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Als Big Ben eine Digitalanzeige bekommen sollte

Die BBC meldete, Big Ben bekomme eine Digitalanzeige und die alten Zeiger gebe es für die ersten Anrufer. Wie der Aprilscherz ablief und wer sich ärgerte.

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Die Spitze eines alten Turms aus Stein mit gotischen Türmchen vor grauem, bedecktem Himmel
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Am 01.04.1980 meldete der Auslandsdienst der BBC, die Uhr Big Ben in London werde auf eine Digitalanzeige umgestellt. Die ersten vier Hörer, die sich meldeten, sollten die alten Zeiger bekommen. Viele Hörer reagierten schockiert und verärgert, ein japanischer Seemann funkte sofort aus dem Atlantik.

Big Ben wurde nie digital. Die Meldung, die berühmte Uhr am Parlament in London bekomme eine Digitalanzeige, war ein Aprilscherz des Auslandsdienstes der BBC vom 1. April 1980 [1]. Der Sender bot an, die alten Zeiger an die ersten vier Hörer zu verschenken, die sich meldeten. Ein japanischer Seemann mitten im Atlantik funkte sofort, die meisten anderen Hörer waren schockiert und verärgert [1].

Was die BBC am 1. April meldete

Die Nachricht lief im Programm, das die BBC für Hörer im Ausland sendete. Das Museum of Hoaxes spricht vom "overseas service", Mental Floss vom World Service [1] [2]. Gemeint ist in beiden Fällen das Radioprogramm, mit dem die BBC Menschen außerhalb Großbritanniens erreichte. Inhalt der Meldung: Die Uhr werde modernisiert und zeige die Zeit künftig als Digitalanzeige, also mit Ziffern statt mit Zeigern [1].

Den Kern des Scherzes bildete ein Zusatz. Die alten Zeiger würden nicht mehr gebraucht, deshalb bekämen sie die ersten vier Hörer, die sich beim Sender meldeten [1]. Aus einer Nachricht wurde damit eine Aufforderung. Wer sie glaubte, konnte etwas tun und dabei ein Stück Londoner Geschichte gewinnen.

Auch die brasilianische Nachrichtenagentur Agência Brasil zählt den Fall zu den bekannten Aprilscherzen der Medien und beschreibt ihn als falsche Meldung über den Ersatz der Zeiger durch eine Digitalanzeige [3].

Der Seemann auf dem Atlantik

Die bekannteste Reaktion kam von weit her. Nach dem Museum of Hoaxes funkte ein japanischer Seemann mitten im Atlantik sofort den Sender an, weil er einer der vier Glücklichen sein wollte [1]. Mental Floss beschreibt ihn ebenfalls als ersten, der sich meldete, um einen Preis zu bekommen [2]. Wie er hieß und ob er später erfuhr, dass es die Zeiger nie zu gewinnen gab, steht in keiner unserer Quellen.

Ein altes Kofferradio steht auf dem Holzdeck eines Schiffes vor dem offenen, grauen Meer
Bild: KI-generiert

Der Seemann zeigt, für wen der Auslandsdienst sendete. Wer auf einem Schiff unterwegs ist, hat außer dem Radio kaum eine Möglichkeit, eine Meldung zu überprüfen. Er kann niemanden fragen, der gerade in London am Parlament vorbeigeht, und er kann keine Zeitung vom selben Tag aufschlagen. Für ihn klang die BBC so verlässlich wie an jedem anderen Tag.

Warum die Hörer sich ärgerten

Lustig fanden den Scherz nur wenige. Laut Museum of Hoaxes waren die meisten Hörer "shocked and angry", also schockiert und verärgert über die angebliche Änderung [1]. Tony Lightley vom Auslandsdienst der BBC räumte später ein: "Surprisingly, few people thought it was funny." Auf Deutsch: Überraschend wenige fanden es lustig [1].

Ein Grund liegt nahe. Die Uhr am Parlament ist für viele Menschen ein Wahrzeichen, mit dem sie Erinnerungen und Gewohnheiten verbinden. Warum die Meldung so heftige Reaktionen auslöste, nennen unsere Quellen nicht. Naheliegend ist, dass die Vorstellung, gerade diese Uhr gegen eine Ziffernanzeige auszutauschen, viele Hörer an einer empfindlichen Stelle traf. Ob es auch Beschwerden in Briefform gab und wie viele, geht aus unseren Quellen nicht hervor.

Dazu kam die Glaubwürdigkeit des Absenders. Möglich ist auch, dass die Glaubwürdigkeit des Absenders eine Rolle spielte, denn ein Aprilscherz in einem Nachrichtenprogramm bricht mit einer Erwartung, die über das Datum hinausgeht. Belegt ist das in unseren Quellen nicht.

Warum die Meldung plausibel klang

Dass alte Technik durch neue ersetzt wird, kannten die Hörer aus dem Alltag. Die Meldung, ein Wahrzeichen werde auf die neue Technik umgestellt, passte zu diesem Bild. Absurd war nur die Vorstellung, dass ausgerechnet dieses Bauwerk so behandelt würde.

Zwei große, verzierte Zeiger aus schwarzem Eisen liegen auf einem alten Werktisch aus Holz
Bild: KI-generiert

Das Angebot mit den Zeigern machte die Geschichte zugleich konkreter. Wer etwas verschenkt, scheint einen echten Vorgang zu beschreiben: Die Zeiger existieren, sie werden abmontiert, und irgendwer muss sie haben. Ein solcher Zusatz lenkt von der Frage ab, ob die Umstellung überhaupt stattfindet, und richtet die Aufmerksamkeit auf die Frage, wie man an die Zeiger kommt. Die Zahl vier sorgte für Eile, denn wer zu lange überlegte, kam zu spät.

Die BBC und der 1. April

Der Scherz von 1980 steht in einer Reihe mit anderen Aprilscherzen der BBC. Der bekannteste ist die Spaghetti-Ernte im Tessin, die der Sender 1957 im Fernsehen zeigte; dabei forderten viele Zuschauer danach eigene Spaghettibäume an [4]. In beiden Fällen nutzte der Sender sein Ansehen als ernsthafte Quelle, um eine unmögliche Nachricht glaubwürdig zu machen. Weitere Fälle aus Großbritannien beschreibt die Seite über den Aprilscherz in Großbritannien.

Ein Wahrzeichen in einer Meldung umziehen oder verändern zu lassen, ist ein Muster, das auch in anderen Ländern funktioniert hat. Die Pariser Zeitung Le Parisien schrieb einige Jahre später, der Eiffelturm werde abgebaut und in einem Freizeitpark neu errichtet. Mehr dazu steht auf der Seite über den Eiffelturm und Euro Disney.

So prüfst du eine Meldung über ein Wahrzeichen

Hörer auf einem Schiff hatten wenig Möglichkeiten, die Meldung über die Uhr zu überprüfen. Heute geht das leichter. Wenn am 1. April eine Nachricht über ein bekanntes Bauwerk kommt, lohnt sich ein Blick auf das Datum und auf andere Quellen. Berichten mehrere Sender und Zeitungen unabhängig voneinander? Gibt es eine Mitteilung der zuständigen Stelle, etwa der Stadt oder der Verwaltung des Gebäudes? Klingt das Angebot zu gut, wie die Zeiger für die ersten vier Anrufer?

Ein weiterer Hinweis steckt oft in der Eile. Ein Aprilscherz verlangt häufig, dass du schnell handelst: sofort anrufen, sofort hinfahren, sofort weitererzählen. Bei echten Nachrichten über ein Wahrzeichen gibt es selten einen Grund, in den nächsten Minuten zu reagieren. Wer kurz wartet, bis der Tag vorbei ist oder andere Quellen nachziehen, fällt seltener herein. Mehr Hinweise sammelt die Seite Aprilscherze erkennen.

Was du für eigene Scherze daraus lernen kannst

Die Reaktionen auf den Big-Ben-Scherz zeigen eine Grenze: Ein Aprilscherz über etwas, an dem Menschen hängen, kann Ärger auslösen, der den Spaß überdeckt. Wenn du im Freundeskreis eine Neuigkeit erfindest, wähle ein Thema, bei dem niemand ernsthaft traurig wäre, falls es stimmte. Eine absurde Regel für die Kaffeeküche eignet sich besser als die angebliche Schließung des Lieblingscafés.

Das Angebot mit den Zeigern lässt sich dagegen gut übernehmen. Eine kleine Aufforderung zum Mitmachen macht eine erfundene Meldung lebendiger. Achte darauf, dass dabei niemand Geld ausgibt, weite Wege macht oder sich vor anderen blamiert. Wie du eine solche Ankündigung aufbaust und auflöst, beschreibt die Anleitung zur absurden Ankündigung. Eine Übersicht weiterer Medienscherze findest du bei den berühmten Aprilscherzen.

RandnotizLaut Museum of Hoaxes fanden "überraschend wenige" Hörer den Big-Ben-Scherz lustig, so ein Mitarbeiter des Auslandsdienstes.

Häufige Fragen

Hat Big Ben jemals eine Digitalanzeige bekommen?

Nein. Die Meldung vom 1. April war erfunden, die Uhr behielt ihre Zeiger. Von einem echten Plan zur Umstellung ist in unseren Quellen nichts bekannt.

Hat jemand die alten Zeiger bekommen?

Nein, denn sie wurden nie abmontiert. Das Angebot an die ersten vier Hörer gehörte zum Scherz.

Hat sich die BBC entschuldigt?

In unseren Quellen findet sich dazu keine Angabe. Belegt ist nur die Aussage von Tony Lightley, dass überraschend wenige Hörer den Scherz lustig fanden.

Warum ein japanischer Seemann?

Er gehörte zu den Hörern des Auslandsdienstes, den die BBC weltweit sendete. Nach dem Museum of Hoaxes meldete er sich sofort über Funk, um einer der vier Gewinner zu werden.

Quellen

  1. The Museum of Hoaxes (Alex Boese): Big Ben Goes Digital, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Mental Floss (Abbey Stone): 11 of the Greatest Pranks of All Time, mentalfloss.com, abgerufen am 06.11.2026.
  3. Tribuna de Minas (Agência Brasil): Dia da mentira: saiba por que data é lembrada em diferentes países em 1º de abril, tribunademinas.com.br, abgerufen am 06.11.2026.
  4. videnskab.dk (Caroline Nyvang): Aprilsnarrens historie: Fra forårsløjer til fake news, videnskab.dk, abgerufen am 06.11.2026.