Was ist ein Schildbürgerstreich?
Ein Schildbürgerstreich ist eine törichte Handlung, bei der das eigentliche Ziel verfehlt wird. Das Wort geht auf die Schildbürger zurück, die Bewohner des erfundenen Ortes Schilda, deren Streiche ein Schwankbuch von 1598 erzählt. Darin bauen sie ein Rathaus ohne Fenster und versuchen dann, das Sonnenlicht in Säcken und Eimern hineinzutragen.

Ein Schildbürgerstreich ist eine törichte Handlung. So erklärt ihn das DWDS und merkt an, dass das Wort spöttisch gemeint ist [1]. Gemeint ist eine Handlung, die so unvernünftig ist, dass ihr eigentlicher Zweck verfehlt wird [2]. Mit einem AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar hat das wenig zu tun: Bei einem Schildbürgerstreich legt niemand einen anderen herein, die Beteiligten stehen sich selbst im Weg.
Woher die Schildbürger kommen
Die Schildbürger wohnen im erfundenen Ort Schilda. Ein Volksbuch mit ihren Schwänken erschien zuerst 1597 ohne Namen des Verfassers in Straßburg, unter dem Titel "Das Lalen-Buch". Bekannt wurde die zweite Ausgabe von 1598 mit dem Titel "Die Schiltbürger" [3]. Seit dem 17. Jahrhundert wird Schilda meist mit Schildau gleichgesetzt, aber auch andere Orte wie Schilda in Brandenburg oder Teterow beanspruchen die Schildbürger für sich [3].
Das Wort Schildbürger ist älter als das Buch. Im 16. Jahrhundert bezeichnete es einen Stadtbewohner, der einen Schild trug, wohl als Spottname der Ritter für bewaffnete Bürger. Erst durch das Schwankbuch von 1598 bekam es die heutige Bedeutung: jemand, der so töricht handelt, dass er sein Ziel verfehlt [2]. Das zusammengesetzte Wort Schildbürgerstreich ist nach dem Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer bei Wieland belegt [2].
Beispiel: das Rathaus ohne Fenster
Eine der Geschichten handelt vom Rathaus. Die Schildbürger bauen ein neues, dreieckiges Rathaus mit einem großen Tor, aber ohne Fenster. Drinnen ist es stockfinster. Also versuchen sie, das Sonnenlicht mit Eimern und Säcken, Kästen und Körben, Kannen und Schüsseln einzufangen und hineinzutragen [3].

In einer anderen Geschichte versenken sie die Rathausglocke im See, damit der Feind sie nicht findet. Um die Stelle wiederzufinden, schnitzen sie eine Kerbe in den Bootsrand. Nach dem Krieg merken sie, dass das nicht funktioniert, und schneiden die Kerbe vor Wut heraus. Damit wird sie nur noch größer [3].
Heute steht das Wort oft in Zeitungen, wenn Politik oder Verwaltung etwas Unsinniges beschließen. Unter den Belegen im DWDS findet sich etwa die Frage, ob sich einige Beamte mit einem "letzten bürokratischen Schildbürgerstreich" rächen [1]. Das Wörterbuch nennt auch ein Beispiel aus dem Alltag: Zieht eine Familie innerhalb eines Monats zweimal um, ist das ein echter Schildbürgerstreich [1].
Verwandte Begriffe
Neben den Schildbürgern ist Till Eulenspiegel die bekannteste Figur der deutschen Schwankbücher [3]. Ein listiger StreichStreich Ein Streich ist eine Handlung aus Übermut, mit der man jemanden neckt oder hereinlegt, etwa Salz in der Zuckerdose oder ein Zettel unter der Computermaus. Ursprünglich bedeutete das Wort Hieb oder Schlag. Ein guter Streich ist harmlos und schnell aufgelöst, am Ende lacht auch der Hereingelegte. Am 1. Im Glossar, mit dem jemand andere vorführt, heißt Schelmenstreich. Das allgemeine Wort für solche Taten ist Streich, ein Streich am 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar ist ein Aprilscherz.
Auch genannt: Schildbürgerstreiche, Schildbürger
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wo liegt Schilda?
Schilda ist ein erfundener Ort. Seit dem 17. Jahrhundert wird er meist mit Schildau gleichgesetzt, aber auch andere Orte beanspruchen die Schildbürger für sich.
Ist ein Schildbürgerstreich ein Streich im Sinne eines Aprilscherzes?
Kaum. Das Wort meint eine törichte Handlung, mit der man sich meist selbst schadet. Bei einem Aprilscherz will jemand einen anderen zum Spaß hereinlegen und löst danach auf.
Quellen
- Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS): Schildbürgerstreich, dwds.de, abgerufen am 06.11.2026.
- Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS): Schildbürger, dwds.de, abgerufen am 06.11.2026.
- Wikipedia: Schildbürger, de.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.