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Glossar

Wer war Till Eulenspiegel?

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Till Eulenspiegel ist ein Schelm aus einem deutschen Volksbuch, dessen erste Ausgabe um 1510 in Straßburg erschien; das älteste erhaltene Exemplar stammt von 1515. Viele seiner Streiche entstehen, weil er Redewendungen wörtlich nimmt. Als Sterbeort gilt Mölln in Schleswig-Holstein. Ob es ihn wirklich gab, ist offen.

Kleine Eule sitzt auf einem alten Handspiegel auf einer verwitterten Holzbank im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Till Eulenspiegel ist die Hauptfigur eines Volksbuchs voller derber Schelmenstreiche, das um 1510 bei dem Drucker Johannes Grüninger in Straßburg erschien [2]. Eulenspiegel zieht darin durch Städte und Dörfer, nimmt Aufträge an und führt seine Auftraggeber vor. Ob hinter der Figur ein echter Mensch steht, ist bis heute offen.

Buch, Name und Herkunft

Von der ersten Ausgabe ist kein Exemplar erhalten. Das älteste erhaltene Buch stammt von 1515; es ist das einzige bekannte Exemplar und unvollständig [2]. Der Forscher Peter Honegger fand 1971 Blätter, die er auf 1510 oder 1511 datierte. Neuere Untersuchungen halten sie für Probeabzüge und stellen diese Datierung in Frage [2]. Wer das Buch schrieb, ist nicht sicher. Hermann Bote aus Braunschweig kam als Verfasser in die engere Wahl, weil in den Kapiteln 90 bis 95 einer frühen Fassung das Akrostichon "Erman B" steckt. Als Beleg reicht das nicht aus, und die Forschung ist sich uneins [2].

Alte Fachwerkhäuser an einer Kopfsteinpflasterstraße in einer norddeutschen Kleinstadt im Vorfrühling
Bild: KI-generiert

Nach der Überlieferung stammt Eulenspiegel aus Kneitlingen am Elm. Eine Inschrift auf einem Gedenkstein aus der Mitte des 16. Jahrhunderts nennt 1350 als Todesjahr und verlegt seinen Tod nach Mölln. Der Forscher Bernd Ulrich Hucker führt Indizien dafür an, dass dort 1350 ein Mann namens "Tilo dictus Ulenspegel" starb; ob er mit der Figur des Buchs zusammenhängt, bleibt offen [2]. Heute gibt es Eulenspiegel-Museen in Mölln und in Schöppenstedt [2].

Im Volksbuch von 1515 heißt er "Dyl Ulenspiegel". Das Etymologische Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer deutet den Namen als derben Satznamen aus niederdeutsch "ūlen" für fegen oder reinigen und "Spiegel" im Sinn von Hinterteil [1]. Als Familienname ist Ulenspegel schon im 15. Jahrhundert belegt [1].

Beispiel: Streiche durch wörtliches Verstehen

Viele Streiche Eulenspiegels entstehen, weil er eine bildliche Redewendung wörtlich nimmt [2]. So bietet er in einer Geschichte Frauen an, ihnen die Pelze zu waschen, und setzt damit die schon bekannte Redensart "jemandem den Pelz waschen" wörtlich um [2]. Das Buch hat 95 Kapitel, die Historien heißen, und ist an vielen Stellen derb [2]. Zum Nachmachen taugen die Geschichten nicht. Für den 1. April gelten bei uns die Grundsätze für harmlose Streiche.

Verwandte Begriffe

Das DWDS führt "Eulenspiegel" auch als Wort für einen Menschen, der zu lustigen, mutwilligen Schelmenstreichen aufgelegt ist; davon abgeleitet sind Eulenspiegelei und eulenspiegelhaft [1]. Verwandt sind der Schelmenstreich und der Schildbürgerstreich. Am Fürstenhof sorgte der Hofnarr für Spaß. Wie ein anderer berühmter Erzähler der deutschen Literatur aufschneidet, zeigt die Münchhausiade.

Auch genannt: Eulenspiegel, Eulenspiegels

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Hat Till Eulenspiegel wirklich gelebt?

Das ist nicht sicher. Ein Gedenkstein nennt Mölln als Sterbeort, und ein Forscher führt Indizien für einen Mann namens "Tilo dictus Ulenspegel" an, der dort 1350 starb. Ob er dieselbe Person ist wie die Figur im Buch, bleibt offen.

Was bedeutet der Name Eulenspiegel?

Man hört "Eule" und "Spiegel" darin. Pfeifers Etymologisches Wörterbuch liest ihn als derben niederdeutschen Satznamen: "ūlen" heißt fegen, "Spiegel" ist das Hinterteil.

Quellen

  1. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS): Eulenspiegel, dwds.de, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Wikipedia: Till Eulenspiegel, de.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.