Der Linkshänder-Whopper von Burger King
Ein Burger mit um 180 Grad gedrehten Zutaten für Linkshänder: wie die ganzseitige Anzeige ablief, wer danach fragte und wie die Firma am nächsten Tag auflöste.

Kurz gesagt
Der Linkshänder-Whopper war ein Aprilscherz von Burger King. Am 01.04.1998 kündigte die Kette in einer ganzseitigen Anzeige in der Zeitung USA Today einen Burger für Linkshänder an, dessen Zutaten um 180 Grad gedreht sein sollten. Am Tag danach löste die Firma auf und meldete, Tausende hätten in den Restaurants danach gefragt.
Der Linkshänder-Whopper war ein AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar der Fast-Food-Kette Burger King. Am 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar 1998 erschien in der US-Zeitung USA Today eine ganzseitige Anzeige, die einen eigenen Burger für die nach Angaben der Anzeige rund 32 Millionen linkshändigen Amerikaner versprach [1]. Die Zutaten seien dieselben wie beim normalen Whopper, nur um 180 Grad gedreht. Am Tag danach gab die Firma zu, dass es den Burger nicht gibt, und meldete, Tausende Kundinnen und Kunden hätten ihn in den Restaurants verlangt [1].
Was in der Anzeige stand
Die Anzeige vom 1. April 1998 erklärte das Problem, das sie zu lösen vorgab: Wer einen Burger mit der linken Hand hält, verliere Soße und Belag auf der rechten Seite. Beim neuen Burger seien die Beläge deshalb um 180 Grad gedreht, damit sich das Gewicht anders verteilt und nichts mehr herausfällt [1]. Die Zutaten blieben dieselben, betonte der Text. Verkauft werden sollte der Burger zunächst nur in den USA, die Firma prüfe aber, ihn später auch in anderen Ländern "with large left-handed populations" anzubieten, also in Ländern mit vielen Linkshändern [1].
Zitiert wurde der damalige Marketingchef Jim Watkins. Er nannte den neuen Burger das äußerste "Have it your way" für die linkshändige Kundschaft [2]. Der Satz spielte auf den bekannten Werbespruch der Kette an: Jeder bekommt seinen Burger so, wie er ihn haben will. Laut einer Zusammenfassung bei Tasting Table enthielt die Anzeige außerdem eine Fußnote mit Sternchen: Beidhändige Gäste seien von den Änderungen nicht betroffen [4].
Die Auflösung am nächsten Tag
Am 2. April 1998 verschickte Burger King eine Pressemitteilung, in der die Firma den Scherz auflöste [2]. Darin stand zweierlei. Tausende Gäste seien in die Restaurants gekommen und hätten nach dem neuen Burger gefragt. Und viele andere hätten ihre eigene "rechtshändige" Version verlangt [1]. Tasting Table beschreibt die Reaktion etwas anders: Einige rechtshändige Gäste hätten sich beschwert, weil sie das Original wollten [4]. Welche Darstellung genauer ist, lässt sich aus unseren Quellen nicht entscheiden. Beide gehen auf die Mitteilung der Firma zurück, unabhängige Zahlen gibt es nicht.

Die Zeitung Los Angeles Times berichtete am 2. April 1998 unter der Überschrift "What's Left? Not These Whoppers. April Fool!" über den Scherz [2]. Den Artikel selbst konnten wir nicht lesen, das Museum of HoaxesHoax Hoax ist das englische Wort für einen Schwindel. Im Deutschen meint es meist eine Falschmeldung, die sich über soziale Netzwerke, E-Mail oder Messenger verbreitet, weil viele sie glauben und weiterleiten. Typisch sind Kettenbriefe und angebliche Spendenaktionen. Im Glossar führt ihn als Beleg.
Warum der Burger mit Drehung so gut ankam
Das Schöne an diesem Scherz ist die Drehung um 180 Grad. Ein runder Burger, dessen Belag um eine halbe Umdrehung gedreht wird, sieht genauso aus wie vorher. Die Anzeige versprach also eine aufwendige technische Änderung, die in Wahrheit nichts ändert. Wer darüber eine Sekunde nachdenkt, lacht. Wer es nicht tut, geht ins Restaurant und fragt.

Dazu passt der Rahmen. Linkshänder kennen aus dem Alltag Scheren, Dosenöffner oder Füller, die für Rechtshänder gebaut sind. Dass eine Firma sich endlich um sie kümmert, klang deshalb nicht völlig abwegig. Die Anzeige griff ein echtes Ärgernis auf und bot eine Lösung an, die gut klang. Und sie kam in einer der auflagenstärksten Zeitungen des Landes, an einer Stelle, an der sonst echte Werbung steht. Eine Anzeige wirkt nüchterner als eine Meldung, weil man von ihr erwartet, dass sie etwas verkaufen will und keine Geschichte erzählt.
Schließlich war die Frage im Restaurant für alle harmlos. Wer nach dem Linkshänder-Burger fragte, verlor nichts außer ein paar Minuten. Der ORF schreibt, der Scherz habe der Kette mehrere Tage lang Rekordumsätze gebracht [3].
Woran man den Scherz hätte erkennen können
Im Rückblick steckt die Anzeige voller Hinweise. Der deutlichste ist das Datum, denn die Anzeige erschien an einem 1. April [1]. Der zweite ist die Drehung selbst, die bei einem runden Brötchen keinen Unterschied macht. Der dritte ist der Plan, den Burger später in Ländern "mit vielen Linkshändern" anzubieten. Die Vorstellung, dass es Länder mit besonders vielen Linkshändern gibt, in denen ein solcher Burger gebraucht wird, klingt schon beim Lesen nach einem Witz.
Auch die Fußnote für Beidhändige, die Tasting Table erwähnt, gehört in diese Reihe [4]. Sie ahmt das Kleingedruckte echter Werbung nach und treibt es auf die Spitze. Wer solche Zeilen liest, merkt, dass sich jemand Mühe gegeben hat, ernst zu klingen. Gerade diese Mühe kann ein Zeichen sein. Echte Werbung erklärt selten so genau, warum eine Änderung keine Nachteile hat, weil es dafür meist keinen Anlass gibt.
Ein letzter Hinweis kam erst am Tag danach, und er ist bei Firmenscherzen typisch: die Auflösung als Pressemitteilung. Wer nicht sicher ist, ob eine Ankündigung vom 1. April ernst gemeint ist, findet die Antwort oft am 2. April bei der Firma selbst. Mehr dazu, wie du solche Meldungen prüfst, steht in unserem Beitrag Aprilscherze in den Nachrichten erkennen.
Aprilscherze von Firmen als Werbung
Der Linkshänder-Whopper gehört zu einer Gruppe von Aprilscherzen, bei denen Firmen in eigener Sache scherzen. Der ORF nannte ihn noch 2026 in einem Rückblick auf bekannte Aprilscherze, neben der Spaghetti-Ernte der BBC [3]. Im selben Beitrag beschreibt der ORF, dass Unternehmen heute vor allem in sozialen Netzwerken versuchen, am 1. April witzig zu sein, und dabei oft scheitern [3]. Ein Grund liegt auf der Hand: Was als Werbung erkennbar ist, verzeiht das Publikum schwerer als einen Scherz ohne Hintergedanken.
Der Linkshänder-Whopper war Werbung und zugleich ein Spaß, über den man auch ohne Hunger lachen konnte. Ähnlich angelegt war die Anzeige einer anderen Fast-Food-Kette, die angeblich die Freiheitsglocke in Philadelphia gekauft hatte. Den Fall beschreiben wir im Beitrag über die Taco Liberty Bell. Weitere Beispiele aus Fernsehen, Radio und Zeitung findest du in unserer Übersicht der berühmten Aprilscherze.
Was du für einen Scherz zu Hause übernehmen kannst
Die Idee hinter dem Linkshänder-Burger lässt sich gut auf den eigenen Frühstückstisch übertragen, ganz ohne Anzeige. Ein Gericht, das anders aussieht, als es schmeckt, oder eine Ankündigung, die eine winzige, sinnlose Änderung groß verkauft, folgt demselben Prinzip. Ein Beispiel ist der süße Burger. Wenn du eine eigene Ankündigung machen willst, hilft die Anleitung zur absurden Ankündigung.
Wichtig ist, dass am Ende niemand etwas bezahlt oder etwas isst, das er nicht verträgt. Ein umgedrehter Burger ist harmlos, solange es ein normaler Burger bleibt. Bei Essen gilt immer: Frag vorher nach Allergien und Unverträglichkeiten, und löse den Scherz auf, bevor jemand etwas Falsches bestellt oder kauft.
Häufige Fragen
Gab es den Linkshänder-Whopper jemals zu kaufen?
Nein. Der Burger war nur eine Ankündigung zum 1. April. Am Tag danach erklärte die Firma selbst, dass es ihn nicht gibt.
Warum ist die Drehung um 180 Grad ein Witz?
Ein runder Burger sieht nach einer halben Umdrehung genauso aus wie vorher. Die angebliche Neuerung ändert also nichts, klingt aber nach Technik und Aufwand.
Stimmt die Zahl von 32 Millionen Linkshändern?
Die Zahl stammt aus der Anzeige selbst, die ein Aprilscherz war. Wir haben sie nicht unabhängig geprüft und nennen sie deshalb nur als Angabe der Anzeige.
Wie viele Menschen haben den Burger bestellt?
Eine genaue Zahl gibt es nicht. Die Firma sprach in ihrer Mitteilung am Tag danach von Tausenden, die in den Restaurants danach gefragt hätten.
Quellen
- The Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Left-Handed Whopper (April Fool Archive), hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- The Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Left-Handed Whopper, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- ORF: Ausgelacht: Aprilscherze fallen aus der Zeit, orf.at, abgerufen am 06.11.2026.
- Tasting Table (Wendy Leigh): Was Burger King's 'Left-Handed Whopper' A Hoax?, tastingtable.com, abgerufen am 06.11.2026.