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Rauch über dem Mount Edgecumbe: der Vulkan-Aprilscherz von Sitka

Am 1. April stieg über einem erloschenen Vulkan bei Sitka in Alaska schwarzer Rauch auf. Wer dahintersteckte, wie es ablief und warum es heute kein Vorbild ist.

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Ein schneebedeckter Vulkankegel über einer ruhigen Bucht, aus dem Krater steigt dunkler Rauch auf
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Am 01.04.1974 sahen die Bewohner von Sitka in Alaska schwarzen Rauch aus dem Krater des Mount Edgecumbe aufsteigen, eines seit Langem ruhenden Vulkans. Dahinter steckte der Unternehmer Oliver "Porky" Bickar, der rund 70 Altreifen per Hubschrauber in den Krater bringen und anzünden ließ. Im Schnee stand in riesigen Buchstaben "April Fool".

Der Ausbruch des Mount Edgecumbe am 1. April 1974 war ein Aprilscherz: Oliver "Porky" Bickar aus Sitka in Alaska ließ rund 70 Altreifen mit dem Hubschrauber in den Krater des ruhenden Vulkans fliegen und anzünden [1]. Über der Stadt stieg eine schwarze Rauchsäule auf, viele Menschen glaubten an einen Ausbruch. Im Schnee am Krater stand in schwarzen Buchstaben von rund 15 Metern Höhe "April Fool" [1]. Das Museum of Hoaxes führt den Fall auf Platz 3 seiner Liste der hundert besten Aprilscherze [1].

Der Vulkan vor der Stadt

Der Mount Edgecumbe liegt auf der Insel Kruzof, auf der anderen Seite des Sitka Sound gegenüber der Stadt Sitka [2]. Nach dem Museum of Hoaxes war er zu dieser Zeit seit rund 400 Jahren ruhig [1]. Der gleichmäßige Kegel ist von Sitka aus gut zu sehen, wenn das Wetter klar ist, und genau das wurde für den Plan zur Bedingung.

Wer Porky Bickar war

Oliver Bickar, genannt Porky, kam 1923 in Chehalis im Bundesstaat Washington zur Welt, kämpfte im Zweiten Weltkrieg und nahm an der Landung in der Normandie teil [1]. Nach Sitka zog er 1960, vier Jahre später gründete er eine Firma für Forstgeräte [1]. Zur Zeit des Scherzes war er 50 Jahre alt [1]. Die Zeitung Anchorage Daily News beschreibt ihn als Mann mit Sinn für den großen Auftritt [2]. Zu seinen weiteren Scherzen gehörten Plastikflamingos, die er in Bäume setzte, um Ausflugsboote zu verwirren [1].

Ein Stapel alter Autoreifen liegt auf einem verschneiten Feld neben einem hölzernen Hangar
Bild: KI-generiert

Die Idee mit dem Vulkan hatte er nach dem Museum of Hoaxes schon 1971 [1]. Er sammelte Altreifen und lagerte sie in einem Flugzeughangar. Dann wartete er drei Jahre auf einen Tag, an dem die Sicht klar genug war, damit man den Rauch von Sitka aus sehen konnte [1].

Wie der Scherz ablief

Ein Hubschrauber war schwer zu bekommen. Laut Museum of Hoaxes lehnten die ersten beiden Piloten ab, erst Earl Walker aus Petersburg sagte zu, als sich der Nebel lichtete [1]. Die Reifen hingen in zwei Lasten unter dem Hubschrauber, dazu kamen Rauchkörper, Brennstoff und Lappen [1] [2]. Geholfen haben nach dem Museum of Hoaxes Harry Sulser, Ken Stedman und Larry Nelson, Mitglieder einer Runde, die sich "Dirty Dozen" nannte und sich in einem Restaurant der Stadt zum Kaffee traf [1].

Ein kleiner roter Hubschrauber fliegt über eine verschneite Berglandschaft mit dunklen Nadelwäldern
Bild: KI-generiert

Nach der ersten Ladung trat Bickar die Buchstaben in den Schnee und sprühte sie schwarz an [1] [2]. Als der Hubschrauber mit der zweiten Ladung zurückkam, stapelten die Männer die Reifen, zündeten sie an und flogen davon [1]. Seiner Frau Patty hatte Bickar am Morgen gesagt, heute müsse es sein. Ihre Antwort war laut beiden Quellen sinngemäß: Mach dich bloß nicht lächerlich [1] [2].

Die Reaktion in Sitka

In Sitka kamen die Menschen auf die Straße und schauten zum Berg. Nach der Anchorage Daily News standen die Telefone bei Polizei und Radiosendern nicht still [2]. Bickar hatte vorher die Flugsicherung FAA und die Polizei eingeweiht, nach der Zeitung auch die Feuerwehr. Die Küstenwache hatte er vergessen [1] [2]. Deren Kommandant funkte den Admiral in Juneau an, und der schickte einen Hubschrauber los [1]. Der Pilot fand statt Lava einen Haufen brennender Reifen und die Buchstaben im Schnee [1].

Die meisten Menschen in Sitka nahmen den Scherz gut auf, als sie erfuhren, was dahintersteckte [1]. Ein Flug von Alaska Airlines wurde nach der Zeitung sogar umgeleitet, damit die Fluggäste den Rauch sehen konnten [2]. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete die Geschichte, Zeitungen auf der ganzen Welt druckten sie [1]. Der Admiral der Küstenwache sagte Bickar Jahre später, er halte den Streich für einen Klassiker [1].

Eine Nachwirkung kam 1980, als in den USA der Mount St. Helens ausbrach. Bickar bekam damals von einem Anwalt aus Denver einen Zeitungsausschnitt mit einem Foto des Ausbruchs zugeschickt, versehen mit einer derben Bemerkung, sinngemäß: Diesmal bist du zu weit gegangen [1]. Eine Fluggesellschaft nahm Bickars Bericht 1975 in einen Wettbewerb um die beste Angebergeschichte Alaskas auf; gewonnen hat er ihn laut Anchorage Daily News nicht, Sieger war eine Geschichte über einen Bärenangriff [1] [2]. Bickar starb 2003 im Alter von 79 Jahren [1].

Wie Sitka sich an Porkys Ausbruch erinnert

Der Streich bekam in Sitka einen eigenen Namen. Bickar entwarf eine Erinnerungsjacke mit einer Rauchwolke über dem Mount Edgecumbe, die als "Porky's rising" beschriftet war, als Porkys Aufstieg [2]. Ein Fluglotse soll an jenem Morgen gesagt haben, der Rauch sehe "fantastic" aus [2]. Die Geschichte wurde über die Jahre in Alaska immer wieder erzählt, und die Anchorage Daily News nannte sie noch 2020 den größten Aprilscherz in der Geschichte Alaskas [2].

Zum Bild von Bickar gehören auch andere Seiten. Laut Museum of Hoaxes war er bei den Holzfällermeisterschaften in Alaska dafür bekannt, Bäume so zu fällen, dass sie ein Ziel trafen [1]. In seinem Geschäft warb er mit einem Verkauf von Kettensägen nach dem Motto "eine zum Preis von zwei" [1].

Warum der Scherz heute kein Vorbild ist

So gern die Geschichte erzählt wird: Nachmachen sollte das niemand. Brennende Reifen setzen giftigen Rauch und Rückstände frei, die Boden und Wasser belasten. In einem Naturgebiet wäre das heute ein Fall für die Behörden. Dazu kommt der Einsatz, den der Scherz ausgelöst hat. Die Küstenwache schickte einen Hubschrauber los, weil sie einen echten Ausbruch nicht ausschließen konnte. Ein solcher Flug bindet Menschen und Geräte, die in diesem Moment vielleicht anderswo gebraucht werden.

Auch die Telefone von Polizei und Radio waren in Sitka an diesem Morgen belegt [2]. Wer heute einen Notfall vortäuscht oder Rettungskräfte unnötig ausrücken lässt, muss mit rechtlichen Folgen rechnen. Einen Überblick über die Grenzen bei Aprilscherzen gibt die Seite zum Recht am 1. April, die Grundregeln dieser Website stehen in den Harmlos-Regeln. Dass Bickar einige Stellen vorwarnte, zeigt immerhin, dass er an die Folgen gedacht hat. Gereicht hat die Vorwarnung trotzdem nicht.

Was sich davon im Kleinen übernehmen lässt

Was am Mount Edgecumbe funktionierte, war die Geduld und das Bild, das plötzlich anders aussah als sonst. Für einen Scherz in der Nachbarschaft lässt sich das ohne Rauch und ohne Hubschrauber nachbauen. Bickars Flamingos in den Bäumen sind dafür das bessere Vorbild: Bei der Flamingo-Invasion steht der Vorgarten am Morgen voller Plastikvögel, und nichts davon richtet Schaden an. Weitere berühmte Fälle findest du unter berühmte Aprilscherze, Aprilscherze aus anderen Teilen der USA auf der Seite zum April Fools' Day in den USA.

RandnotizBickar wartete nach dem Museum of Hoaxes drei Jahre auf einen Tag, an dem die Sicht klar genug war.

Häufige Fragen

Ist der Mount Edgecumbe 1974 wirklich ausgebrochen?

Nein. Der Rauch kam von Altreifen, die Porky Bickar im Krater angezündet hatte. Der Vulkan selbst blieb ruhig.

Wie viele Reifen waren es?

Bickar selbst sprach von 70 alten Reifen, das Museum of Hoaxes nennt dieselbe Zahl. Andere Darstellungen nennen andere Mengen, deshalb schreiben wir "rund 70".

Wer wusste vorher Bescheid?

Die Flugsicherung FAA und die Polizei von Sitka, nach der Anchorage Daily News auch die Feuerwehr. Die Küstenwache hatte Bickar vergessen, sie schickte deshalb einen Hubschrauber zum Krater.

Gab es eine Strafe?

Davon berichten unsere Quellen nichts. Sie beschreiben vor allem, dass die meisten Menschen in Sitka und später sogar der Admiral der Küstenwache den Scherz mit Humor nahmen.

Quellen

  1. The Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Eruption of Mount Edgecumbe, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Anchorage Daily News (David Reamer): The story of "Porky's rising": Alaska's greatest ever April Fools' Day prank, adn.com, abgerufen am 06.11.2026.