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Glossar

Was ist die Entlastungstheorie?

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Die Entlastungstheorie sieht im Lachen eine Abfuhr von Spannung, ähnlich einem Überdruckventil. Herbert Spencer beschrieb Lachen als Entladung überschüssiger Nervenenergie, Sigmund Freud deutete Witze 1905 als Ventil für unterdrückte Wünsche. Beim Aprilscherz baut sich kurz Spannung auf, die sich mit "April, April!" löst. In der heutigen Forschung gilt die Theorie als überholt.

Dampfender Wasserkessel auf einem Herd in einer gemütlichen Küche im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Die Entlastungstheorie erklärt Lachen als Ventil: Im Körper baut sich Spannung auf, und beim Lachen entweicht sie. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy vergleicht dieses Bild mit dem Überdruckventil eines Dampfkessels [1]. Sie gehört neben der Überlegenheitstheorie und der Inkongruenztheorie zu den bekannten Erklärungen, warum wir lachen [1].

Wer die Theorie vertreten hat

Erste Ansätze finden sich bei Lord Shaftesbury. In seinem Essay über die Freiheit von Witz und Humor von 1709 schrieb er, Lachen lasse Lebensgeister frei, die sich in den Nerven gestaut haben [1].

Herbert Spencer baute den Gedanken in seinem Aufsatz "On the Physiology of Laughter" aus. Gefühle sind für ihn Nervenenergie, die Muskeln in Bewegung setzt. Zorn und Angst bereiten auf Angriff oder Flucht vor, die Bewegungen des Lachens haben dagegen kein Ziel. Sie entladen die Energie eines Gefühls, das sich als unpassend herausgestellt hat [1].

Am bekanntesten ist die Fassung von Sigmund Freud. In seinem Buch "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten" von 1905 unterschied er Witz, Komik und Humor. In allen drei Fällen werde beim Lachen seelische Energie frei, die für eine Aufgabe bereitstand und dann nicht mehr gebraucht wurde. Beim Witz ist es nach Freud die Kraft, mit der man sonst verbotene Wünsche unterdrückt, meist sexuelle oder feindselige [1].

Beispiel: der Moment der Auflösung

Ein Aprilscherz passt gut in dieses Bild. Jemand glaubt kurz, der Lieblingskuchen beim Bäcker sei ausverkauft, und stellt sich innerlich auf Enttäuschung ein. Mit "April, April!" wird diese Anspannung überflüssig. Folgt dann ein erleichtertes Lachen, würde die Entlastungstheorie sagen: Es verbraucht die Energie, die für den Ärger bereitstand.

Roter Luftballon verliert langsam Luft und liegt leicht runzlig auf einem Holztisch
Bild: KI-generiert

Für die Praxis heißt das, die Spannung klein zu halten und schnell aufzulösen. Ein Streich, der echte Angst auslöst, lässt sich nicht mehr weglachen. Wie wir das bei jedem Streich prüfen, steht in den Harmlos-Regeln.

Was gegen die Theorie spricht

In der Forschung spielt die Entlastungstheorie heute kaum noch eine Rolle. Nach der Stanford Encyclopedia erklärt fast niemand Lachen noch als Abfuhr aufgestauter Nervenenergie, das hydraulische Bild vom Druck in den Nerven gilt als überholt [1]. Studien von Hans Jürgen Eysenck fanden außerdem, dass gerade Menschen, die aggressive und sexuelle Gefühle offen zeigen, solchen Humor am meisten mögen. Nach Freud hätten es diejenigen sein müssen, die solche Gefühle unterdrücken [1]. Auch Freuds Annahme, dass Witze unbewusst entstehen, passt schlecht zu Berufshumoristen, die bewusst an ihren Pointen arbeiten [1].

Verwandte Begriffe

Die Inkongruenztheorie sucht den Grund des Lachens in einer gebrochenen Erwartung, die Überlegenheitstheorie im Gefühl, über anderen zu stehen. Wie Lachen im Körper abläuft, untersucht die Gelotologie. Einen Überblick gibt die Seite Psychologie der Aprilscherze.

Auch genannt: Relief-Theorie

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Ist die Entlastungstheorie wissenschaftlich bewiesen?

Nein. Das Bild von aufgestauter Nervenenergie gilt heute als überholt, und Studien wie die von Hans Jürgen Eysenck widersprechen Freuds Vorhersagen. Als allgemeine Erklärung des Lachens wird die Theorie kaum noch verwendet.

Was unterscheidet die Entlastungstheorie von der Inkongruenztheorie?

Die Entlastungstheorie fragt, was beim Lachen im Körper abgebaut wird. Die Inkongruenztheorie fragt, was an einer Situation komisch ist, und findet die Antwort in einer Erwartung, die nicht aufgeht.

Quellen

  1. Stanford Encyclopedia of Philosophy, John Morreall: Philosophy of Humor, plato.stanford.edu, abgerufen am 06.11.2026.