Fliegende Pinguine: der Aprilscherz der BBC
Adeliepinguine, die in den Regenwald fliegen, angekündigt mit Terry Jones: wie die BBC ihren Trailer zum Aprilscherz machte und warum er im Netz so gut lief.

Kurz gesagt
Die fliegenden Pinguine waren ein Aprilscherz der BBC vom 01.04.2008. Ein Trailer zur angeblichen Naturfilmreihe "Miracles of Evolution" zeigte Adeliepinguine, die zum Überwintern in den südamerikanischen Regenwald fliegen, mit Terry Jones als Sprecher. Der Clip warb zugleich für den BBC iPlayer und wurde eines der meistgesehenen Videos im Netz.
Am 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar 2008 zeigte die BBC einen kurzen Film über Adeliepinguine, die dem antarktischen Winter davonfliegen: Tausende Kilometer weit bis nach Südamerika, wo sie in der Tropensonne überwintern [1]. Der Clip war als Trailer für eine Naturfilmreihe namens "Miracles of Evolution" angelegt, Sprecher war der frühere Monty-Python-Komiker Terry Jones [1]. Die Reihe gab es nicht, die Flugszenen waren am Computer entstanden, und der Film führte auf eine Seite des BBC iPlayer [2].
Was der Trailer zeigte
Der Aufbau folgte dem Muster einer echten Tierdokumentation. Terry Jones steht in dicker Jacke im Schnee und erklärt mit leiser Stimme, was die Zuschauer gleich sehen werden. Dann heben die Pinguine ab, zuerst einzelne, dann eine ganze Kolonie, während Jones ihnen staunend nachschaut [2]. Als Drehort nannte der Film King George Island, eine Insel rund 1.000 Kilometer südlich der Falklandinseln [2]. Die Wikipedia beschreibt die Insel als etwa 120 Kilometer vom antarktischen Festland entfernt [3].
Das Ziel der Reise war ein Bild, das jeder sofort versteht: Statt sich monatelang im Dunkeln aneinanderzudrängen, verbringen die Tiere den Winter im Regenwald, "basking in the tropical sun", wie es beim Museum of HoaxesHoax Hoax ist das englische Wort für einen Schwindel. Im Deutschen meint es meist eine Falschmeldung, die sich über soziale Netzwerke, E-Mail oder Messenger verbreitet, weil viele sie glauben und weiterleiten. Typisch sind Kettenbriefe und angebliche Spendenaktionen. Im Glossar heißt, also faul in der tropischen Sonne liegend [1]. Wer je eine Pinguin-Dokumentation gesehen hat, kennt die Szenen der frierenden Kolonie im Sturm. Der Trailer drehte dieses bekannte Bild einfach um.
Wie die Flugszenen entstanden
Nach der Darstellung der Wikipedia wurde Terry Jones in einem Studio mit künstlichem Schnee auf dem Boden gefilmt. Diese Aufnahmen wurden mit echten Bildern aus der Antarktis und mit am Computer erzeugten Pinguinen zusammengesetzt. Für die Flugbewegung nahm sich die BBC den Flug von Trottellummen zum Vorbild [3]. Das ist ein naheliegendes Vorbild, denn Lummen sind wie Pinguine schwarz-weiße Meeresvögel mit kurzen Flügeln, können aber tatsächlich fliegen.

Später veröffentlichte die BBC ein Video darüber, wie die Effekte gemacht wurden [1]. Solche Making-of-Filme lösen auf und zeigen zugleich, wie viel Arbeit in der Täuschung steckt. Auch die Zeitung The Daily Telegraph stellte ein solches Video online [3].
Die Rolle der Zeitungen
Die BBC stand mit dem Scherz nicht allein da. Am selben Morgen berichteten zwei Zeitungen über die angebliche Entdeckung. Der Daily Mirror brachte die "Wunderpinguine" auf die Titelseite und zitierte den angeblichen Filmemacher Professor Alid Loyas, der den Fund als Beispiel für Darwins Evolutionstheorie im Rückwärtsgang bezeichnete [2]. The Daily Telegraph schrieb, die BBC habe bemerkenswerte Aufnahmen fliegender Pinguine für ihre neue Naturfilmreihe [2].
Der Name des Professors war der Schlüssel zur Auflösung. Nach ABC News ist Alid Loyas ein Anagramm von "April Fools DayApril Fools' Day April Fools' Day ist der englische Name für den 1. April als Tag der Streiche, vor allem in Großbritannien und den USA. In Großbritannien gilt traditionell, dass Scherze nur bis zum Mittag erlaubt sind. Wer danach noch jemanden hereinlegt, ist selbst der "April fool". Im Glossar", die Buchstaben passen allerdings nicht vollständig zusammen [2]. Ein Kolumnist des Guardian, Chris Tryhorn, wurde stutzig, weil die BBC und zwei miteinander konkurrierende Zeitungen dieselbe Geschichte am selben Tag hatten. Für einen AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar hätten sie zusammenarbeiten müssen, schrieb er sinngemäß [2]. Nach dem Bericht von ABC News hatten die BBC und die beiden Zeitungen genau das getan [2].
Laut ABC News meldete der Mirror neben den Pinguinen noch weitere Funde desselben Filmteams: eine Echse, die sich selbst verschluckt, und einen musikalischen Frosch, der mit den Beinen rappt [2]. Wer diese Begleitmeldungen las, hatte einen weiteren Hinweis in der Hand.
Warum der Clip im Netz so gut lief
Das Museum of Hoaxes zählt den Pinguin-Clip zu den meistgesehenen Videos im Internet [1]. Eine genaue Zahl nennt es nicht, und wir haben keine belastbare Zahl gefunden. Dass das Video so weit kam, hat mehrere Gründe, die sich aus dem Aufbau des Scherzes ableiten lassen.

Der Film war kurz und für sich verständlich. Man musste weder die Reihe noch den Sender kennen, um ihn weiterzuschicken. Er kam von der BBC, deren Naturfilme weltweit einen guten Ruf haben, und war in der Bildsprache dieser Filme gemacht. Er hatte ein bekanntes Gesicht als Sprecher, das zugleich ein Augenzwinkern war: Terry Jones war vor allem als Komiker bekannt. Und er zeigte etwas, das man gern glauben möchte, ohne es wirklich zu glauben.
Für die BBC hatte der Scherz noch einen zweiten Zweck. Laut ABC News war der Clip mit einer Seite des BBC iPlayer verknüpft [2], des Dienstes, über den die BBC ihre Sendungen im Netz anbot. Die Wikipedia nennt die Werbung für den iPlayer ausdrücklich als Anlass des Films [3]. Der Aprilscherz war damit auch eine Anzeige in eigener Sache, ähnlich wie bei Firmen, die einen Scherz mit einer echten Botschaft verbinden.
Die BBC und ihre Aprilscherze
Die fliegenden Pinguine stehen in einer Reihe mit dem bekanntesten Fernsehscherz der BBC, der Spaghetti-Ernte von 1957. Beide Male nutzte der Sender die Form, der das Publikum am meisten vertraute: damals das Nachrichtenmagazin, 2008 die Naturdokumentation [1]. Beide Male ging es um etwas Harmloses, das man nicht nachprüfen konnte, ohne zu reisen. Wer die Spaghetti-Bäume in der Schweiz nicht besuchen konnte, konnte auch nicht nach King George Island fahren.
Ein Unterschied liegt in der Verbreitung. Die Spaghetti-Ernte lief einmal im Fernsehen, und wer sie sah, konnte höchstens beim Sender anrufen. Die Pinguine dagegen waren für das Teilen gemacht. Sie zeigen, wie sich der Medien-Aprilscherz mit dem Netz verändert hat: Der Film blieb auffindbar, wurde weitergereicht und ist bis heute zu sehen, lange nachdem der 1. April vorbei war. Wie du solche Meldungen erkennst, wenn sie dir ohne Datum begegnen, steht in unserem Beitrag Aprilscherze in den Nachrichten erkennen.
Was du für einen eigenen Scherz mitnehmen kannst
Ein Trickfilm wie der der BBC ist zu Hause kaum zu machen, die Idee dahinter aber schon. Der Scherz nahm etwas, das alle kennen, und änderte genau eine Sache daran. Die Pinguine sahen aus wie Pinguine, das Eis wie Eis, der Sprecher klang wie ein Naturfilmer. Nur das Fliegen war neu. Je mehr an einer Geschichte stimmt, desto leichter wird die eine falsche Stelle geschluckt.
Für eine eigene Meldung im Familien- oder Freundeskreis heißt das: Bleib nah an dem, was die anderen kennen, und verlege die Überraschung an eine harmlose Stelle. Eine erfundene Nachricht über die Kantine, das Haustier oder den Verein funktioniert nach demselben Prinzip. Wie du so eine Meldung baust und auflöst, zeigt die Anleitung zur eigenen Zeitungsente. Und ein versteckter Hinweis wie das Anagramm im Namen des Professors ist eine freundliche Geste: Wer genau hinschaut, kann den Scherz selbst entdecken.
Können Pinguine wirklich fliegen?
Nein, in der Luft fliegen Pinguine nicht. Ihre Flügel sind zu kurzen, steifen Flossen geworden, mit denen sie unter Wasser schwimmen. Unter Wasser bewegen sie sich mit Flügelschlägen, die dem Fliegen ähneln, deshalb spricht man gelegentlich davon, dass Pinguine im Wasser "fliegen". Der Trailer hat dieses Bild wörtlich genommen und die Tiere aus dem Wasser in den Himmel versetzt. Wer weitere Medienfälle dieser Art sucht, findet sie in unserer Übersicht der berühmten Aprilscherze.
Häufige Fragen
Ist der Pinguin-Trailer noch online zu sehen?
Nach Angaben der Wikipedia ist der Trailer weiter im Netz zu finden, auch bei Videoplattformen. Ob die ursprüngliche Seite beim BBC iPlayer noch erreichbar ist, konnten wir nicht prüfen.
Wer hat die Pinguine gesprochen?
Sprecher und Moderator des Trailers war Terry Jones, bekannt als Mitglied der Komikergruppe Monty Python. Er trat in dicker Jacke vor Kunstschnee auf, die Aufnahmen entstanden im Studio.
Gab es die Serie "Miracles of Evolution"?
Nein. Der Titel war Teil des Scherzes. Gezeigt wurde nur der Trailer, eine ganze Reihe dieses Namens ist in unseren Quellen nicht belegt.
Woran hätte man den Scherz erkennen können?
Am Datum, am Namen des angeblichen Filmemachers Alid Loyas, der nach ABC News ein Anagramm von "April Fools Day" sein soll, und daran, dass zwei konkurrierende Zeitungen am selben Morgen dieselbe Geschichte brachten. Und natürlich daran, dass Pinguine nicht fliegen.
Quellen
- The Museum of Hoaxes (Alex Boese): Flying Penguins, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- ABC News (Ammu Kannampilly): World's First Ever Flying Penguins?, abcnews.com, abgerufen am 06.11.2026.
- Wikipedia: Flying penguin hoax, en.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.