Poisson d'avril: der Aprilfisch in Frankreich
In Frankreich klebt am 1. April ein Papierfisch am Rücken. Woher der Poisson d'avril kommt, was die Kalenderreform damit zu tun hat und wie Medien mitspielen.

Kurz gesagt
Der Aprilscherz heißt in Frankreich Poisson d'avril, also Aprilfisch. Typisch ist ein ausgeschnittener Papierfisch, den Kinder heimlich auf den Rücken eines anderen kleben, aufgelöst wird mit dem Ruf "Poisson d'avril!". Der Ausdruck ist seit 1508 belegt, woher er kommt, ist aber nicht geklärt.
In Frankreich heißt der AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar Poisson d'avrilPoisson d'avril Poisson d'avril heißt auf Französisch "Aprilfisch" und ist der französische Name für den Aprilscherz. Am 1. April klebt man jemandem heimlich einen Papierfisch auf den Rücken. Die Wendung steht schon 1508 in einem Gedicht von Eloy d'Amerval, ob sie dort den 1. April meint, ist aber unklar. Im Glossar, Aprilfisch. Der bekannteste StreichStreich Ein Streich ist eine Handlung aus Übermut, mit der man jemanden neckt oder hereinlegt, etwa Salz in der Zuckerdose oder ein Zettel unter der Computermaus. Ursprünglich bedeutete das Wort Hieb oder Schlag. Ein guter Streich ist harmlos und schnell aufgelöst, am Ende lacht auch der Hereingelegte. Am 1. Im Glossar ist ein ausgeschnittener Papierfisch, den Kinder heimlich auf den Rücken eines anderen kleben. Wer ihn entdeckt, bekommt "Poisson d'avril!" zugerufen [2][3]. Der Ausdruck taucht schon 1508 auf, woher Brauch und Name stammen, ist bis heute offen [1].
Der Papierfisch auf dem Rücken
Der Fisch gehört vor allem in die Grundschule. Das englischsprachige Magazin Connexion beschreibt, wie Schüler versuchen, einem anderen den Papierfisch anzuheften, ohne dass er es merkt. Meist trifft es ein Kind aus der Klasse, das eigentliche Ziel ist aber die Lehrerin oder ein Elternteil [2].

Dafür gibt es Taktiken. Manche kleben den Fisch fest, während sie dem anderen freundlich auf die Schulter klopfen. Andere hängen ihn mit einem kleinen Haken an den Mantel, was riskanter ist. Besonders beliebt sind Opfer, die gleich nach vorn an die Tafel müssen oder in der ersten Reihe sitzen, weil dann die ganze Klasse den Fisch sieht [2]. Der Spaß dauert, bis jemand den Fisch bemerkt, und endet mit dem Ruf "Poisson d'avril!" [3].
Wer das zu Hause nachmachen will, braucht nur Papier, eine Schere und ein Stück Klebefilm, der sich von der Kleidung wieder lösen lässt. Eine fertige Vorlage gibt es bei uns als Aprilfisch zum Ausdrucken, die Anleitung steht unter Papierfisch auf dem Rücken. Kleb den Fisch nur auf Kleidung, nie auf Haut oder Haare.
Warum ein Fisch?
Der Ausdruck "poisson d'avril" steht schon 1508 im Gedicht "Le livre de la deablerie" von Eloy d'Amerval. Ob er dort den 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar meint oder einfach einen Einfaltspinsel, lässt sich nicht sicher sagen [1]. Für den Fisch selbst gibt es mehrere Deutungen, belegt ist keine.
Die erste sagt, junge Fische seien im April leicht zu fangen. Wer leicht auf etwas hereinfällt, wäre demnach ein Aprilfisch [1]. Die zweite verweist auf die Fastenzeit, in der Fleisch verboten war und man einander echten Fisch schenkte. Als der Termin seine Bedeutung verlor, wurde aus dem echten Fisch ein falscher [2]. Die dritte erinnert daran, dass das Fischen Anfang April zur Schonzeit oft verboten war, und Fischer mit falschen Fischen aufgezogen wurden [3]. Manche Darstellungen gehen noch weiter zurück und nennen den griechischen Spottgott Momos oder die römischen HilariaHilaria Die Hilaria waren ein römisches Freudenfest am 25. März im Kult der Göttermutter Kybele und des Attis. Nach Trauertagen feierte man die Rückkehr des Attis mit einer Prozession, Spielen und Verkleidungen. Manche sehen darin einen Vorläufer des Aprilscherzes, ein direkter Zusammenhang mit dem 1. Im Glossar, bei denen Rollen getauscht und Späße erlaubt waren [3]. Eine Verbindung zum Fisch stellen auch sie nicht her.
Dass der Fisch früh zum Tag gehörte, zeigt eine Geschichte aus dem Jahr 1810. Napoleon heiratete am 1. April Marie-Louise von Österreich, und seine Untertanen nannten ihn darauf spöttisch einen "poisson d'avril" [4]. Im Glossar steht mehr zum Wort unter Poisson d'avril.
Die Kalenderreform als unsichere Herkunft
Die bekannteste Erklärung für den französischen Aprilscherz ist eine Kalenderreform. Bis ins 16. Jahrhundert begann das Jahr in Frankreich nicht überall am selben Tag. In Lyon fing es zu Weihnachten an, in anderen Gegenden am 25. März, und dort dauerten die Feiern bis Anfang April [2]. König Karl IX. legte den Jahresanfang einheitlich auf den 1. Januar. Das Pariser Parlament trug den Erlass am 22.12.1564 ein [1]. Connexion nennt das Edikt von RoussillonEdikt von Roussillon Das Edikt von Roussillon erließ der französische König Karl IX. im August 1564. Ein Artikel legte den 1. Januar als Jahresbeginn für ganz Frankreich fest, vorher begann das Jahr je nach Bistum an Weihnachten, am 25. März oder an Ostern. Die oft erzählte Erklärung, der Aprilscherz sei so entstanden, ist nicht belegt. Im Glossar und den 01.01.1567 als Tag, ab dem es galt [2].
Nach der Theorie feierten manche weiter im Frühjahr, wurden verspottet und bekamen falsche Geschenke. Mit der Zeit seien die Neujahrsgaben zum 1. April billiger und scherzhafter geworden, bis nur noch der Streich übrig blieb [2]. Das klingt schlüssig, hat aber Lücken. Der neue Jahresbeginn setzte sich über rund hundert Jahre langsam durch, und der 1. April hatte keine erkennbare Verbindung zum alten Neujahr [1]. Außerdem ist d'Amervals "poisson d'avril" älter als die Reform, und ein flämisches Gedicht über Streiche am 1. April stammt von 1561 [1].
Oft wird die Reform mit dem Gregorianischen KalenderGregorianischer Kalender Der Gregorianische Kalender ist der heute fast weltweit verwendete Kalender. Papst Gregor XIII. führte ihn 1582 ein, um den Julianischen Kalender zu berichtigen, der sich gegenüber dem Sonnenjahr um zehn Tage verschoben hatte. Auf Donnerstag, den 4. Oktober, folgte deshalb Freitag, der 15. Oktober 1582. Im Glossar verwechselt. Den verkündete Papst Gregor XIII. erst 1582. Frankreich nahm ihn sofort an, hatte den Jahresbeginn aber schon 1564 geändert [1]. Mehr zum Erlass steht im Glossar unter Edikt von Roussillon, die übrigen Theorien prüfen wir auf der Seite Woher kommt der Aprilscherz?.
Fische aus Schokolade und Karten mit Fischen
Zum 1. April gibt es den Fisch in Frankreich auch zum Essen. Eine Pariser Konfiserie bot 2021 Pralinen in Fischform an, gefüllt mit Haselnusscreme und überzogen mit Vollmilch- oder Zartbitterschokolade. Das Stadtmagazin Sortiraparis stellte sie als süße Fassung des Papierfischs vor [5].

Derselbe Artikel erwähnt einen älteren Brauch aus dem frühen 20. Jahrhundert. Damals verschickte man in Frankreich zum 1. April Bildkarten mit kleinen Fischen und wünschte damit Liebe, Freundschaft und Glück [5].
Aprilscherze in den französischen Medien
Auch Zeitungen und Sender in Frankreich machen am 1. April mit. Der bekannteste Fall stammt von Le Parisien. Die Zeitung meldete am 01.04.1986, der Eiffelturm sei an Walt Disney Productions verkauft und solle nach Marne-la-Vallée umziehen, auf das Disneyland-Gelände, weil an seinem Platz ein Stadion gebaut werde [2]. Die Geschichte erzählen wir auf der Seite Eiffelturm zieht um.
In den letzten Jahren sind erfundene Meldungen in Frankreich seltener geworden. Connexion erklärt das mit der Sorge vor Falschnachrichten in sozialen Netzwerken [2]. Häufiger sind heute kleine Scherze von Firmen und Verkehrsbetrieben. Die Pariser Verkehrsbetriebe ersetzten zum Beispiel am 1. April 2025 die Erkennungsmelodie ihrer Durchsagen durch eine improvisierte Fassung auf Flöte und Gitarre [2].
Einen Poisson d'avril zu Hause feiern
Der französische Brauch eignet sich gut für Familien mit kleinen Kindern, weil nichts kaputtgehen kann und der Witz sofort verstanden wird. Schneide am Vorabend gemeinsam mit den Kindern ein paar Fische aus buntem Papier aus. Je auffälliger die Farbe, desto schneller entdeckt die andere Person den Fisch, und desto kürzer bleibt sie im Unklaren. Für Kinder unter sechs Jahren reicht ein großer Fisch mit Augen und Schuppen, ältere Kinder malen gern Gesichter oder kleine Muster darauf.
Am Morgen kommt der Fisch mit einem Streifen Malerkrepp an Jacke, Pullover oder Schulranzen. Lass dabei die Haare und die nackte Haut aus, und klebe nichts auf empfindliche Stoffe wie Seide oder Wildleder. Schreib keine Sätze auf den Fisch, die jemanden vor anderen bloßstellen. Wenn der Fisch entdeckt ist, rufst du zusammen mit dem Kind "Poisson d'avril!" oder auf Deutsch "April, AprilApril, April Mit "April, April!" löst man in Deutschland einen Aprilscherz auf. Der Ruf kommt gleich, nachdem jemand den Scherz geglaubt hat, und zeigt, dass alles nur Spaß war. Das Wörterbuch DWDS beschreibt ihn als umgangssprachlichen Ausruf der Schadenfreude. Auf Englisch ruft man "April fool!". Im Glossar!". Wer mag, legt zum Frühstück einen Fisch aus Schokolade oder einen Keks in Fischform dazu, dann hat der Hereingefallene auch etwas davon.
Frankreich und seine Nachbarn
Der Papierfisch ist nicht auf Frankreich beschränkt. In Italien heißt der Streich Pesce d'aprile, und auch dort hängt man manchmal einen Papierfisch an den Rücken [6]. Die Seite Aprilscherz in Italien erzählt mehr dazu. In England endet der Scherz um zwölf Uhr mittags. Eine solche Regel ist für Frankreich nicht überliefert, das Museum of Hoaxes beschreibt sie als Eigenheit englischsprachiger Länder [4].
Häufige Fragen
Was bedeutet Poisson d'avril?
Wörtlich heißt es Aprilfisch. So nennen die Franzosen den 1. April, den Streich mit dem Papierfisch und den Menschen, der darauf hereinfällt.
Wie klebt man einen Papierfisch auf den Rücken?
Am besten mit einem Stück Klebefilm oder Malerkrepp auf der Kleidung, nie auf Haut oder Haaren. Am leichtesten geht es bei einem freundlichen Schulterklopfen.
Kommt der Aprilscherz aus Frankreich?
Das ist möglich, aber nicht belegt. Der Ausdruck "poisson d'avril" ist in Frankreich seit 1508 belegt, der erste klare Hinweis auf Streiche am 1. April stammt aus Flandern von 1561.
Quellen
- Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Origin of April Fool's Day, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Connexion (Théophile Larcher): How does France's April Fools' Day differ from the UK or US?, connexionfrance.com, abgerufen am 06.11.2026.
- Nomad Education: Poisson d'avril : origine, histoire et pourquoi le 1er avril, nomadeducation.fr, abgerufen am 06.11.2026.
- Museum of Hoaxes: What are the rules and customs of April Fool's Day?, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Sortiraparis (Manon): Le poisson d'avril chocolaté pour le 1er avril, sortiraparis.com, abgerufen am 06.11.2026.
- Treccani, Vocabolario: pésce, treccani.it, abgerufen am 06.11.2026.