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April Fools' Day in Großbritannien und die Mittagsregel

In England wird am 1. April nur bis zwölf Uhr gescherzt. Woher die Mittagsregel kommt, was die Löwenwäsche im Tower war und wie BBC und Guardian mitspielen.

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Ein bunter Papierfisch liegt auf einer Fensterbank, dahinter eine verregnete Straße mit Backsteinhäusern
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Am April Fools' Day in England und Wales gilt die Mittagsregel: Gescherzt wird nur bis zwölf Uhr, wer danach noch Streiche spielt, ist selbst der April Fool. Belegt ist der Brauch in England seit 1686, die Mittagsregel seit 1855. Bekannt sind vor allem die Scherze von BBC und Guardian.

In England und Wales heißt der Tag April Fools' Day, und es gilt eine feste Zeitgrenze. Gescherzt wird nur bis zwölf Uhr mittags. Wer danach noch jemanden hereinlegen will, ist selbst der Narr und muss sich einen Spottvers anhören [2]. Den Brauch kennt man in England seit dem späten 17. Jahrhundert, die Mittagsregel ist seit 1855 schriftlich belegt [1][2]. Schottland feiert anders, mit zwei Tagen, und hat bei uns eine eigene Seite.

Die Mittagsregel

Den frühesten Beleg für die Regel fand das Museum of Hoaxes in der Zeitschrift Notes and Queries vom 11.08.1855. Ein Leser schrieb, in der Grafschaft Hampshire werde jeder, der nach zwölf Uhr noch Streiche spiele, mit einem Vers empfangen. Er läuft darauf hinaus, dass der Spätzünder nun selbst der größte Narr sei [2].

Eine weiße Teetasse und Toast stehen auf einem Holztisch am Fenster mit Regentropfen
Bild: KI-generiert

Fünfzig Jahre später, im April 1905, erinnerten sich mehrere Leser derselben Zeitschrift an ihre Schulzeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach zwölf Uhr waren Streiche unter Mitschülern nicht mehr erlaubt, und wer es trotzdem versuchte, wurde mit Versen verspottet, etwa mit diesem: "April Fool Day past an' gone, You're ten fools for makin' me one!" [2]. Die Archivarin Rachel Bates zitiert einen ähnlichen Vers vom Schulhof des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In Yorkshire stand darin statt "fool" das Wort "noddy", Dummkopf [3].

Die Regel hielt sich lange. Peter und Iona Opie stellten sie 1959 in ihrer Studie über britische Schulkinder noch auf den Schulhöfen fest. Später beobachtete der Kinderpsychologe Brian Sutton-Smith sie auch in Schulen in Neuseeland [2]. Das Museum of Hoaxes beschreibt die Regel als Eigenheit englischsprachiger Länder und vermutet einen praktischen Grund: Am Morgen denken die Leute noch nicht an das Datum und fallen leichter herein [2].

Wer in England einen Streich plant, sollte also früh aufstehen. Firmen halten sich bis heute daran. Taco Bell kündigte 1996 in amerikanischen Zeitungen an, die Freiheitsglocke zu kaufen, und gab den Scherz um zwölf Uhr zu [2]. Für Deutschland ist eine solche Grenze nicht belegt.

Aubrey und die ersten englischen Belege

Aus dem elisabethanischen und frühen Stuart-England gibt es keinen schriftlichen Hinweis auf einen eigenen Scherztag [3]. Shakespeare erwähnt den Tag nicht [1]. Der erste englische Beleg stammt von dem Gelehrten John Aubrey. Er schrieb 1686, der Tag werde am 1. April begangen und sei "in Deutschland überall" üblich. Seine Aufzeichnungen erschienen erst nach seinem Tod [1].

Woher der Brauch nach England kam, ist offen. Bis 1752 begann das Jahr in England am 25. März, und rechnet man acht Tage Feier dazu, endet sie am 1. April [3]. Ein Leser des Gentleman's Magazine schlug diese Erklärung 1766 vor, das Museum of Hoaxes nennt sie reine Vermutung [1]. Rachel Bates hält zusätzlich deutsche und französische Einflüsse im 17. Jahrhundert für möglich [3].

Die Löwenwäsche im Tower

Der erste berichtete Londoner Aprilscherz handelt von Löwen. Dawks's News-Letter meldete am 02.04.1698, am Vortag seien mehrere Leute zum Graben des Tower geschickt worden, um beim Waschen der Löwen zuzusehen [1]. Eine solche Zeremonie gab es nie. Er wurde bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder gespielt [1]. Mehr dazu im Glossar unter Löwenwäsche.

Die Steinmauer einer alten Festung erhebt sich im Morgennebel über einem grasbewachsenen Graben
Bild: KI-generiert

Daneben gab es schlichtere Botengänge. Kinder wurden losgeschickt, um Taubenmilch zu holen, und auf der Straße erzählte man Fremden, ihr Schnürsenkel sei offen oder sie hätten etwas fallen lassen [3]. Manche Streiche gingen zu weit. Charles Dickens der Jüngere schrieb 1868 deshalb Regeln auf: Niemand darf körperlich zu Schaden kommen, und wer einer falschen Behauptung glaubt, muss sich nicht schämen [3].

Zeitungen, BBC und Guardian

Englische Zeitungen spielten früh mit. 1731 meldete ein Blatt, die Regierung kaufe Halfpenny-Münzen auf, bei denen im Namen "Georgius" das R fehle. Viele fielen darauf herein [3]. 1753 stellte eine Zeitung den 1. April in seiner Beliebtheit neben den Weihnachtstag. Die Yorkshire Post fand den Brauch 1925 dagegen schon im Niedergang [3].

Berühmt wurden die englischen Aprilscherze durch Radio und Fernsehen. Die BBC-Sendung Panorama zeigte am 1. April 1957 Schweizer Bauern bei der Spaghetti-Ernte, und viele Zuschauer fragten an, wie man einen Spaghettibaum zieht [4]. Die ganze Geschichte steht auf der Seite zur Spaghetti-Ernte. Im Jahr 1980 meldete der Auslandsdienst der BBC, der Big Ben bekomme eine Digitalanzeige. Viele Hörer waren empört [5]. Mehr dazu unter Big Ben wird digital.

Die Zeitungen zogen nach. Der Guardian brachte am 1. April 1977 eine siebenseitige Beilage über die erfundene Inselgruppe San Serriffe, deren Orte nach Begriffen aus dem Buchdruck hießen. Echte Firmen schalteten dazu passende Anzeigen, und das Telefon der Redaktion klingelte den ganzen Tag [6]. Nach dem Museum of Hoaxes löste der Erfolg eine Welle von Aprilscherzen in anderen Zeitungen aus [6]. Die Geschichte steht auf der Seite San Serriffe.

Nicht jeder Scherz kommt rechtzeitig an. Eine Brauerei verschickte 1998 vorab eine Pressemitteilung, nach der die Greenwich-Zeit zum Millennium ihren Namen tragen sollte, mit der Bitte, sie erst am 1. April zu veröffentlichen. Die Financial Times druckte die Meldung einen Tag zu früh und kritisierte sie, ohne den Scherz zu bemerken [2].

Nordengland und alte Nachbarbräuche

Ganz einheitlich war der Tag in Britannien nie. Im Norden Englands kannte man wie in Schottland den Huntigowk Day oder Gowkie Day. Dort schickte man Gutgläubige mit einem Zettel los, auf dem sinngemäß stand, man solle den Narren noch eine Meile weiterjagen. Der Zettel verlangte, den Boten weiterzuschicken [3]. Charles Dickens der Jüngere hielt von diesem Brauch wenig und verurteilte ihn [3].

Daneben gab es regionale Tage, an denen ähnlich geneckt wurde. Das Museum of Hoaxes nennt Hoke-Tide in der Zeit um Ostern und den Shig-Shag-Tag am 20. Mai [1]. Auch eine Sage erzählte man gern: Die Bewohner des Dorfs Gotham in Nottinghamshire sollen sich im 13. Jahrhundert vor König Johann dumm gestellt haben, und daraus sei der Narrentag entstanden. Belegt ist das nicht, das Museum of Hoaxes führt die Geschichte als Volkssage [1].

Für den Alltag heute heißt das: In England und Wales gilt die Mittagsregel ziemlich zuverlässig, in Schottland und im Norden kennen ältere Leute noch den Gowk und den Botengang mit dem Zettel. Wer Freunde in Großbritannien hat und ihnen eine Nachricht zum 1. April schickt, sollte die Zeitverschiebung bedenken: Die britische Uhr geht eine Stunde hinter der deutschen. Wenn es bei dir halb eins ist, ist es dort erst halb zwölf.

Ein Unglückstag mit langer Vorgeschichte

In England galt der 1. April lange auch als schlechter Tag für wichtige Vorhaben. Wer an diesem Tag heiratete, könne seinem Ehepartner nie trauen, hieß es, und auf dem Land säte man am 1. April nichts aus [2]. Von diesem Aberglauben ist wenig geblieben. Behörden und Firmen meiden den Tag aber bis heute für ernste Ankündigungen, damit niemand sie für einen Scherz hält [2].

Wenn du am 1. April jemanden in England oder einer englischen Familie hereinlegen willst, halte dich an die Mittagsregel und löse spätestens um zwölf Uhr auf. Danach gilt der Scherz als Eigentor. Was der Ausdruck selbst bedeutet, steht im Glossar unter April Fools' Day.

Häufige Fragen

Warum enden Aprilscherze in England um zwölf Uhr?

Das ist ein alter Brauch, der seit 1855 schriftlich belegt ist. Warum die Grenze gerade mittags liegt, ist nicht überliefert. Eine Vermutung lautet, dass die Leute am Morgen noch nicht an das Datum denken.

Was passiert, wenn man nach zwölf Uhr noch scherzt?

Dann ist man nach der Regel selbst der April Fool. Früher bekam man auf dem Schulhof dafür einen Spottvers zu hören.

Was war die Löwenwäsche im Tower?

Ein alter Londoner Streich: Man schickte Leute zum Graben des Tower, um beim Waschen der Löwen zuzusehen. Eine solche Zeremonie gab es nie, belegt ist der Scherz seit 1698.

Gilt die Mittagsregel auch in Schottland?

In Schottland dauern die Scherze traditionell zwei Tage, Hunt the Gowk am 1. April und Tailie Day am 2. April. Auf unserer Seite zu Schottland steht mehr dazu.

Quellen

  1. Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Origin of April Fool's Day, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Museum of Hoaxes: What are the rules and customs of April Fool's Day?, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  3. The Genealogist, Discover Your Ancestors (Rachel Bates): Fun and frolics... or foul play?, thegenealogist.co.uk, abgerufen am 06.11.2026.
  4. Museum of Hoaxes: The Swiss Spaghetti Harvest, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  5. Museum of Hoaxes: Big Ben Goes Digital, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  6. Museum of Hoaxes: San Serriffe, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.