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In den April schicken: der Aprilscherz in Deutschland

Seit wann schickt man in Deutschland Leute in den April? Belege ab etwa 1625, der alte Botengang, "April, April!" und Bräuche in Österreich und der Schweiz.

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Ein Junge läuft von hinten gesehen mit einem leeren Korb durch eine Dorfstraße mit Fachwerkhäusern
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

Die Tradition des Aprilscherzes ist in Deutschland seit etwa 1625 belegt, durch die Notiz eines Straßburger Bürgers. Typisch war der Botengang: Kinder oder Lehrlinge wurden losgeschickt, um etwas zu holen, das es nicht gibt. Aufgelöst wird der Streich mit dem Ruf "April, April!".

In Deutschland heißt der Aprilscherz "in den April schicken", und das ist wörtlich gemeint. Ursprünglich schickte man jemanden mit einem Auftrag los, der sich nicht erfüllen ließ. Der älteste deutsche Beleg ist die Notiz eines Straßburger Bürgers um 1625, aufgelöst wird bis heute mit "April, April!" [1][2]. Die oft genannte Jahreszahl 1618 stimmt dagegen nicht.

Die frühesten Belege

Drei Funde aus dem 17. Jahrhundert zeigen, dass der Brauch im deutschen Sprachraum angekommen war. Alex Boese vom Museum of Hoaxes hat sie zusammengetragen und geprüft [1].

Der älteste ist ein Eintrag in den Notizen eines Straßburger Bürgers, die dem Glaser Lorenz Fritsch zugeschrieben werden und um 1625 entstanden sein sollen. Dort steht: "Am ersten tag des Appril schickt man die Narren wohin man will." Der Eintrag trägt kein eigenes Jahr. Gedruckt wurde er 1888 in einem elsässischen Jahrbuch, die Datierung hat Boese nicht selbst geprüft [1]. Die Datierung ist deshalb nicht ganz sicher.

Fester steht ein Flugblatt gegen den kaiserlichen Feldherrn Tilly. Im Titel heißt es, der König von Schweden schicke "den alten Corporal Tyllen nach dem Aprill". Der Volkskundler Richard Wossidlo datierte das Blatt 1906 auf 1631, ein Auktionshaus nennt 1632 [1]. Der Spott funktioniert nur, wenn die Leser wussten, was "in den April schicken" bedeutet.

Der dritte Fund ist ein Wörterbuch. Wolfgang Schönsleder verzeichnet in der vierten Ausgabe seines "Promptuarium Germanico-Latinum" von 1647 die Wendung "in Aprillen schicken" und übersetzt sie ins Lateinische als Herumschicken am ersten April [1]. Von hier stammt auch der verbreitete Fehler: Ein Wörterbuch von 1939 berief sich auf Schönsleder und setzte die Wendung schon in die erste Ausgabe von 1618. Dort steht sie aber nicht [1]. Die Angabe "1618 in Bayern" ist also nicht belegt.

Etwa zur selben Zeit kannte man den Brauch auch in Tirol. Die Universität Innsbruck führt Aprilscherze in Innsbruck seit 1631 [3]. Und in England notierte John Aubrey 1686, der Tag werde "in Deutschland überall" begangen [5]. Älter als die deutschen sind die flämischen Belege. Boese vermutet deshalb, dass der Brauch aus den Niederlanden kam [1]. Die ganze Zeitleiste steht auf der Seite zur Geschichte des Aprilscherzes.

Der Botengang: Kinder und Lehrlinge

Der klassische deutsche Aprilscherz ist ein Auftrag ins Leere. Kinder sollten im Laden etwas kaufen, das es nicht gibt, Lehrlinge sollten in der Werkstatt etwas holen, das nie existiert hat. Die Tiroler Tageszeitung erinnerte 2012 an solche Fälle: Kinder wurden um ein "Sackerl Ibidumm" geschickt, und ein Meister bat seinen Lehrling, neue Gewichte für die Wasserwaage zu besorgen, weil er die alten verlegt habe [4]. Eine Wasserwaage hat natürlich keine Gewichte. Kinder dachten sich auch selbst Unsinn aus, etwa die "Blumento-Pferde", eine angebliche Pferderasse, deren Name beim zweiten Hinhören nach Blumentopf klingt [4].

Auf einer Werkbank liegen ein Hammer, eine Wasserwaage und ein leerer gefalteter Zettel
Bild: KI-generiert

Der Witz liegt im Namen oder in der Sache. Wer das Wort "Ibidumm" laut sagt, merkt spätestens im Laden, was er da verlangt. Bei den Gewichten muss man das Werkzeug kennen. Schulkinder steckten einander laut demselben Artikel auch Zettel an, auf denen stand, man sei der größte Esel, und je länger der Träger nichts merkte, desto größer war der Spaß [4]. Heute würden wir so einen Zettel nur mit einem freundlichen Text empfehlen. Wie ein harmloser Botengang heute aussieht, zeigt unsere Anleitung zum Mückenfett holen.

Solche Scherze sind heute selten geworden, schreibt die Zeitung [4]. Das liegt auch daran, dass Lehrlinge und Kinder kaum noch allein zum Krämer geschickt werden. Der Kern ist aber geblieben: Jemand glaubt eine Behauptung, handelt danach, und am Ende wird gemeinsam gelacht.

Wenn du den alten Botengang heute nachspielen willst, wähle einen kurzen Weg und einen Auftrag, den die andere Person schnell durchschaut. Gut geeignet ist ein Wort, das beim lauten Aussprechen den Witz verrät, oder ein Werkzeug, das es nicht gibt. Schick niemanden zu Fremden, in ein Geschäft, in dem Kundschaft wartet, oder über eine belebte Straße. Und sag "April, April!", bevor jemand anfängt, sich zu ärgern oder Geld auszugeben.

"April, April!" und der Aprilnarr

Aufgelöst wird ein deutscher Aprilscherz mit dem Ruf "April, April!" [2]. Wer hereingefallen ist, heißt Aprilnarr. Das Wort ist älter als "Aprilscherz": Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm verzeichnet 1854 den "Aprillsnarr", das Wort "Aprilscherz" setzte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch [2]. Mehr zu den Wörtern steht im Glossar unter in den April schicken und Aprilnarr.

Ganz harmlos war die Rolle des Narren früher nicht. Ein alter Spruch sagt: "Aprilnarr, bleibt ein Esel das ganze Jahr!" [3]. Wer hereinfiel, musste nach altem Glauben mit Folgen rechnen. Der Tag selbst galt als Unglückstag, an dem Judas geboren oder gestorben und Luzifer aus dem Himmel gestürzt sein soll [3]. Heute ist davon nur der Spott geblieben, und der dauert meist ein paar Minuten. Sätze zum Auflösen sammeln wir auf der Seite April, April! Sprüche zum Auflösen.

Österreich und die Schweiz

In Österreich heißt der Brauch ebenfalls "in den April schicken". Regional gibt es eigene Spottwörter. Im Montafon in Vorarlberg ruft man den Hereingefallenen "Abrillakalb" oder "Märzafülli" nach [3]. Ähnliche Scherztage gibt es nach Angaben der Universität Innsbruck in manchen Gegenden auch am 1. März, am 1. Mai und am 31. Mai [3]. Die Tiroler Tageszeitung nennt als Beispiel für einen Zeitungsscherz einen Bericht der eigenen Redaktion, nach dem in Landeck die Haflinger der Tragtierkompanie verkauft würden. Händler aus ganz Österreich reisten an [4].

In der Schweiz wird der 1. April ähnlich begangen, und auch dort machen die Medien mit. Das Schweizer Radio SRF kündigte 2025 einen Einbürgerungstest an, den alle Schweizerinnen und Schweizer ablegen sollten [2]. Eine Übersicht über Fälle aus Zeitungen, Radio und Fernsehen im deutschsprachigen Raum steht auf der Seite Deutschsprachige Medien-Aprilscherze.

Der 1. April in Deutschland heute

Inzwischen spielt sich der Aprilscherz vor allem in Familien, Schulen und Büros ab. Zum Frühstück gibt es Salz statt Zucker oder ein leeres Ei, im Büro klebt ein Zettel unter der Maus, und am Abend bekommt die Familie eine erfundene Nachricht. Die Zeitungsente zum 1. April hat in Deutschland eine lange Tradition. Als erste gilt eine deutsche Meldung, entweder von 1774 über Hühner, deren Eierschalen nach der Farbe des Stalls gefärbt seien, oder von 1789 über Hagel in der Größe von Taubeneiern in Potsdam. Bestätigt ist keine der beiden [6].

Ein Frühstückstisch mit Brötchenkorb, weißen Tassen und einem Frühstücksei im Eierbecher
Bild: KI-generiert

Wer heute am eifrigsten Leute in den April schickt, beschreibt wissen.de so: Kinder machen weiter gern Streiche, Erwachsene seltener, und am aktivsten sind die Medien [7]. Das passt zu dem, was man jedes Jahr am 1. April in Zeitungen, Radio und Netz findet. Im Privaten hat sich der Streich vom Botengang auf andere Formen verlagert. Statt jemanden zum Krämer zu schicken, verschickt man eine Nachricht, verstellt etwas in der Küche oder baut eine kleine Überraschung am Schreibtisch auf.

Für den privaten Streich gilt, was schon beim alten Botengang galt: Der Auftrag muss sich schnell als Scherz entpuppen, und niemand darf sich dabei schämen müssen.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es den Aprilscherz in Deutschland?

Der älteste Beleg ist eine Straßburger Notiz um 1625. Sicher datiert sind ein Flugblatt von 1631 oder 1632 und ein Wörterbucheintrag von 1647.

Woher kommt "in den April schicken"?

Die Wendung beschreibt den ältesten Streich: Man schickt jemanden mit einem sinnlosen Auftrag los. In Wörterbüchern steht sie seit 1647 als "in Aprillen schicken".

Warum sagt man "April, April"?

Mit dem Ruf löst man den Streich auf und zeigt, dass alles nur ein Scherz war. Seit wann man genau so ruft, ist nicht überliefert.

Gibt es den Aprilscherz auch in Österreich und der Schweiz?

Ja. In Innsbruck sind Aprilscherze seit 1631 belegt, und Zeitungen und Sender beider Länder veröffentlichen bis heute erfundene Meldungen.

Quellen

  1. Museum of Hoaxes (Alex Boese): What's the earliest German reference to April Fool's Day?, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Wikipedia: Aprilscherz, de.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.
  3. Universität Innsbruck, Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft: 1. April (Datenbank Feste und Bräuche), uibk.ac.at, abgerufen am 06.11.2026.
  4. Tiroler Tageszeitung (Stefanie Kammerlander): "Ibidumm" ist leider ausverkauft, tt.com, abgerufen am 06.11.2026.
  5. Museum of Hoaxes (Alex Boese): The Origin of April Fool's Day, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  6. Museum of Hoaxes: The First Newspaper April Fool, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.
  7. wissen.de: Der April macht, was er will. Und am 1. April alle anderen auch, wissen.de, abgerufen am 06.11.2026.