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Als Nixon im Radio wieder kandidierte

Bei NPR verkündete Richard Nixon am 1. April eine neue Kandidatur, doch die Stimme gehörte einem Imitator. Wie der Scherz aufgebaut war und wer anrief.

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Ein altes Studiomikrofon aus Chrom vor einer rot leuchtenden Aufnahmelampe in einem dunklen Radiostudio
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Am 01.04.1992 meldete die Sendung "Talk of the Nation" des US-Radiosenders NPR, der frühere Präsident Richard Nixon bewerbe sich erneut um die Präsidentschaft. Zu hören war eine Rede mit dem Satz "I never did anything wrong, and I won't do it again". Gesprochen hatte sie der Stimmenimitator Rich Little, Moderator John Hockenberry löste erst in der zweiten Hälfte der Sendung auf.

Die Meldung, Richard Nixon kandidiere wieder für das Amt des US-Präsidenten, war ein Aprilscherz des Radiosenders NPR vom 1. April 1992 [1]. Die Sendung "Talk of the Nation" spielte eine angebliche Rede Nixons ab, gesprochen von dem Stimmenimitator Rich Little [1]. Moderator John Hockenberry verriet den Scherz erst in der zweiten Hälfte der Sendung, bis dahin riefen viele empörte Hörer an [1] [2].

Was in der Sendung lief

"Talk of the Nation" war eine Gesprächssendung von National Public Radio, dem Verbund öffentlicher Radiosender in den USA, in der Hörer anrufen konnten. Am 1. April 1992 meldete Hockenberry, der frühere Präsident Richard Nixon bewerbe sich um die Nominierung der Republikaner für die Präsidentschaftswahl [1]. Danach lief ein Ausschnitt aus einer angeblichen Rede, in der Nixon seine Kandidatur erklärte. Der Satz, der davon in Erinnerung geblieben ist, lautet: "I never did anything wrong, and I won't do it again." Sinngemäß sagte er also, er habe nie etwas Unrechtes getan und werde es auch nicht wieder tun [1].

Die Wahlkampfparole widerspricht sich selbst. Wer verspricht, etwas nicht wieder zu tun, gibt zu, es getan zu haben. Gerade bei Nixon, der wegen der Watergate-Affäre als Präsident zurückgetreten war, traf der Satz einen wunden Punkt. Mental Floss gibt die Stelle leicht verkürzt wieder: Nixon habe gesagt, er habe "never did anything wrong" [2].

Kommentare, die echt klangen

Damit die Meldung nach Nachrichtensendung klang, gehörten Einschätzungen von außen dazu. Nach dem Museum of Hoaxes sprachen in der Sendung der Harvard-Professor Laurence Tribe und der Newsweek-Reporter Howard Fineman über Nixons Entscheidung und ihre möglichen Folgen für den Wahlkampf 1992 [1]. Ob beide in den Scherz eingeweiht waren, geht aus der Darstellung nicht hervor.

Dazu kam ein Ausschnitt, der wie eine Reaktion aus dem Lager des amtierenden Präsidenten George Bush klang. Eine Sprecherin der Kampagne von Bush und Quayle sagte darin, man sei "stunned", also fassungslos, und nannte den Schritt einen offensichtlichen Versuch Nixons, die außenpolitische Ankündigung des Tages zu überschatten [1]. Solche Stimmen gaben der Meldung die Form, die Hörer aus echten Nachrichten kannten: erst die Neuigkeit, dann die Einordnung, dann die Reaktion der Gegenseite.

Rich Little und die Stimme

Die Stimme Nixons kam von Rich Little, einem Komiker und Stimmenimitator [1] [2]. Für eine Imitation ist das Radio das beste Medium. Ohne Bild gibt es nur die Stimme, und wenn Tonfall und Satzmelodie stimmen, fehlt dem Ohr der Vergleich. Wer den Ausschnitt nebenbei hörte, beim Autofahren oder in der Küche, hatte wenig Grund, an der Echtheit zu zweifeln.

Kopfhörer liegen auf einem alten Mischpult mit Reglern in einem warm beleuchteten Radiostudio
Bild: KI-generiert

Die Reaktion der Hörer

Laut Museum of Hoaxes waren die Hörer schockiert und verärgert, und beim Sender gingen massenhaft Anrufe ein [1]. Mental Floss beschreibt Anrufe mit Fragen und Empörung, die anhielten, bis Hockenberry den Scherz auflöste [2]. Da die Sendung ohnehin Hörer ans Telefon holte, lief ein Teil dieser Reaktionen direkt im Programm.

Ein altes beiges Tischtelefon mit Spiralkabel auf einem Studiotisch neben einer weißen Tasse
Bild: KI-generiert

Hockenberry ließ sich mit der Auflösung Zeit. Erst in der zweiten Hälfte der Sendung erklärte er, dass die Kandidatur ein Aprilscherz war und Rich Little die Stimme geliefert hatte [1]. Ein Leser schrieb dem Museum of Hoaxes später, Hockenberry habe erklärt, es seien nur Anrufer auf Sendung gegangen, die auf den Scherz hereingefallen waren [1]. Diese Angabe stammt aus einem Kommentar und ist nicht weiter belegt.

Die brasilianische Nachrichtenagentur Agência Brasil zählt den Fall bis heute zu den bekannten Aprilscherzen der Medien. Sie beschreibt ihn als Sendung, in der ein Komiker Nixon nachahmte und eine neue Kandidatur ankündigte [3]. Im selben Absatz nennt sie die Meldung der BBC von 1980 über die Digitalanzeige für Big Ben [3]. Beide Fälle stammen aus dem Radio, und beide lebten davon, dass ein Sender mit gutem Ruf eine Nachricht im gewohnten Ton brachte.

Für die Hörer hatte das eine unangenehme Seite. Wer sich am Telefon empört hatte, erfuhr in derselben Sendung, dass er einem Imitator aufgesessen war. Ob die Anrufer das mit Humor nahmen, beschreiben unsere Quellen nicht. Belegt ist nur, dass viele zunächst wütend waren [1] [2].

Warum gerade dieser Scherz wirkte

Im Jahr 1992 war in den USA Wahlkampf, die Sendung bezog sich ausdrücklich darauf und auf die Kampagne von Bush und Quayle [1]. Eine Meldung über einen weiteren Bewerber passte in die Nachrichtenlage. Dass es ausgerechnet Nixon sein sollte, machte sie zugleich absurd und aufregend. Wer an Watergate dachte, konnte sich kaum vorstellen, dass Nixon antritt, und wollte gerade deshalb mehr hören.

Der Absender spielte ebenfalls mit. Eine Meldung im Nachrichtenton eines öffentlichen Senders nehmen Hörer ernster als einen Gag im Unterhaltungsprogramm. Der Fall ähnelt darin dem Big-Ben-Scherz der BBC, bei dem ein angesehener Sender eine Meldung brachte, die viele Hörer verärgerte. Wie ein Aprilscherz sich auch ohne Sender verbreitet, zeigt der Fall der Pi-Meldung aus Alabama.

Stimmen als Werkzeug des Aprilscherzes

Der Nixon-Scherz ist nicht der einzige, der mit einer bekannten Stimme arbeitete. Die französische Bahngesellschaft SNCF ließ 2009 ihre Durchsagen am 1. April von Philippe Peythieu sprechen, der in Frankreich Homer Simpson seine Stimme leiht [4]. Dort wussten die Reisenden schnell, was gespielt wurde, und der Scherz bestand gerade im Wiedererkennen. Bei NPR war es umgekehrt, dort sollte die Stimme als Original durchgehen.

Eine Stimme, die man als Parodie erkennt, löst ein Lachen aus. Eine Stimme, die man für echt hält, löst eine Reaktion aus, bei NPR also Empörung, Fragen und Anrufe [1]. Die Sendung verband beides, indem sie die Hörer erst glauben ließ und dann auflöste. Dass Rich Little als bekannter Imitator genannt wurde, machte die Auflösung nachvollziehbar: Wer seinen Namen hörte, verstand sofort, wie die Stimme zustande kam.

Was du für eigene Scherze daraus mitnehmen kannst

Der Aufbau des NPR-Scherzes lässt sich im Kleinen nachahmen, ohne dass jemand ein Politiker sein muss. Eine Neuigkeit, eine kurze Einschätzung von angeblich Eingeweihten und eine Reaktion: So wird aus einer Behauptung eine Geschichte. Für eine Ankündigung im Freundeskreis reicht oft ein Satz, den zwei Eingeweihte mit ernster Miene bestätigen. Wie das geht, beschreibt die Anleitung zur absurden Ankündigung.

Die Auflösung solltest du allerdings früher setzen als Hockenberry. Je länger jemand eine Neuigkeit glaubt und sich darüber aufregt, desto eher kippt der Spaß in Ärger. Und eine fremde Stimme nachzuahmen, um echte Menschen etwas sagen zu lassen, was sie nie gesagt haben, ist heute mit Aufnahmen und künstlich erzeugten Stimmen leicht möglich und gehört nicht in einen harmlosen Scherz. Woran du gefälschte Meldungen erkennst, beschreibt die Seite Aprilscherze erkennen. Weitere Fälle stehen auf der Seite über den April Fools' Day in den USA und unter berühmte Aprilscherze.

RandnotizModerator John Hockenberry löste den Nixon-Scherz erst in der zweiten Hälfte der Sendung auf.

Häufige Fragen

Hat Nixon wirklich noch einmal kandidiert?

Nein. Die Kandidatur war erfunden, und die Rede sprach der Stimmenimitator Rich Little. Nixon selbst war an der Sendung nicht beteiligt.

In welcher Sendung lief der Scherz?

In "Talk of the Nation", einer Gesprächssendung von National Public Radio mit Höreranrufen. Moderiert hat John Hockenberry.

Gibt es eine Aufnahme der Sendung?

In unseren Quellen ist keine verlinkt. Ob eine vollständige Aufnahme öffentlich zugänglich ist, konnten wir nicht klären.

Was bedeutet der Slogan genau?

"I never did anything wrong, and I won't do it again" heißt sinngemäß: Ich habe nie etwas Unrechtes getan, und ich werde es nicht wieder tun. Der zweite Teil setzt voraus, was der erste bestreitet.

Quellen

  1. The Museum of Hoaxes (Alex Boese): Nixon For President, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Mental Floss (Abbey Stone): 11 of the Greatest Pranks of All Time, mentalfloss.com, abgerufen am 06.11.2026.
  3. Tribuna de Minas (Agência Brasil): Dia da mentira: saiba por que data é lembrada em diferentes países em 1º de abril, tribunademinas.com.br, abgerufen am 06.11.2026.
  4. The Connexion (Nick Inman): Five famous April Fools' pranks played on the French public, connexionfrance.com, abgerufen am 06.11.2026.