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Glossar

Was ist die Inkongruenztheorie?

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Die Inkongruenztheorie erklärt Humor mit dem Bruch einer Erwartung: Wir lachen, wenn zwei Dinge nicht zusammenpassen und wir den Widerspruch erkennen. Vorläufer finden sich bei Aristoteles und Cicero, ausgearbeitet haben die Theorie im 18. und 19. Jahrhundert James Beattie, Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer. Heute ist sie die verbreitetste Humortheorie in Philosophie und Psychologie.

Salzstreuer aus Glas steht in einer offenen weißen Zuckerdose auf einem hölzernen Frühstückstisch
Bild: KI-generiert

Die Inkongruenztheorie sagt, dass wir über etwas lachen, das nicht zu unseren Erwartungen passt. Inkongruent heißt unstimmig: Zwei Dinge treffen aufeinander, die eigentlich nicht zusammengehören. Laut John Morreall, der den Eintrag zum Humor in der Stanford Encyclopedia of Philosophy verfasst hat, kam die Theorie im 18. Jahrhundert auf und wurde danach zur führenden Erklärung in Philosophie und Psychologie [1].

Von Cicero bis Schopenhauer

Den Grundgedanken kannte schon die Antike. Aristoteles beschreibt in seiner Rhetorik, wie ein Redner Lacher erntet, indem er eine Erwartung aufbaut und dann bricht. Cicero hielt die Art von Witz für die häufigste, bei der man eines erwartet und etwas anderes gesagt wird [1].

Gelbe Gummistiefel stehen an einem sonnigen Sandstrand vor ruhigem blauem Meer
Bild: KI-generiert

Der schottische Philosoph James Beattie verwendete 1779 als Erster das Wort "incongruous" (unstimmig), um Humor zu erklären. Komisch sind für ihn zwei oder mehr unpassende Teile, die man als zusammengehörig betrachtet [1]. Immanuel Kant beschrieb das Lachen 1790 in der "Kritik der Urteilskraft" als Affekt, der entsteht, wenn sich eine gespannte Erwartung plötzlich in nichts auflöst [1]. Arthur Schopenhauer suchte den Bruch zwischen Begriff und Wirklichkeit. Wir lachen nach ihm, wenn wir plötzlich merken, dass ein Begriff nicht zu den Dingen passt, die wir darunter gefasst haben [1].

Spätere Forscher haben die Theorie verfeinert. Nach Thomas Shultz und Jerry Suls entsteht das Vergnügen erst, wenn wir die Unstimmigkeit auflösen, also verstehen, wie das Unpassende doch einen Sinn ergibt. Eine Unstimmigkeit, die sich gar nicht auflösen lässt, empfinden wir als Unsinn [1]. Ein Einwand bleibt: Unstimmiges kann auch Angst, Ekel oder Ärger auslösen. Zum Lachen kommt es nur, wenn wir den Widerspruch genießen können [1].

Beispiel: Salz im Kaffee

Der Klassiker Salz statt Zucker zeigt, wie die Theorie im Alltag aussieht. Du erwartest süßen Kaffee, und der erste Schluck schmeckt salzig. In diesem Moment passt nichts zusammen, und zum Lachen ist das noch nicht. Erst wenn jemand "April, April!" ruft, löst sich der Widerspruch auf: Der Streich ergibt einen Sinn, aus der Überraschung wird ein Lachen. Danach gibt es einen frischen Kaffee.

Für Aprilscherze folgt daraus eine einfache Regel. Die Unstimmigkeit muss harmlos bleiben, denn schon Beattie hielt fest, dass Furcht, Mitleid oder Ekel das Vergnügen verdrängen [1]. Ein Streich, der jemanden erschreckt oder bloßstellt, nimmt dem Lachen den Boden.

Verwandte Begriffe

Neben der Inkongruenztheorie gibt es zwei weitere klassische Erklärungen. Die Überlegenheitstheorie sieht im Lachen ein Gefühl der Überlegenheit, die Entlastungstheorie eine Entladung angestauter Spannung [1]. Wie ein Witz seine Erwartung im letzten Moment bricht, zeigt die Pointe. Ab wann Kinder solche Brüche durchschauen, hängt mit der Theory of Mind zusammen. Was die Forschung insgesamt über das Lachen beim Aprilscherz weiß, steht auf der Seite zur Psychologie des Aprilscherzes.

Auch genannt: Inkongruenz-Theorie, Inkongruenztheorien

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Wer hat die Inkongruenztheorie erfunden?

Einen einzelnen Erfinder gibt es nicht. Ansätze finden sich bei Aristoteles und Cicero, den Begriff der Unstimmigkeit brachte der Schotte James Beattie auf. Bekannt wurde die Theorie vor allem durch Kant und Schopenhauer.

Erklärt die Inkongruenztheorie jeden Witz?

Nicht ganz. Wortspiele kann sie gut erklären, mit denen die Überlegenheitstheorie wenig anfangen kann. Kritiker weisen aber darauf hin, dass Unstimmiges auch ohne Humor vorkommt, etwa im Grotesken oder in der tragischen Ironie einer Bühnenhandlung.

Quellen

  1. Stanford Encyclopedia of Philosophy, John Morreall: Philosophy of Humor, plato.stanford.edu, abgerufen am 06.11.2026.