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Ausgabe vom Bis zum 1. April: Noch 145 Tage
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Aprilsnar und aprilskämt: der 1. April in Skandinavien

In Dänemark heißt der Aprilscherz aprilsnar, in Schweden aprilskämt. Woher der Brauch kommt, welche Medienscherze bekannt sind und was am 1. Mai passiert.

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Ein rotes Holzhaus am Fjord im Frühling, an einer Fensterscheibe klebt ein weißer Papierfisch
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

In Dänemark heißt der Aprilscherz "aprilsnar", in Norwegen "aprilsnarr" und in Schweden "aprilskämt". In Dänemark ist der Brauch seit den 1600er-Jahren belegt, Zeitungen bringen seit etwa 1900 eigene Aprilscherze. Eine nordische Besonderheit ist der erste Mai, an dem man ein zweites Mal hereinlegen darf.

In Skandinavien ist der 1. April ein Tag für Streiche wie in Deutschland. In Dänemark heißt der Aprilscherz "aprilsnar", ein Wort für die erfundene Geschichte und zugleich für die Person, die darauf hereinfällt [1]. In Norwegen sagt man "aprilsnarr" oder "aprilspøk" [2], in Schweden "aprilskämt" [4]. Dänische Aprilscherze sind seit dem 17. Jahrhundert bekannt, Zeitungen machen dort seit etwa 1900 mit [1].

Dänemark: vom Laufenlassen zur Zeitungsmeldung

Die dänische Nationalenzyklopädie Lex beschreibt den aprilsnar als Ritual im Kalender, ähnlich wie Silvester: Für einen Tag ist es erlaubt, andere hereinzulegen [1]. Ursprünglich ließ man das Opfer "løbe april", also April laufen. Gemeint war ein sinnloser Botengang, oft mit einem sogenannten Aprilbrief, oder ein Geschenk, das sich als wertlos erwies [1]. Die Forscherin Caroline Nyvang von der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen datiert diese Form des Streichs vor allem ins 18. und 19. Jahrhundert [3].

Belegt sind Aprilscherze in Dänemark seit dem 17. Jahrhundert. Damals waren sie einer von vielen Scherzbräuchen im Frühjahr [1]. Als Vorläufer nennen Fachleute unter anderem die römischen Saturnalien und die französische Kalenderreform, sicher ist keine dieser Herleitungen [1]. Ausführlicher prüft die Seite zur Herkunft des Aprilscherzes diese Theorien.

Der 1. Mai als zweiter Scherztag

Was Skandinavien von Deutschland unterscheidet, ist der Mai. Nach Nyvang galten der 1. April und der 1. Mai im Norden als Anfang und Ende eines "Scherzmonats". Wer im April hereinfiel, war ein aprilsnar, wer am 1. Mai hereinfiel, ein "majkat", also ein Maikater [3]. Lex nennt als verwandten nordischen Brauch die "majmånedskat" am 1. oder 31. Mai [1].

In Norwegen ist der Maikater nach dem Store norske leksikon vor allem in Mittelnorwegen bekannt, häufiger sagt man dort "maigås", Maigans [2]. Der Historiker Audun Dybdahl erklärt den späteren Termin damit, dass der Frühling in Norwegen später kommt als in Südeuropa, sodass manche Scherze an den 1. Mai rückten [2]. In Schweden gibt es den Spruch "Maj, maj måne, jag kan lura dig till Skåne". Wer ihn ruft, behauptet sinngemäß, er könne den anderen im Maimonat bis nach Schonen locken. In Schonen gilt er als alter dänischer Brauch [4].

Norwegen: Wein aus dem Eimer

Den bekanntesten norwegischen Aprilscherz nennt das Store norske leksikon: Im Jahr 1950 meldete die Zeitung Aftenposten, dem staatlichen Weinhandel Vinmonopolet seien die Flaschen ausgegangen. Wer mit einem Eimer komme, könne bis zu fünf Liter steuerfreien Wein sehr billig kaufen [2]. Der Scherz wurde später mehrmals wiederholt [2]. Im Alltag schickt man in Norwegen Menschen los, um Dinge zu kaufen, die es nicht gibt, etwa einen Schraubenzieher für Linkshänder [2]. Das erinnert an den deutschen Auftrag, Mückenfett zu holen.

Laut Dybdahl brachten norwegische Zeitungen und der Rundfunk NRK früher regelmäßig Aprilscherze. Die meisten großen Medien haben damit aufgehört, weil sie die Sorge vor Falschmeldungen ernst nehmen und glaubwürdig bleiben wollen, einige kleinere Zeitungen machen weiter [2].

Schweden: aprilskämt und der dumme Hering

In Schweden ruft man dem Hereingefallenen "April, april din dumma sill" hinterher, also "April, April, du dummer Hering" [4]. Der Ethnologe Jonas Engman vom Nordischen Museum in Stockholm beschreibt die Streiche gegenüber dem Sender TV4 als volkstümlichen Humor, den die Forschung in Schweden und im übrigen Norden vielleicht noch wenig beachtet habe. Warum gerade der 1. April, wisse niemand, vermutlich sei es Zufall [4]. Belegt seien Aprilscherze in England und Frankreich schon im 16. Jahrhundert [4].

Engman rät auch, wie ein Scherz gelingt: Er braucht eine glaubwürdige Umgebung, und er muss aufgelöst werden, in den Medien meist am selben oder am nächsten Tag, im Alltag schon nach wenigen Stunden [4]. Für Scherze unter Freunden empfehlen wir eine noch schnellere Auflösung, am besten nach wenigen Minuten.

Fernsehen mit Nylonstrumpf und andere Medienscherze

Der berühmteste skandinavische Medienscherz kam aus Schweden. Am 1. April 1962 erklärte der Techniker Kjell Stensson im damals einzigen schwedischen Fernsehsender, ein über den Bildschirm gespannter Nylonstrumpf mache aus einem Schwarz-Weiß-Gerät einen Farbfernseher [5]. Tausende Zuschauer gaben später zu, auf den Scherz hereingefallen zu sein [5]. Die ganze Geschichte steht auf unserer Seite über das Farbfernsehen mit dem Nylonstrumpf. Laut Museum of Hoaxes griff die Zeitung Dagens Nyheter das Muster 2004 wieder auf: Wer sein älteres Handy schüttle, könne damit schnellere Frequenzen freischalten [5].

Ein alter Röhrenfernseher mit Holzgehäuse, über den dunklen Bildschirm ist ein Nylonstrumpf gespannt
Bild: KI-generiert

In Dänemark begannen die Zeitungen nach Nyvang Anfang des 20. Jahrhunderts mit Aprilscherzen. Eine Zeitung behauptete 1914, die Sonne habe neun Minuten länger geschlafen als sonst [3]. Lex beschreibt, wie Lokalzeitungen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts erfundene Geschichten unter ihre Lokalnachrichten mischten und später landesweite Zeitungen, Radio und Fernsehen folgten [1]. Die Nachrichtensendung TV-Avisen bringt laut Nyvang seit 1981 jedes Jahr einen Aprilscherz, die Radionachrichten von DR dagegen nie absichtlich [3]. Großes Aufsehen erregte 1983 eine Meldung in TV-Avisen über Schokoladeneier mit lebenden Küken [3]. Die Zeitung Politiken berief sich 1997 auf eine finnische Nachrichtenagentur namens "Ranslirpa", rückwärts gelesen "Aprilsnar" [3].

Auch Unternehmen und Politiker nutzen den Tag in Dänemark. Nyvang nennt einen Supermarkt, der 2001 einen runden Laden auf dem Kopenhagener Platz Kongens Nytorv ankündigte, und eine Fluggesellschaft, die 2002 genetisch veränderte Schmetterlinge mit ihrem Firmenzeichen auf den Flügeln vorstellte [3]. Für Firmen und Politiker sei der Scherz eine Gelegenheit, Selbstironie zu zeigen und in der Konkurrenz um Aufmerksamkeit aufzufallen [3]. Als gute Regel gilt nach Nyvang, dass ein Aprilscherz einen Hinweis auf sich selbst enthält, so wie das rückwärts gelesene "Ranslirpa" [3].

Wie weit solche Meldungen reisen, zeigt ein Fall aus Hawaii, den das Store norske leksikon erwähnt. Der Honolulu Star-Bulletin berichtete 1936 von einem Wikingerschiff, das man auf Hawaii gefunden habe. Erst am Ende des Artikels stellte sich heraus, dass auf dem Schiff das Wort "APRILSNARR" stand [2].

Wenn Aprilscherze auf Falschmeldungen treffen

In den letzten Jahren haben sich viele skandinavische Medien von der Tradition verabschiedet. Nach Lex stellten 2017 mehrere nordische Zeitungen, darunter Kristeligt Dagblad, ihre jährlichen Aprilscherze ein, weil sie Sorge vor Falschmeldungen hatten [1]. Nyvang zitiert die Zeitung mit dem Satz, die Vermischung von Wahr und Falsch sei "indlysende farligt for den generelle tillid i et samfund", offensichtlich gefährlich für das allgemeine Vertrauen in einer Gesellschaft [3].

Ein kleiner grüner Kiosk aus Holz an einem Hafen im Norden, daneben lehnt ein Fahrrad
Bild: KI-generiert

Wie dünn die Grenze ist, zeigt ein dänischer Fall aus demselben Jahr. Die Zeitung Berlingske kündigte 2017 an, wegen der Falschmeldungen auf Aprilscherze zu verzichten. Die Ankündigung war selbst ein Aprilscherz, und die Nachrichtenagentur Ritzau verbreitete sie, ohne es zu merken [3]. Umgekehrt kann es auch schiefgehen: Laut Nyvang zeigte der Sender TV2 im Jahr 2006 einen Aprilscherz von Dagens Nyheter, ohne ihn als solchen zu erkennen, und 2015 glaubten viele Zuschauer einem echten Bericht von TV2 über Alkoholsperren in Autos nicht, weil sie ihn für einen Scherz hielten [3]. Woran du Aprilscherze in den Medien erkennst, beschreibt die Seite Aprilscherze erkennen.

Was du aus dem Norden übernehmen kannst

Aus dem dänischen Botengang lässt sich ein harmloser Streich machen, der heute noch funktioniert: Jemand soll etwas holen, das es nicht gibt, und kommt mit leeren Händen und einem Lachen zurück. Wenn du den 1. Mai als zweiten Termin nutzen willst, bereite einen kleinen Scherz vor, den niemand mehr erwartet, weil der April schon vorbei ist. Auch ein Papierfisch auf dem Rücken passt zum 1. April; die Anleitung dazu findest du beim Papierfisch auf dem Rücken.

RandnotizNach videnskab.dk behauptete eine dänische Zeitung 1914 am 1. April, die Sonne habe neun Minuten länger geschlafen.

Häufige Fragen

Wie heißt "April, April" auf Schwedisch?

Üblich ist der Ruf "April, april din dumma sill", also "April, April, du dummer Hering". Am 1. Mai gibt es einen eigenen Spruch über den Maimonat und Schonen.

Was ist ein Maikater?

So nennt man in Dänemark und in Teilen Norwegens jemanden, der am 1. Mai hereingelegt wurde. In Norwegen ist dafür auch das Wort "maigås", Maigans, verbreitet.

Machen skandinavische Medien noch Aprilscherze?

Weniger als früher. Viele große Zeitungen und Sender haben wegen der Sorge vor Falschmeldungen aufgehört, einige kleinere Medien machen weiter, und die dänische Sendung TV-Avisen brachte laut einer Quelle von 2018 seit 1981 jedes Jahr einen Aprilscherz.

Seit wann gibt es den Aprilscherz in Dänemark?

Die dänische Nationalenzyklopädie Lex nennt das 17. Jahrhundert. Damals gehörte der Brauch zu einer Reihe von Scherzbräuchen im Frühjahr.

Quellen

  1. Lex, Den Store Danske (Iørn Piø, Caroline Nyvang): aprilsnar, lex.dk, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Store norske leksikon (Audun Dybdahl): aprilsnarr, snl.no, abgerufen am 06.11.2026.
  3. videnskab.dk (Caroline Nyvang): Aprilsnarrens historie: Fra forårsløjer til fake news, videnskab.dk, abgerufen am 06.11.2026.
  4. TV4 Nyhetsmorgon (Michelle Muntau): Därför luras vi på första april: "En folklig humor", tv4.se, abgerufen am 06.11.2026.
  5. The Museum of Hoaxes (Alex Boese): Instant Color TV, hoaxes.org, abgerufen am 06.11.2026.