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Wie du einen Aprilscherz in den Nachrichten erkennst

Datum, Absender, seltsame Namen, zu genaue Zahlen, Auflösung am Folgetag und Faktencheck: woran du einen Aprilscherz erkennst und was ihn von Fake News trennt.

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Eine Lupe liegt auf einem Stapel unbedruckter Papierbögen auf einem Küchentisch neben einer Kaffeetasse
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Einen Aprilscherz in den Nachrichten erkennst du meist an sechs Dingen: am Datum, am Absender, an Namen mit verstecktem Hinweis, an zu genauen oder zu schönen Zahlen, an der Auflösung am nächsten Tag und daran, dass andere verlässliche Medien nichts davon berichten. Anders als Fake News will ein Aprilscherz durchschaut werden.

Einen Aprilscherz in den Nachrichten erkennst du an einigen wiederkehrenden Zeichen: Die Meldung erscheint am 1. April, sie kommt von einem Absender, der sonst seriös berichtet, und sie enthält oft einen versteckten Hinweis, etwa einen Namen, der rückwärts oder umgestellt "April" ergibt. Zahlen sind auffällig genau oder zu schön, die Auflösung folgt meist am nächsten Tag, und andere verlässliche Medien greifen die Meldung nicht auf. Mit diesen sechs Prüfungen hast du gute Chancen, einen Medien-Aprilscherz zu erkennen.

Hinweis 1: das Datum

Der einfachste Hinweis ist der Kalender. Medien-Aprilscherze erscheinen am 1. April, manchmal schon am Abend davor, wenn eine Zeitung über Nacht gedruckt wird. Das klingt selbstverständlich, wird aber leicht übersehen, sobald eine Meldung geteilt wird. Ein Beitrag, der am 1. April veröffentlicht wurde, taucht Wochen später ohne Datum in einem Chat auf und wirkt dann wie eine gewöhnliche Nachricht. Die Medienkompetenz-Initiative klicksafe rät deshalb allgemein, bei jeder Meldung zuerst zu prüfen, wie aktuell sie ist und wann sie erschienen ist [1].

Ein Smartphone liegt umgedreht auf einem Holztisch neben kleinen leeren Papierzetteln und einem Bleistift
Bild: KI-generiert

Prüfe also, wann eine Meldung zuerst erschienen ist, und nicht, wann sie dich erreicht hat. Steht bei einer erstaunlichen Geschichte der 1. April im Kopf, lohnt es sich, zweimal hinzusehen.

Hinweis 2: der Absender

Viele bekannte Aprilscherze stammen von Sendern und Zeitungen mit gutem Ruf. Gerade deshalb wirkten sie. Beim schwedischen Fernsehscherz von 1962 erklärte der als technischer Experte vorgestellte Kjell Stensson, ein Nylonstrumpf vor dem Bildschirm bringe Farbe ins Schwarz-Weiß-Fernsehen [2]. Ein Experte, ein Sender, dem alle vertrauten, und eine Erklärung mit Fachwörtern reichten, damit Tausende es ausprobierten [2]. Mehr dazu steht im Beitrag über das Farbfernsehen mit dem Nylonstrumpf.

Der Absender ist also bei einem Aprilscherz oft gerade kein Warnzeichen. Klicksafe empfiehlt bei jeder Meldung zu fragen, wer sie veröffentlicht hat, und im Impressum nachzusehen, ob Name und Anschrift angegeben sind [1]. Beim Aprilscherz ist die Frage etwas anders: Passt die Meldung zu diesem Absender? Wenn eine Zeitung, die sonst über Stadtpolitik berichtet, plötzlich eine technische Sensation meldet, darfst du stutzen.

Hinweis 3: Namen mit verstecktem Hinweis

Viele Redaktionen verstecken in ihren Scherzen einen Hinweis für aufmerksame Leser. Beliebt sind Anagramme, also Namen, deren Buchstaben umgestellt ein Wort wie "April" oder "Aprilscherz" ergeben. Als die BBC am 1. April 2008 einen Trailer über fliegende Pinguine zeigte, zitierte der Daily Mirror dazu einen Filmemacher namens Professor Alid Loyas [3]. Nach ABC News ist der Name ein Anagramm von "April Fools Day", die Buchstaben passen allerdings nicht vollständig zusammen [3]. Den Fall beschreiben wir im Beitrag über die fliegenden Pinguine.

Ähnlich funktionieren Ortsnamen, die nach Witz klingen, Firmen, die man nicht findet, oder Fachleute, die nur in dieser einen Meldung vorkommen. Ein schneller Suchlauf nach dem Namen einer zitierten Person bringt bei einem Aprilscherz oft nur Treffer zum Scherz selbst. Auch Aktenzeichen und Nummern können verräterisch sein. Ein Krankenhausverbund in der Schweiz veröffentlichte am 1. April 2026 eine Stellenanzeige, deren Kennziffer "0104" lautete, also Tag und Monat des 1. April [4].

Hinweis 4: zu genaue oder zu schöne Zahlen

Ein Aprilscherz braucht Einzelheiten, damit er glaubwürdig wirkt. Oft sind diese Einzelheiten zu genau. Ein Beispiel ist ein Scherz der BBC aus dem Jahr 1976: Die Schwerkraft werde um genau 9:47 Uhr kurz nachlassen, weil Pluto hinter dem Jupiter vorbeiziehe, und wer in diesem Moment springe, schwebe einen Augenblick [5]. Laut Stuttgarter Zeitung sprangen daraufhin Tausende Menschen in Großbritannien in die Luft [5]. Die minutengenaue Zeit sollte Sachlichkeit vortäuschen. Mehr dazu steht im Beitrag über den Jovian-Plutonian-Effekt.

Ebenso verdächtig sind Zahlen, die auffallend rund oder auffallend günstig sind, und Lösungen, die ein großes Problem mit einem Handgriff beheben. Wenn ein Strumpf aus einem alten Fernseher ein Farbgerät macht oder ein umgedrehter Burger alle Probleme von Linkshändern löst, ist die Lösung zu einfach für das Problem. Klicksafe nennt Überschriften, die schockieren oder starke Gefühle auslösen, als typisches Warnzeichen für Falschmeldungen [1]. Beim Aprilscherz ist dieses Gefühl meist Staunen, der Mechanismus ist ähnlich.

Hinweis 5: die Auflösung am nächsten Tag

Ein Aprilscherz will aufgelöst werden. Viele Redaktionen und Firmen lösen noch am selben Tag auf, spätestens am Tag danach. Als Burger King am 1. April 1998 einen Burger für Linkshänder ankündigte, folgte am 2. April eine Pressemitteilung, die den Scherz offenlegte [6]. Den ganzen Ablauf zeigt unser Beitrag zum Linkshänder-Whopper.

Eine alte Fernbedienung liegt auf einem Sofakissen vor einem ausgeschalteten Fernseher im Wohnzimmer
Bild: KI-generiert

Online lösen manche Firmen sofort auf. Bei einem Kartenanbieter in der Schweiz führte der Link zu einer neuen Funktion am 1. April 2026 direkt zur Meldung "April, April!" [4]. Wenn du unsicher bist, such am 2. April nach der Meldung. Fast immer findest du dann die Auflösung oder einen Bericht, der den Scherz einordnet.

Hinweis 6: Faktencheck und Gegenprobe

Die verlässlichste Prüfung ist die Gegenprobe. Klicksafe rät, nachzusehen, ob andere vertrauenswürdige Nachrichtenquellen dieselbe Meldung haben. Findest du keine seriöse Berichterstattung, ist die Meldung wahrscheinlich erfunden [1]. Als Anlaufstellen für Faktenchecks nennt klicksafe unter anderem den ARD-Faktenfinder, CORRECTIV und Mimikama [1]. Bei Bildern hilft die Rückwärtssuche, mit der du prüfst, wo ein Foto zuerst aufgetaucht ist [1].

Beim Aprilscherz liefert die Gegenprobe ein eigenes Muster. Entweder berichtet niemand sonst, oder alle anderen berichten über den Scherz selbst. Ein Sonderfall waren die fliegenden Pinguine: Hier brachten die BBC und zwei Zeitungen die Geschichte gleichzeitig [3]. Ein Kolumnist des Guardian wurde gerade deshalb misstrauisch, weil konkurrierende Medien selten am selben Morgen dieselbe Exklusivgeschichte haben [3].

Aprilscherz, Fake News und Deepfake: der Unterschied

Ein Aprilscherz ist eine erfundene Meldung, die durchschaut werden soll. Er erscheint an einem bekannten Tag, er enthält Hinweise, und der Absender löst ihn auf. Fake News sind dagegen falsche Meldungen, die als echt gelten sollen. Klicksafe beschreibt Desinformation als gezielt verbreitete falsche Informationen, mit denen Menschen Geld verdienen oder Meinungen beeinflussen wollen [1]. Eine Auflösung ist dabei nicht vorgesehen. Mehr dazu erklären die Glossareinträge zu Fake News und zum Deepfake, einem mit künstlicher Intelligenz gefälschten Bild, Ton oder Video.

Die Grenze ist in den letzten Jahren unschärfer geworden. Der ORF beschrieb am 1. April 2026, dass große Medien sich mit Aprilscherzen zurückhalten, weil die Nachrichtenbranche in Zeiten von Falschinformationen um Vertrauen kämpft [7]. Ein britischer Medienforscher sprach dort von einer "Ära von Fake News und Desinformation" [7]. Hinzu kommt, dass erfundene Videos, Satire und Prank-Clips das ganze Jahr über kursieren, sodass Falschmeldungen längst nicht mehr auf den 1. April beschränkt sind [7]. Welche Medien 2026 trotzdem scherzten, zeigt unser Rückblick auf die Medien-Aprilscherze.

Aprilscherze als Übung mit Kindern und in der Schule

Der 1. April eignet sich gut, um mit Kindern über Nachrichten zu sprechen. Ein Medien-Aprilscherz ist eine Falschmeldung mit eingebauter Auflösung, und genau das macht ihn zu einem harmlosen Übungsstück. Such am 1. April mit ihnen eine auffällige Meldung heraus und geh die sechs Hinweise gemeinsam der Reihe nach durch: Wann ist sie erschienen, wer hat sie veröffentlicht, kommen seltsame Namen oder Nummern vor, klingen die Zahlen zu glatt, gibt es am nächsten Tag eine Auflösung, und was schreiben andere Medien?

Ältere Kinder können danach selbst eine kleine Meldung erfinden und darin einen Hinweis verstecken, etwa ein Anagramm im Namen einer erfundenen Expertin. Wer einmal selbst einen Scherz gebaut hat, erkennt die Bauteile bei anderen schneller. Wichtig ist, dass die eigene Meldung im Kreis der Familie oder Klasse bleibt und nicht ins Netz gestellt wird.

Wenn ein Aprilscherz Schaden anrichtet

Nicht jeder Medienscherz bleibt harmlos. Die Stuttgarter Zeitung erinnerte 2025 an einen Lokalsender in Baden-Württemberg, der 2001 meldete, alle alten Führerscheine seien ungültig. Daraufhin war die Notrufleitung der Polizei stundenlang belegt. Der Sender hatte außerdem behauptet, im Landratsamt sei eine Umtauschstelle geöffnet [8]. Im selben Beitrag nennt die Zeitung einen Hamburger Radiosender, der im Jahr 2000 einen Absturz einer russischen Raumstation über der Stadt ankündigte, was zu Hunderten Anrufen bei den Notrufstellen führte [8].

Solche Fälle zeigen, wo die Grenze liegt: Eine Meldung, die Angst macht, Behörden lahmlegt oder Geld kostet, ist auch am 1. April kein guter Scherz. Wenn du selbst eine Meldung erfinden willst, halte dich an unsere Harmlos-Regeln und löse am selben Tag auf.

RandnotizEine Stellenanzeige mit der Kennziffer "0104" verriet am 1. April 2026 schon in der Nummer, dass sie nicht ernst gemeint war.

Häufige Fragen

Gilt ein Aprilscherz nur bis zum Mittag?

In Großbritannien gibt es den Brauch, dass Streiche nur bis zum Mittag erlaubt sind. Für Medien spielt das kaum eine Rolle, denn Zeitungen erscheinen am Morgen und Beiträge im Netz bleiben den ganzen Tag stehen. Prüfe deshalb Meldungen vom ganzen 1. April mit derselben Sorgfalt.

Woran erkenne ich einen Aprilscherz in einem Video?

Prüfe, wer das Video zuerst veröffentlicht hat und an welchem Tag. Such nach dem Titel und dem Namen des Absenders und schau, ob seriöse Medien darüber berichten. Bei verdächtig echten Bildern hilft eine Rückwärtssuche.

Ist ein Aprilscherz in der Zeitung dasselbe wie eine Zeitungsente?

Eine Zeitungsente ist eine Falschmeldung, die versehentlich oder absichtlich in die Zeitung gelangt ist. Ein Aprilscherz ist eine bewusst erfundene Meldung zum 1. April, die aufgelöst wird. Jeder Aprilscherz in der Zeitung ist eine Ente, aber nicht jede Ente ist ein Aprilscherz.

Warum machen viele Medien keine Aprilscherze mehr?

Nach dem Bericht des ORF fürchten viele Redaktionen um das Vertrauen ihres Publikums, wenn sie bewusst Falsches melden. Dazu kommt, dass Falschmeldungen heute das ganze Jahr kursieren und ein Scherz leicht falsch verstanden wird.

Quellen

  1. klicksafe: Desinformation, Deepfakes und Fake News: was muss ich wissen?, klicksafe.de, abgerufen am 06.11.2026.
  2. The Museum of Hoaxes (Alex Boese): Instant Color TV, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  3. ABC News (Ammu Kannampilly): World's First Ever Flying Penguins?, abcnews.com, abgerufen am 06.11.2026.
  4. 20 Minuten: Ticker: Die besten April-Scherze der Schweiz, 20min.ch, abgerufen am 06.11.2026.
  5. Stuttgarter Zeitung (Theresa Schäfer, dpa): 1. April: Die besten Aprilscherze aller Zeiten, stuttgarter-zeitung.de, abgerufen am 06.11.2026.
  6. The Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Left-Handed Whopper, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  7. ORF: Ausgelacht: Aprilscherze fallen aus der Zeit, orf.at, abgerufen am 06.11.2026.
  8. Stuttgarter Zeitung (Michael Maier): 1. April: Aprilscherze, die nach hinten losgingen, stuttgarter-zeitung.de, abgerufen am 06.11.2026.