Was ist die Entlastungstheorie?
Die Entlastungstheorie sieht im Lachen eine Abfuhr von Spannung, ähnlich einem Überdruckventil. Herbert Spencer beschrieb Lachen als Entladung überschüssiger Nervenenergie, Sigmund Freud deutete Witze 1905 als Ventil für unterdrückte Wünsche. Beim Aprilscherz baut sich kurz Spannung auf, die sich mit "April, April!" löst. In der heutigen Forschung gilt die Theorie als überholt.

Die Entlastungstheorie erklärt Lachen als Ventil: Im Körper baut sich Spannung auf, und beim Lachen entweicht sie. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy vergleicht dieses Bild mit dem Überdruckventil eines Dampfkessels [1]. Sie gehört neben der ÜberlegenheitstheorieÜberlegenheitstheorie Die Überlegenheitstheorie erklärt Lachen mit dem Gefühl, anderen oder dem eigenen früheren Zustand überlegen zu sein, etwa wenn sich jemand irrt oder ungeschickt anstellt. Ihre Wurzeln liegen bei Platon und Aristoteles, ausgearbeitet hat sie Thomas Hobbes. Ihren Namen bekam sie erst im 20. Im Glossar und der InkongruenztheorieInkongruenztheorie Die Inkongruenztheorie erklärt Humor mit dem Bruch einer Erwartung: Wir lachen, wenn zwei Dinge nicht zusammenpassen und wir den Widerspruch erkennen. Vorläufer finden sich bei Aristoteles und Cicero, ausgearbeitet haben die Theorie im 18. und 19. Jahrhundert James Beattie, Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer. Im Glossar zu den bekannten Erklärungen, warum wir lachen [1].
Wer die Theorie vertreten hat
Erste Ansätze finden sich bei Lord Shaftesbury. In seinem Essay über die Freiheit von Witz und Humor von 1709 schrieb er, Lachen lasse Lebensgeister frei, die sich in den Nerven gestaut haben [1].
Herbert Spencer baute den Gedanken in seinem Aufsatz "On the Physiology of Laughter" aus. Gefühle sind für ihn Nervenenergie, die Muskeln in Bewegung setzt. Zorn und Angst bereiten auf Angriff oder Flucht vor, die Bewegungen des Lachens haben dagegen kein Ziel. Sie entladen die Energie eines Gefühls, das sich als unpassend herausgestellt hat [1].
Am bekanntesten ist die Fassung von Sigmund Freud. In seinem Buch "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten" von 1905 unterschied er Witz, Komik und Humor. In allen drei Fällen werde beim Lachen seelische Energie frei, die für eine Aufgabe bereitstand und dann nicht mehr gebraucht wurde. Beim Witz ist es nach Freud die Kraft, mit der man sonst verbotene Wünsche unterdrückt, meist sexuelle oder feindselige [1].
Beispiel: der Moment der Auflösung
Ein AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar passt gut in dieses Bild. Jemand glaubt kurz, der Lieblingskuchen beim Bäcker sei ausverkauft, und stellt sich innerlich auf Enttäuschung ein. Mit "April, AprilApril, April Mit "April, April!" löst man in Deutschland einen Aprilscherz auf. Der Ruf kommt gleich, nachdem jemand den Scherz geglaubt hat, und zeigt, dass alles nur Spaß war. Das Wörterbuch DWDS beschreibt ihn als umgangssprachlichen Ausruf der Schadenfreude. Auf Englisch ruft man "April fool!". Im Glossar!" wird diese Anspannung überflüssig. Folgt dann ein erleichtertes Lachen, würde die Entlastungstheorie sagen: Es verbraucht die Energie, die für den Ärger bereitstand.

Für die Praxis heißt das, die Spannung klein zu halten und schnell aufzulösen. Ein StreichStreich Ein Streich ist eine Handlung aus Übermut, mit der man jemanden neckt oder hereinlegt, etwa Salz in der Zuckerdose oder ein Zettel unter der Computermaus. Ursprünglich bedeutete das Wort Hieb oder Schlag. Ein guter Streich ist harmlos und schnell aufgelöst, am Ende lacht auch der Hereingelegte. Am 1. Im Glossar, der echte Angst auslöst, lässt sich nicht mehr weglachen. Wie wir das bei jedem Streich prüfen, steht in den Harmlos-Regeln.
Was gegen die Theorie spricht
In der Forschung spielt die Entlastungstheorie heute kaum noch eine Rolle. Nach der Stanford Encyclopedia erklärt fast niemand Lachen noch als Abfuhr aufgestauter Nervenenergie, das hydraulische Bild vom Druck in den Nerven gilt als überholt [1]. Studien von Hans Jürgen Eysenck fanden außerdem, dass gerade Menschen, die aggressive und sexuelle Gefühle offen zeigen, solchen Humor am meisten mögen. Nach Freud hätten es diejenigen sein müssen, die solche Gefühle unterdrücken [1]. Auch Freuds Annahme, dass Witze unbewusst entstehen, passt schlecht zu Berufshumoristen, die bewusst an ihren PointenPointe Die Pointe ist der überraschende Höhepunkt eines Witzes oder einer Erzählung, meist an ihrem Schluss. Sie bricht die Erwartung und bringt die Zuhörer zum Lachen. Das Wort kam im 18. Jahrhundert aus dem Französischen, wo pointe eigentlich Spitze oder Stachel heißt. Im Glossar arbeiten [1].
Verwandte Begriffe
Die Inkongruenztheorie sucht den Grund des Lachens in einer gebrochenen Erwartung, die Überlegenheitstheorie im Gefühl, über anderen zu stehen. Wie Lachen im Körper abläuft, untersucht die Gelotologie. Einen Überblick gibt die Seite Psychologie der Aprilscherze.
Auch genannt: Relief-Theorie
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Ist die Entlastungstheorie wissenschaftlich bewiesen?
Nein. Das Bild von aufgestauter Nervenenergie gilt heute als überholt, und Studien wie die von Hans Jürgen Eysenck widersprechen Freuds Vorhersagen. Als allgemeine Erklärung des Lachens wird die Theorie kaum noch verwendet.
Was unterscheidet die Entlastungstheorie von der Inkongruenztheorie?
Die Entlastungstheorie fragt, was beim Lachen im Körper abgebaut wird. Die Inkongruenztheorie fragt, was an einer Situation komisch ist, und findet die Antwort in einer Erwartung, die nicht aufgeht.
Quellen
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, John Morreall: Philosophy of Humor, plato.stanford.edu, abgerufen am 06.11.2026.