Die Taco Liberty Bell: als Taco Bell eine Glocke kaufen wollte
Eine Fastfood-Kette kauft die Freiheitsglocke und tauft sie um: wie eine ganzseitige Anzeige am 1. April Tausende Anrufe auslöste und was die Firma davon hatte.

Kurz gesagt
Die Taco Liberty Bell war ein Aprilscherz der Fastfood-Kette Taco Bell vom 01.04.1996. In ganzseitigen Anzeigen in sechs großen US-Zeitungen behauptete die Firma, sie habe die Liberty Bell in Philadelphia gekauft und werde sie in "Taco Liberty Bell" umbenennen. Tausende Menschen riefen besorgt an, bevor Taco Bell den Scherz am Mittag auflöste.
Die Taco Liberty Bell ist ein Werbe-Aprilscherz der amerikanischen Fastfood-Kette Taco Bell. Am 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar 1996 erschien in sechs großen Zeitungen der USA eine ganzseitige Anzeige, nach der Taco Bell die Liberty Bell gekauft habe, die berühmte Glocke in Philadelphia [1]. Sie sollte künftig "Taco Liberty Bell" heißen, aber weiter öffentlich zu sehen sein [1]. Tausende Menschen riefen besorgt bei der Firma und beim National Park Service an, bevor Taco Bell den Scherz zu Mittag auflöste [1] [2].
Was in der Anzeige stand
Die Anzeige erschien am selben Morgen in The Philadelphia Inquirer, The New York Times, The Washington Post, der Chicago Tribune, The Dallas Morning News und USA Today [1]. Taco Bell erklärte darin, man habe die Glocke gekauft, um zur Verringerung der Staatsschulden beizutragen [1]. Die Firma deutete an, andere Unternehmen könnten diesem Beispiel folgen [1]. Nach der Wikipedia entwarfen Jon Parkinson und Harvey Hoffenberg die Anzeige, zwei Mitarbeiter der Werbeagentur Bozell, die damals für Taco Bell arbeitete [2].

Der Witz lag in der Mischung aus Ernst und Unverschämtheit. Die Liberty Bell ist in den USA ein Symbol der Unabhängigkeit, eine Glocke, die jedes Schulkind kennt. Dass ein Konzern sie kauft und ihr seinen Namen gibt, war für viele Leser ein Schock. Zugleich griff die Anzeige eine Entwicklung auf, die damals viele beschäftigte: Sportstadien, Konzerthallen und Veranstaltungen trugen immer öfter Firmennamen. Der Marketingautor Thomas L. Harris erklärte den Erfolg des Scherzes später genau damit. Weil Sponsoring so verbreitet sei, habe die Meldung glaubhaft geklungen [2].
Die Reaktionen am 1. April
Noch vor der Auflösung klingelten die Telefone. Tausende besorgte Bürger riefen bei Taco Bell und beim National Park Service in Philadelphia an, der die Glocke betreut [1]. Elaine Sevy, Sprecherin der Parkverwaltung, sagte, man sei geschockt gewesen und habe keine Ahnung gehabt, was da vor sich gehe [1]. Auch Mitarbeiter der Senatoren Bill Bradley und J. James Exon meldeten sich, um nachzufragen [1].
Der Park Service berief am Vormittag eine Pressekonferenz ein. Eine Sprecherin stellte klar: "The Liberty Bell is safe. It's not for sale." Die Glocke sei also sicher und nicht zu verkaufen [1]. Eigentümerin war nach dem Museum of HoaxesHoax Hoax ist das englische Wort für einen Schwindel. Im Deutschen meint es meist eine Falschmeldung, die sich über soziale Netzwerke, E-Mail oder Messenger verbreitet, weil viele sie glauben und weiterleiten. Typisch sind Kettenbriefe und angebliche Spendenaktionen. Im Glossar allerdings die Stadt Philadelphia, der Bund besaß die Glocke gar nicht [1]. Hätte überhaupt jemand verkaufen können, dann die Stadt.
Das Weiße Haus spielte mit
Eine bekannte Antwort kam aus Washington. Mike McCurry, der Pressesprecher des Weißen Hauses, wurde nach der Anzeige gefragt und nahm den Ball auf [1]. Die Regierung werde mit der Privatisierung weitermachen, sagte er, man plane eine ganze Reihe solcher Verkäufe [1]. Als Beispiel nannte er, Ford übernehme das Lincoln Memorial, das künftig "Lincoln Mercury Memorial" heiße [1] [2]. Lincoln und Mercury waren damals Automarken von Ford, der Witz zielte also auf die Werbung selbst.
Die Antwort zeigt, wie ein guter AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar andere zum Mitspielen einlädt. McCurry musste nichts richtigstellen, denn wer seine Antwort hörte, wusste sofort, dass beides nicht ernst gemeint war.
Die Auflösung zu Mittag
Um 12 Uhr am 1. April 1996 gab Taco Bell zu, dass alles erfunden war, und nannte die Aktion "The Best Joke of the Day", den besten Witz des Tages [1] [2]. Zugleich kündigte die Firma nach dem Museum of Hoaxes eine Spende von 50.000 Dollar für die Pflege der Glocke an [1]. Die Wikipedia erwähnt diese Spende nicht [2]. Mit der Spende wandelte sich die Botschaft. Aus dem Konzern, der ein Nationalsymbol kauft, wurde ein Unternehmen, das für dieses Symbol etwas tut.

Ob die Parkverwaltung vorher eingeweiht war, ist unklar. In den Kommentaren beim Museum of Hoaxes behaupten Leser, der Park Service habe mitgemacht, belegt ist das nicht [1]. Die zitierte Überraschung der Sprecherin spricht eher dagegen.
Kritik und Lob
Nicht alle fanden den Scherz gelungen. Roger Kennedy, Direktor des National Park Service, nannte die Anzeige nach dem Museum of Hoaxes "as false as it is cheesy", also ebenso falsch wie geschmacklos [1]. Die New York Daily News schrieb, der Scherz sei "flat as a dumbbell" gefallen, ein Wortspiel mit "bell", der Glocke [1]. Der Aktivist Paul Rogat Loeb meinte später, der Scherz habe sich zu echt angefühlt, um noch angenehm zu sein [2].
In der Werbebranche dagegen gilt die Aktion als Erfolg. David Paine, Gründer der Agentur, die die Kampagne betreute, nannte sie das erfolgreichste Projekt, an dem er beteiligt gewesen sei [2]. Er sagte nach der Wikipedia auch, ein vergleichbarer Scherz wäre zehn Jahre später in einem vorsichtigeren Klima nicht mehr möglich gewesen [2].
Was Taco Bell davon hatte
Für die Firma lohnte sich der Scherz. Die Quellen nennen dazu unterschiedliche Zahlen. Nach dem Museum of Hoaxes meldete die Marketingabteilung von Taco Bell, der Umsatz sei in der Woche des 1. April um mehr als eine halbe Million Dollar höher gewesen als in der Woche davor [1]. Die Wikipedia spricht von mehr als einer Million Dollar zusätzlichem Umsatz in den ersten beiden Apriltagen [2]. Die Kampagne soll 300.000 Dollar gekostet und Berichterstattung im Wert von rund 25 Millionen Dollar Werbung eingebracht haben [2]. Diese 25 Millionen nennt auch das Museum of Hoaxes, als Schätzung der Agentur [1].
Solche Zahlen stammen von der Firma und ihrer Agentur selbst, und wie man den Wert von Presseberichten in Werbegeld umrechnet, ist immer eine Schätzung. Sicher ist, dass über die Anzeige überall gesprochen wurde, im Radio, im Fernsehen und im Weißen Haus.
Woran man den Scherz erkennen konnte
Im Nachhinein gab es mehrere Hinweise. Das Datum war der deutlichste. Dazu kam der neue Name, der so plump klang, dass er eher nach Spott über Sponsoring aussah als nach einem echten Vorhaben. Eine Meldung dieser Größe hätte außerdem in den Nachrichtenteilen der Zeitungen gestanden und nicht nur in einer bezahlten Anzeige. Wer bei der Parkverwaltung anrief, erfuhr schnell, dass dort niemand etwas von einem Verkauf wusste [1]. Die vielen Anrufe zeigen aber, dass der erste Schreck oft schneller war als jeder dieser Gedanken. Genau darauf setzt ein Werbescherz: Er muss nur für ein paar Stunden glaubhaft sein.
Werbung am 1. April
Die Taco Liberty Bell gehört zu einer Reihe von Firmenscherzen, die echte Werbung mit einer erfundenen Neuigkeit verbinden. Eine andere Burgerkette kündigte später einen Burger für Linkshänder an, nachzulesen beim Linkshänder-Whopper. Anders als ein Zeitungsscherz wie Sidd Finch hat ein Werbescherz immer einen Absender, der etwas verkaufen will. Das macht ihn heikler. Je mehr ein Unternehmen mit einem Scherz an etwas rührt, das vielen Menschen wichtig ist, desto schneller kippt der Spaß in Ärger.
Für deine eigenen Scherze heißt das: Ein Witz über etwas, das anderen am Herzen liegt, braucht eine schnelle Auflösung und eine kleine Geste danach, so wie Taco Bell mit der Spende. Wie der 1. April in den USA gefeiert wird, steht beim Aprilscherz in den USA. Weitere Fälle findest du unter den berühmten Aprilscherzen, und woran du Werbescherze und andere Medienscherze erkennst, zeigt die Seite Aprilscherze in den Medien erkennen.
Häufige Fragen
Wurde die Liberty Bell wirklich verkauft?
Nein. Die Anzeige war ein Aprilscherz, und die Glocke steht weiter in Philadelphia. Der National Park Service stellte noch am Vormittag klar, dass sie nicht zu verkaufen sei.
In welchen Zeitungen erschien die Anzeige?
In The Philadelphia Inquirer, The New York Times, The Washington Post, der Chicago Tribune, The Dallas Morning News und USA Today, jeweils als ganze Seite.
Wann hat Taco Bell den Scherz aufgelöst?
Am 1. April um 12 Uhr. Die Firma nannte die Aktion "The Best Joke of the Day" und kündigte nach dem Museum of Hoaxes eine Spende für die Pflege der Glocke an.
Hat sich der Scherz für Taco Bell gelohnt?
Nach Angaben der Firma und ihrer Agentur ja. Der Umsatz stieg in den Tagen danach deutlich, und die Berichte in den Medien sollen so viel wert gewesen sein wie Werbung für rund 25 Millionen Dollar. Die genauen Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle.
Quellen
- The Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Taco Liberty Bell, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Wikipedia: Taco Liberty Bell, en.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.