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Der Jovian-Plutonian-Effekt: als die Schwerkraft nachlassen sollte

Patrick Moore kündigte im BBC-Radio an, Jupiter und Pluto würden die Schwerkraft schwächen. Wer sprang, sollte schweben. Viele Hörer meldeten genau das.

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Silhouetten mehrerer Menschen, die von hinten gesehen auf einer Wiese vor dem Abendhimmel in die Luft springen
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Der Jovian-Plutonian-Effekt war ein Aprilscherz des Astronomen Patrick Moore am 01.04.1976 im Programm BBC Radio 2. Er behauptete, um 9:47 Uhr ziehe Pluto hinter Jupiter vorbei und die gemeinsame Anziehung schwäche die Schwerkraft der Erde. Wer genau dann hochspringe, werde kurz schweben. Viele Hörer riefen danach an und meldeten, es habe geklappt.

Der Jovian-Plutonian-Effekt ist ein Aprilscherz des britischen Astronomen Patrick Moore. Am Morgen des 1. April 1976 erzählte er in einem Interview bei BBC Radio 2, um 9:47 Uhr werde Pluto von der Erde aus gesehen genau hinter Jupiter vorbeiziehen [1]. Die vereinte Anziehungskraft der beiden Planeten wirke dann gegen die Schwerkraft der Erde, alle Menschen würden für einen Moment leichter. Wer im richtigen Augenblick hochspringe, spüre ein Gefühl des Schwebens [1].

Was Patrick Moore im Radio erzählte

Moore war für sein Publikum kein Unbekannter. Er moderierte im Fernsehen die Astronomiesendung "The Sky at Night" und war in Großbritannien als Fernsehastronom bekannt [2]. Als er am 1. April 1976 ins Studio kam, hatte er eine Ankündigung mit Uhrzeit und Anleitung dabei: Pluto ziehe hinter Jupiter vorbei, die Schwerkraft lasse für kurze Zeit nach, und wer genau um 9:47 Uhr in die Luft springe, werde es merken [1]. Für den Effekt hatte er einen Namen, der nach Lehrbuch klang: "Jovian-Plutonian Gravitational Effect" [1].

Kleines weißes Teleskop auf einem Stativ auf einem Holzbalkon unter einem klaren Sternenhimmel
Bild: KI-generiert

Als die Uhrzeit erreicht war, rief Moore seinen Hörern zu: "Jump now!", also "Jetzt springen!" [1]. Das Museum of Hoaxes beschreibt den Aufbau als einfach und wirksam. Es gab einen festen Zeitpunkt, eine klare Handlung und einen Sprecher, dem man in Fragen des Himmels vertraute [1]. Der Journalist Martin Wainwright schrieb später im Guardian, Moores Vortrag habe eine Spur "batty enthusiasm" gehabt, also eine leicht verschrobene Begeisterung, die ihn nur noch glaubwürdiger gemacht habe [2].

Was die Hörer meldeten

Kurz nach 9:47 Uhr klingelten bei der BBC die Telefone. Wie viele Anrufe es waren, geben die Quellen unterschiedlich an: Das Museum of Hoaxes spricht von Dutzenden, die Wikipedia von Hunderten [1] [2]. Einig sind sich beide darin, dass die Anrufer berichteten, es habe funktioniert.

Einige Meldungen sind überliefert. Eine Frau aus Utrecht in den Niederlanden erzählte, sie und ihr Mann seien durch ihr Zimmer geschwebt [1]. Eine andere Anruferin gab an, sie und elf Freunde seien samt Tisch von ihren Stühlen aufgestiegen [1]. In der Fassung der Wikipedia wurden die zwölf "sanft von ihren Stühlen geweht" und kreisten durch den Raum [2]. Ein Mann beschwerte sich, er sei so schnell nach oben geschossen, dass er sich den Kopf an der Decke gestoßen habe, und verlangte Schadenersatz [1].

Ob alle diese Anrufer den Scherz geglaubt haben oder ob viele einfach mitgespielt haben, lässt sich nicht mehr sagen. Die Geschichte mit dem Tisch und der Mann mit der Beule klingen eher nach Leuten, die den Witz verstanden hatten und ihn weiterdrehten. Bei einem Radioscherz ist das kein Widerspruch: Das Publikum wird selbst Teil der Pointe, und wer hochgesprungen ist, hat zumindest einen Moment lang darüber nachgedacht, ob es stimmen könnte.

Der ernste Hintergrund: "The Jupiter Effect"

Moore erfand seinen Effekt nicht aus dem Nichts. Er machte sich über ein Buch lustig, das damals viel gelesen wurde. In "The Jupiter Effect" von 1974 behaupteten John Gribbin und Stephen Plagemann, eine Reihe der Planeten im Jahr 1982 werde Erdbeben auslösen [1]. Los Angeles, das an der San-Andreas-Verwerfung liegt, sollte dabei zerstört werden [1]. Auch National Geographic ordnet Moores Auftritt als Spott über dieses Buch ein [3].

Bemalte Holzkugeln in verschiedenen Größen liegen in einer Reihe auf einem hellen Holztisch
Bild: KI-generiert

Das Buch stieß in der Fachwelt auf Ablehnung. Nach dem Museum of Hoaxes hielt die NASA die vorhergesagten Ereignisse für sehr unwahrscheinlich, wollte sie aber nicht ganz ausschließen [1]. Edward Upton vom Griffith-Observatorium in Los Angeles sprach vom "Great Earthquake Hoax", und eine Rezension in der Zeitschrift Science kritisierte, wie einseitig die Autoren ihre Belege ausgewählt hätten [1].

Moores Scherz übertrieb die Idee des Buches. Statt einer Reihe aus mehreren Planeten nahm er nur zwei, und einer davon war ausgerechnet Pluto, der damals noch als neunter Planet galt und erst 2006 zum Zwergplaneten erklärt wurde [2]. Pluto ist so klein und so weit entfernt, dass seine Anziehung auf der Erde praktisch keine Rolle spielt [1]. Wer sich ein wenig mit Astronomie auskannte, konnte den Scherz an dieser Stelle erkennen.

Wie es mit dem Jupiter-Effekt weiterging

Moore ließ das Thema nicht los. 1979 beschwerte er sich in einem Leserbrief an die Zeitschrift New Scientist, dass die Theorie noch immer verbreitet werde, sogar in einer Vorführung des London Planetarium [1]. Am Himmel werde nichts Aufsehenerregendes zu sehen sein, schrieb er [1].

1980 räumte John Gribbin ein, dass die Vorhersage falsch gewesen war [1]. Zwei Jahre später erschien trotzdem eine Fortsetzung, "The Jupiter Effect Reconsidered". Darin hieß es, der Effekt sei schon 1980 eingetreten und habe den Ausbruch des Mount St. Helens ausgelöst [1]. Das Buch verkaufte sich schlechter als das erste. Los Angeles überstand das Jahr 1982 ohne Schaden, und 1999 sagte Gribbin, es tue ihm leid, dass er je mit der Theorie zu tun gehabt habe [1].

Warum der Scherz funktionierte

Der Scherz hatte mehrere Stärken, die sich aus seinem Aufbau ablesen lassen. Moore war eine Autorität, deren Wort zu Planeten selten jemand anzweifelte [2]. Die Ankündigung hatte eine genaue Uhrzeit, und genaue Angaben wirken überzeugend. Am wichtigsten war vielleicht, dass jeder Hörer den Scherz selbst ausprobieren konnte. Für einen Sprung braucht man nichts, man muss nur in der Küche oder im Büro kurz hochhüpfen. Wer das tut, spürt beim Fallen tatsächlich einen Moment, in dem der Magen sich hebt. Dieses Gefühl hat jeder Sprung, mit oder ohne Jupiter. Moore hatte also eine Erfahrung angekündigt, die ohnehin eintreten würde, und ihr nur eine neue Ursache gegeben.

Ähnlich arbeitete die BBC schon früher mit der Spaghetti-Ernte: Auch dort sprach eine vertraute Stimme im gewohnten Ton über etwas, das die meisten nicht selbst prüfen konnten. Moores Scherz drehte das um, denn bei ihm konnte jeder prüfen, und viele fanden, es habe gestimmt. Mehr zur Frage, warum wir auf Scherze hereinfallen und darüber lachen, steht auf unserer Seite zur Psychologie der Aprilscherze.

Könnten Planeten die Schwerkraft wirklich schwächen?

Nein, jedenfalls nicht so, dass ein Mensch es merkt. Die Anziehung eines Planeten nimmt mit der Entfernung stark ab, und Jupiter und Pluto sind sehr weit von der Erde entfernt. Pluto ist dazu sehr klein, seine Wirkung auf der Erde ist nach dem Museum of Hoaxes vernachlässigbar [1]. Auch Jupiter, der mehr Masse hat als alle anderen Planeten zusammen [2], ändert an dem, was du auf der Waage siehst, nichts Messbares. Wer sich leichter fühlen will, muss in einen Aufzug steigen, der gerade nach unten anfährt. Oder er springt, wie Moores Hörer, und fällt danach wieder zurück auf den Boden.

Was du für einen eigenen Scherz mitnehmen kannst

Die Idee lässt sich im Kleinen nachmachen, ohne dass jemand Schaden nimmt. Eine Ankündigung mit genauer Uhrzeit ("um 10:15 Uhr wird es im Flur kurz leichter") und eine harmlose Handlung zum Mitmachen reichen. Wichtig ist, dass niemand dabei auf Stühle steigt oder sich verletzen kann, und dass du gleich danach "April, April!" sagst. Wie du eine erfundene Meldung für Familie oder Verein baust, zeigt die Anleitung zur eigenen Zeitungsente. Weitere Fälle aus Radio, Fernsehen und Zeitung findest du in unserer Übersicht der berühmten Aprilscherze, und woran du solche Meldungen erkennst, steht unter Aprilscherze in den Medien erkennen.

Häufige Fragen

Wer war Patrick Moore?

Patrick Moore war ein englischer Astronom, der im britischen Fernsehen lange die Sendung "The Sky at Night" moderierte. Viele Briten kannten ihn als den Fachmann für Sterne und Planeten, deshalb glaubten sie ihm auch die Ansage im Radio.

Um wie viel Uhr sollte man springen?

Moore nannte 9:47 Uhr am Vormittag. Zu diesem Zeitpunkt sollte Pluto hinter Jupiter vorbeiziehen, und Moore rief im Radio "Jump now!".

Gibt es den Jovian-Plutonian-Effekt wirklich?

Nein. Der Name ist erfunden. Die Anziehung von Jupiter und Pluto auf einen Menschen auf der Erde ist so gering, dass niemand sie spüren kann, egal wie die Planeten stehen.

Was hatte das Buch "The Jupiter Effect" damit zu tun?

Das Buch sagte für eine Planetenreihe schwere Erdbeben voraus. Moores Scherz machte sich über diese Vorhersage lustig, indem er die Idee ins Absurde zog und nur zwei Planeten nahm, darunter den winzigen Pluto.

Quellen

  1. The Museum of Hoaxes (Alex Boese): Planetary Alignment Decreases Gravity, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Wikipedia: Jovian-Plutonian gravitational effect, en.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.
  3. National Geographic (Becky Little): 4 Far-Out Space Hoaxes for April Fools' Day, nationalgeographic.com, abgerufen am 06.11.2026.