eigene Scherze etwas anderes mitnehmen, nämlich die Gründlichkeit. Eine erfundene Neuigkeit wird glaubwürdig, wenn du sie mit Details ausstattest, die zueinander passen. Wenn du in der Familiengruppe einen ausgedachten neuen Dienst ankündigst, etwa einen Kühlschrank, der selbst einkauft, löse am selben Tag auf und lass niemanden etwas installieren oder bezahlen. Ideen für Scherze am Handy und am Computer sammelt die Seite digitale Pranks.

AP bezeichnete TiSP als den alljährlichen Aprilscherz der Google-Führung, das Unternehmen hatte also schon Übung [4]. Ein anderes Beispiel für einen Firmenscherz, der als Produkt verkleidet war, ist der Linkshänder-Burger. Wie du solche Meldungen erkennst, beschreibt die Seite Aprilscherze erkennen, eine Übersicht weiterer Fälle steht unter berühmte Aprilscherze.

RandnotizBei Problemen empfahl die TiSP-Hilfeseite, dreimal nachzuspülen und dann neu zu testen.

Häufige Fragen

Gab es Google TiSP wirklich?

Nein. TiSP war ein Aprilscherz mit Pressemitteilung, Anleitung und Fragenseite. Einen Internetzugang über das Abwasser hat Google nie angeboten.

Wofür steht die Abkürzung TiSP?

Für "Toilet Internet Service Provider", einen Internetanbieter über die Toilette. Die Abkürzung erinnert an ISP, die übliche Bezeichnung für Internetanbieter.

Kann man die Seiten heute noch ansehen?

Ja, Google hält die Pressemitteilung, die Anleitung und die Fragen unter archive.google bereit. Dort haben wir sie für diesen Beitrag gelesen.

Warum hieß das Projekt "Dark Porcelain"?

Der Name spielt auf das Porzellan der Toilette an und klingt zugleich nach einem geheimen Entwicklungsprojekt. So stand er in der Unterzeile der Pressemitteilung.

Quellen

  1. Google (Archiv): Google announces free in-home wireless broadband service, archive.google, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Google (Archiv): How TiSP Works, archive.google, abgerufen am 06.11.2026.
  3. Google (Archiv): TiSP Frequently Asked Questions, archive.google, abgerufen am 06.11.2026.
  4. Mail & Guardian (Rachel Konrad, Sapa-AP): Dark Porcelain: New Google service makes a splash, mg.co.za, abgerufen am 06.11.2026.