Woher kommt der Aprilscherz am 1. April?
Kalenderreform, römische Feste, Augsburg oder Brielle: Wir prüfen die Theorien zur Herkunft des Aprilscherzes und sagen, was die Quellen hergeben.

Kurz gesagt
Woher der Aprilscherz kommt, weiß niemand sicher. Die bekannteste Erklärung, eine Verlegung des Neujahrstags in Frankreich, passt schlecht zu den Daten, und auch römische Feste, Augsburg oder Brielle lassen sich als Ursprung nicht belegen. Die ältesten klaren Hinweise stammen aus Flandern und Frankreich.
Woher der AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar kommt, ist nicht geklärt. Auch das Museum of HoaxesHoax Hoax ist das englische Wort für einen Schwindel. Im Deutschen meint es meist eine Falschmeldung, die sich über soziale Netzwerke, E-Mail oder Messenger verbreitet, weil viele sie glauben und weiterleiten. Typisch sind Kettenbriefe und angebliche Spendenaktionen. Im Glossar, das die Belege zum 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar seit Jahren sammelt, nennt den Ursprung unbekannt [1]. Die meisten Erklärungen, die man liest, sind Vermutungen, und einige lassen sich sogar widerlegen. Fest steht nur, wo der Brauch zuerst in Texten auftaucht, nämlich in Flandern und Frankreich im 16. Jahrhundert.
Die Belege in ihrer zeitlichen Reihenfolge stehen auf der Seite zur Geschichte des Aprilscherzes.
Die Kalender-Theorie: Neujahr im April
Die bekannteste Erklärung kommt aus Frankreich. Bis ins 16. Jahrhundert begann das Jahr dort nicht überall am selben Tag. In Lyon etwa fing es zu Weihnachten an, anderswo am 25. März [5]. König Karl IX. legte den Jahresbeginn auf den 1. Januar. Das Pariser Parlament trug den Erlass am 22.12.1564 ein [1], das Magazin Connexion nennt das Edikt von RoussillonEdikt von Roussillon Das Edikt von Roussillon erließ der französische König Karl IX. im August 1564. Ein Artikel legte den 1. Januar als Jahresbeginn für ganz Frankreich fest, vorher begann das Jahr je nach Bistum an Weihnachten, am 25. März oder an Ostern. Die oft erzählte Erklärung, der Aprilscherz sei so entstanden, ist nicht belegt. Im Glossar und den 01.01.1567 als Tag, ab dem es galt [5]. Wer weiter im Frühjahr Neujahr feierte, so die Theorie, wurde verspottet und bekam falsche Geschenke oder Einladungen zu Festen, die es nicht gab.

Gegen diese Erklärung spricht einiges. Der neue Jahresanfang setzte sich über rund ein Jahrhundert langsam durch, es gab also keinen Stichtag, an dem viele Menschen plötzlich falsch lagen. Außerdem hatte der 1. April keine erkennbare Verbindung zum französischen Neujahr [1]. Dazu kommt ein Problem mit den Daten. Eduard de Denes flämisches Gedicht über die Botengänge am 1. April stammt von 1561, ist also älter als der Erlass, und es klingt, als kenne man den Tag dort schon länger [1].
Oft liest man auch, Karl IX. habe 1564 den Gregorianischen KalenderGregorianischer Kalender Der Gregorianische Kalender ist der heute fast weltweit verwendete Kalender. Papst Gregor XIII. führte ihn 1582 ein, um den Julianischen Kalender zu berichtigen, der sich gegenüber dem Sonnenjahr um zehn Tage verschoben hatte. Auf Donnerstag, den 4. Oktober, folgte deshalb Freitag, der 15. Oktober 1582. Im Glossar eingeführt. Das stimmt nicht. Den Gregorianischen Kalender verkündete Papst Gregor XIII. erst 1582, mit dem Sprung über zehn Tage im Oktober [1]. Der französische Erlass regelte nur den Jahresbeginn. Mehr dazu im Glossar unter Edikt von Roussillon.
Eine Variante der Theorie handelt von den Geschenken. In Gegenden, in denen das Jahr am 25. März begann, dauerten die Feiern bis in den April. Als der alte Termin seine Bedeutung verlor, wurden die Gaben zum 1. April billiger und scherzhafter, bis daraus StreicheStreich Ein Streich ist eine Handlung aus Übermut, mit der man jemanden neckt oder hereinlegt, etwa Salz in der Zuckerdose oder ein Zettel unter der Computermaus. Ursprünglich bedeutete das Wort Hieb oder Schlag. Ein guter Streich ist harmlos und schnell aufgelöst, am Ende lacht auch der Hereingelegte. Am 1. Im Glossar wurden, schreibt Connexion [5]. Belegt ist dieser Übergang nicht. Die Geschichte erklärt aber gut, warum es in Frankreich bis heute um Fische und kleine Überraschungen geht.
Neujahr am 25. März in England
Für England gibt es eine ähnliche Überlegung. Dort begann das Jahr bis 1752 am 25. März, dem Tag Mariä Verkündigung. Rechnet man acht Tage Feier dazu, endet sie am 1. April [10]. Ein Leser des Gentleman's Magazine schlug das schon 1766 vor. Das Museum of Hoaxes nennt es reine Vermutung [1]. Die Archivarin Rachel Bates hält es für möglich, dass zusätzlich deutsche und französische Einflüsse im 17. Jahrhundert den Tag in England festigten [10]. Dazu passt, dass John Aubrey 1686 schrieb, der Tag werde "in Deutschland überall" begangen [1].
Frühlingsfeste und die verkehrte Welt
Viele Kulturen kennen Feste, an denen die Ordnung für kurze Zeit kopfsteht. Man verkleidet sich, Diener spielen Herren, und Streiche sind erlaubt. Der Aprilscherz hat genau diese Züge, darum suchen viele seinen Ursprung in solchen Festen [1].

Die römischen HilariaHilaria Die Hilaria waren ein römisches Freudenfest am 25. März im Kult der Göttermutter Kybele und des Attis. Nach Trauertagen feierte man die Rückkehr des Attis mit einer Prozession, Spielen und Verkleidungen. Manche sehen darin einen Vorläufer des Aprilscherzes, ein direkter Zusammenhang mit dem 1. Im Glossar fielen in die letzten Märztage und gehörten zum Kult um Attis, mit Verkleidungen [1]. Die SaturnalienSaturnalien Die Saturnalien waren ein römisches Fest zu Ehren des Gottes Saturn, das am 17. Dezember begann und später mehrere Tage dauerte. In dieser Zeit lockerte sich die gewohnte Ordnung: Man beschenkte sich, das Würfelspiel um Geld war erlaubt, und Sklaven wurden wie Gleichgestellte behandelt. Im Glossar im Dezember hatten einen Spottkönig, sie liegen zeitlich aber weit weg [1]. Das polnische Regierungsportal Powroty nennt außerdem die römischen Veneralia, die um den 1. April gefeiert wurden [6]. Weiter werden das indische Farbenfest Holi Ende Februar oder Anfang März genannt, ein keltisches Fest für einen Gott namens Lud und das mittelalterliche Narrenfest, bei dem Geistliche kirchliche Rituale verspotteten [1]. Die dänische Nationalenzyklopädie nennt als mögliche Vorläufer ebenfalls die Saturnalien, Holi und die französische Kalenderreform [8].
Für keines dieser Feste ist eine Verbindung zum 1. April nachgewiesen. Ähnliche Bräuche beweisen keine Abstammung. Eine direkte Linie von den römischen Festen zum 1. April hält das Museum of Hoaxes für unwahrscheinlich [1]. Die Feste zeigen, dass Menschen gern einen Tag haben, an dem Unsinn erlaubt ist. Woher genau der 1. April kommt, erklären sie nicht. Im Glossar stehen die Hilaria, die Saturnalien und das Narrenfest mit weiteren Einzelheiten.
Etwas mehr Gewicht hat ein Befund aus Skandinavien. In Dänemark war der Aprilsnar laut Nationalenzyklopädie ursprünglich nur eines von vielen Neckspielen im Frühjahr. Ähnliche Streiche gab es zum Monatswechsel im Mai und am Fastnachtsmontag, und das Narrenschicken fiel teils auch auf den 30. April [8]. Das spricht dafür, dass der 1. April einen Platz in einer ganzen Reihe von Frühlingsbräuchen hatte und sich erst später als der eine feste Termin durchsetzte. Bewiesen ist auch das nicht, es passt aber besser zu den Quellen als die Suche nach einem einzigen Ursprung.
Englische Legenden und Nachbarbräuche
In England erzählte man eine eigene Herkunftsgeschichte. Eine Sage verbindet den Tag mit König Johann und den angeblich einfältigen Bewohnern des Dorfs Gotham in Nottinghamshire im 13. Jahrhundert. Das Museum of Hoaxes führt das als Volkssage, für die es keinen Beleg gibt [1]. Andere Gelehrte verbanden den Tag mit der Göttin Ceres, die ihre Tochter Proserpina suchte, andere mit biblischen Geschichten. Auch diese mythologischen Deutungen haben sich nie durchgesetzt [1].
Regional gab es in Britannien weitere Neckbräuche im Frühjahr, etwa Hoke-Tide um Ostern und den Shig-Shag-Tag am 20. Mai [1]. Sie zeigen, dass der 1. April auch dort in einer Umgebung ähnlicher Tage stand. Eine Abstammung belegen sie genauso wenig wie die römischen Feste.
Warum ausgerechnet ein Fisch?
Der französische Ausdruck "poisson d'avril" taucht schon 1508 bei Eloy d'Amerval auf. Ob er damit den 1. April meint oder einfach einen leichtgläubigen Menschen, ist offen [1]. Für den Fisch gibt es mehrere Deutungen. Junge Fische im April sind leicht zu fangen, und wer leicht zu fangen ist, ist eben ein Aprilfisch [1]. Eine zweite Erklärung verweist auf die Fastenzeit, in der Fisch statt Fleisch auf den Tisch kam und als Geschenk diente. Ein falscher Fisch wäre dann der Scherz, als das Geschenk seinen Sinn verlor [5]. Eine dritte sagt, das Fischen sei Anfang April zur Schonzeit oft verboten gewesen, und Fischer habe man mit falschen Fischen aufgezogen [9].
Keine dieser Deutungen ist belegt. Sie zeigen vor allem, dass der Fisch in Frankreich sehr früh zum 1. April gehörte. Was daraus geworden ist, beschreiben wir auf der Seite über den Poisson d'avril in Frankreich.
Augsburg 1530: eine Legende
In Deutschland erzählt man gern eine eigene Geschichte. Auf dem Reichstag in Augsburg sollte am 1. April 1530 über eine einheitliche Münze beraten werden. Spekulanten wetteten auf die neue Währung, die Sitzung fiel aus, und die Spekulanten wurden als Aprilnarren verlacht [3].
Den Reichstag in Augsburg gab es 1530 wirklich. Für die Münzsitzung am 1. April gibt es aber keinen Beleg. Die frühesten Fassungen der Geschichte stammen aus dem späten 19. Jahrhundert. Außerdem war der Brauch in Flandern und den Niederlanden um 1561 schon bekannt, ganz unabhängig von Augsburg [2]. Die Geschichte ist also eine späte Legende.
Brielle 1572 und die Brille
Die Niederländer haben eine eigene Erklärung. Am 1. April 1572 eroberten aufständische Wassergeusen die Stadt Brielle von den spanischen Truppen unter dem Herzog von Alba. Ein Reim spielt mit dem Wort "bril", Brille, das wie der Stadtname klingt: Am 1. April verlor Alba seine Brille. Daran sollen die Streiche erinnern [1].
Auch das hält nicht. De Denes Gedicht über den Tag der Botengänge ist elf Jahre älter als die Eroberung [1]. Brielle kann den Brauch also nicht ausgelöst haben. Gut möglich ist, dass der bekannte Tag dem Reim seinen Witz gab. Die Seite Aprilscherz in den Niederlanden erzählt die Geschichte ausführlicher.
Liegt es am Aprilwetter?
Häufig liest man, der Aprilscherz passe zum launischen Aprilwetter, das selbst ständig Leute an der Nase herumführt. Als Bild ist das hübsch. Das Portal wissen.de nennt die Erklärung, hält sie aber für schwach, weil Aprilscherze ebenso in Amerika und Asien gemacht werden [11].

Auch der Monatsname hilft nicht weiter. Das Wörterbuch von wissen.de leitet "April" vom lateinischen "Aprilis" ab und hält fest, dass die weitere Herkunft unbekannt ist. Im Gespräch sind lateinisch "apricus" für sonnig, "aperire" für öffnen oder eine Kurzform des Namens Aphrodite [4]. Von Narren oder Streichen steckt in keinem dieser Wörter etwas.
Unglückstag, Judas und andere Deutungen
Ein alter Aberglaube hält den 1. April für einen Unglückstag. Er soll der Geburtstag des Judas sein, sein Todestag oder der Tag, an dem der Teufel aus dem Himmel stürzte [7]. Das Portal Powroty erwähnt den Judas-Geburtstag ebenfalls und nennt außerdem einen griechischen Mythos als mögliche Wurzel [6].
Das Museum of Hoaxes stellt fest, dass sich keine von ihnen durchgesetzt hat [1]. Als Erklärung für den Ursprung taugen sie nicht. Sie zeigen aber, dass der Tag schon früh als besonders galt. Wer am 1. April heiratete, so hieß es, könne seinem Partner nie trauen [7].
Was sich sicher sagen lässt
Keine der Theorien ist bewiesen, und die bekanntesten scheitern an den eigenen Daten: Die Kalenderreform kommt nach dem ersten Beleg, Brielle ebenfalls, und Augsburg ist eine späte Erfindung [1][2]. Was bleibt, ist der Befund aus den Texten. Die ältesten klaren Hinweise stammen aus Flandern und Frankreich, und dort geht es um einen Botengang ins Leere und um den Aprilfisch. In Deutschland ist der Brauch rund sechzig Jahre später belegt [2], in England noch einmal rund sechzig Jahre danach [1].
Auffällig ist, wie ähnlich die frühen Streiche überall sind. Bei de Dene läuft ein Diener mit sinnlosen Aufträgen herum, in Straßburg schickt man die Narren, wohin man will [2]. In Dänemark musste man "April laufen", also einen sinnlosen Botengang machen, der oft in einem Aprilbrief beschrieben wurde [8]. In Schottland und Nordengland trug der Gefoppte einen Zettel mit dem Satz, man solle den Narren noch eine Meile weiterjagen [10]. Wer den Ursprung sucht, findet also am ehesten diesen Botengang ins Leere. Wann und wo er zum ersten Mal am 1. April gemacht wurde, verraten die Quellen nicht.
Häufige Fragen
Stammt der Aprilscherz aus der französischen Kalenderreform?
Das ist die bekannteste Erklärung, sie ist aber nicht belegt. Der neue Jahresanfang setzte sich langsam durch, und ein flämisches Gedicht über den Tag ist älter als der französische Erlass.
Gab es den Aprilscherz schon bei den Römern?
Die Römer kannten Feste mit Verkleidung und Spott, etwa die Hilaria Ende März. Eine direkte Linie von dort zum 1. April lässt sich nicht nachweisen.
Warum heißt es "in den April schicken"?
Die frühesten Streiche bestanden darin, jemanden mit einem sinnlosen Auftrag loszuschicken. Daher kommt die Wendung, die in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert belegt ist.
Hat das Aprilwetter etwas mit dem Aprilscherz zu tun?
Das wird oft behauptet, belegt ist es nicht. Gegen die Idee spricht, dass auch in Amerika und Asien am 1. April gescherzt wird.
Quellen
- Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Origin of April Fool's Day, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Museum of Hoaxes (Alex Boese): What's the earliest German reference to April Fool's Day?, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Museum of Hoaxes: A Meeting in Augsburg, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- wissen.de: Woher kommt April, wissen.de, abgerufen am 06.11.2026.
- Connexion (Théophile Larcher): How does France's April Fools' Day differ from the UK or US?, connexionfrance.com, abgerufen am 06.11.2026.
- Powroty, Portal der polnischen Regierung (Wojciech Napora): Prima aprilis, uważaj, bo się pomylisz!, powroty.gov.pl, abgerufen am 06.11.2026.
- Museum of Hoaxes: What are the rules and customs of April Fool's Day?, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Lex, Dänische Nationalenzyklopädie (Iørn Piø, Caroline Nyvang): Aprilsnar, lex.dk, abgerufen am 06.11.2026.
- Nomad Education: Poisson d'avril : origine, histoire et pourquoi le 1er avril, nomadeducation.fr, abgerufen am 06.11.2026.
- The Genealogist, Discover Your Ancestors (Rachel Bates): Fun and frolics... or foul play?, thegenealogist.co.uk, abgerufen am 06.11.2026.
- wissen.de: Der April macht, was er will. Und am 1. April alle anderen auch, wissen.de, abgerufen am 06.11.2026.