Was ist ein Grubenhund?
Ein Grubenhund ist eine absichtlich in eine Zeitung geschmuggelte Meldung voller Unsinn, die sachkundig klingt und zeigen soll, wie unkritisch eine Redaktion arbeitet. Der Name geht auf einen Leserbrief zurück, den der Ingenieur Arthur Schütz 1911 der Wiener Neuen Freien Presse unterschob. Darin spürte ein schlafender Grubenhund, eigentlich ein Förderwagen, ein Erdbeben voraus.

Ein Grubenhund ist eine besondere Form der ZeitungsenteZeitungsente Eine Zeitungsente, kurz Ente, ist eine falsche Meldung in Zeitung, Radio, Fernsehen oder Internet. Sie kann auf einem Irrtum beruhen oder absichtlich erfunden sein, etwa als Aprilscherz. Das Wort ist seit dem 19. Jahrhundert belegt und geht wohl auf das französische "canard" zurück. Im Glossar: ein Leserbrief oder Beitrag voller Unsinn, der sachkundig klingt und den eine Redaktion ungeprüft abdruckt. Wer ihn einschleust, will vor allem die Zeitung bloßstellen [1]. Das Wort stammt aus Österreich, wo solche Texte vom Anfang bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet waren [1].
Der erste Grubenhund von 1911
Am 18.11.1911 erschien im Morgenblatt der Wiener Neuen Freien Presse ein Leserbrief zum Erdbeben im Ostrauer Kohlerevier. Unterschrieben hatte ihn ein "Dr. Ing. Erich Ritter von Winkler". Der angebliche Ingenieur schrieb, er habe im Kompressorenraum gesessen, als ein Kompressor eine auffällige Spannungsschwankung zeigte. Außerdem habe sein "im Laboratorium schlafender Grubenhund" schon eine halbe Stunde vor dem Beben Zeichen von Unruhe gegeben [1].

Wer sich im Bergbau auskannte, musste stutzen. Ein Grubenhunt, auch Grubenhund geschrieben, ist ein Förderwagen, mit dem unter Tage Material bewegt wird, ähnlich einer Lore [1] [2]. Ein Wagen, der im Labor schläft und ein Erdbeben ahnt, ist reiner Unsinn. Hinter dem Brief steckte der Ingenieur Arthur Schütz [1]. Das DWDS führt das Wort als Zusammensetzung aus Grube und Hund, die Mehrzahl lautet Grubenhunde [3].
Weitere Beispiele
Die Neue Freie Presse druckte später weitere solche Texte, etwa über feuerfeste Kohle, rechteckige Kreise und miauende Laufkatzen. Einmal trat ein erfundener italienischer Senator namens Duca Melbista-Berso-Thum auf; laut vorgelesen ergibt der Name in Küchenlatein "Du Kamel bist aber so dumm". Andere Zeitungen fielen auf Berichte über kupferne Isolatoren oder verbogene Visierlinien herein [1]. Typisch sind falsche Fachwörter, widersprüchliche Angaben und klangvolle Titel, die Respekt einflößen sollen. Die meisten Verfasser blieben unbekannt [1].
Als Vorläufer gilt ein Leserbrief von "J. Berdach" vom 22.02.1908 in derselben Zeitung, hinter dem Karl Kraus stand. Kraus machte das Wort Grubenhund später in seiner Zeitschrift Die Fackel bekannt [1]. Schütz sammelte seine Texte in dem Buch "Der Grubenhund. Experimente mit der Wahrheit", das 1931 zuerst erschien [1].
Mit dem AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar hat der Grubenhund gemeinsam, dass er mit Absicht erfunden ist. Er kann aber an jedem Tag erscheinen und richtet sich gegen die Redaktion, während ein Aprilscherz der Zeitung am 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar die eigenen Leser necken soll. Wer zu Hause zum Spaß eine eigene Meldung drucken will, findet eine harmlose Anleitung unter Eigene Zeitungsente.
Verwandte Begriffe
Der Oberbegriff ist die Zeitungsente, noch allgemeiner die Falschmeldung. Eine gezielte Täuschung der Öffentlichkeit heißt Mystifikation, im Englischen spricht man von einem Hoax.
Auch genannt: Grubenhunde
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Warum heißt die Falschmeldung Grubenhund?
Im ersten Leserbrief von 1911 ahnte ein "schlafender Grubenhund" ein Erdbeben voraus. Ein Grubenhund oder Grubenhunt ist im Bergbau aber ein Förderwagen, der weder schlafen noch etwas spüren kann. Nach diesem Unsinn wurde die ganze Gattung benannt.
Ist ein Grubenhund dasselbe wie eine Zeitungsente?
Er ist eine Sonderform davon. Eine Ente kann auch aus Versehen entstehen, ein Grubenhund wird immer absichtlich eingeschleust, um eine Redaktion vorzuführen.
Quellen
- Wikipedia: Grubenhund (Zeitung), de.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Wikipedia: Grubenhund (Begriffsklärung), de.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.
- Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS): Grubenhund, dwds.de, abgerufen am 06.11.2026.