Was ist die Überlegenheitstheorie?
Die Überlegenheitstheorie erklärt Lachen mit dem Gefühl, anderen oder dem eigenen früheren Zustand überlegen zu sein, etwa wenn sich jemand irrt oder ungeschickt anstellt. Ihre Wurzeln liegen bei Platon und Aristoteles, ausgearbeitet hat sie Thomas Hobbes. Ihren Namen bekam sie erst im 20. Jahrhundert, Kritik gibt es seit dem 18. Jahrhundert.

Die Überlegenheitstheorie sagt, dass wir lachen, wenn wir uns anderen Menschen überlegen fühlen oder dem, was wir selbst früher waren. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy fasst sie so zusammen: Unser Lachen drückt ein Gefühl der Überlegenheit über andere Menschen oder über einen früheren Zustand von uns selbst aus [1]. Wer über einen Menschen lacht, der auf einer Bananenschale ausrutscht, freut sich nach dieser Sicht über den eigenen Vorsprung.
Von Platon bis Hobbes
Die Idee ist alt. Platon sah im Lächerlichen eine Form des Schlechten, nämlich die Selbstüberschätzung: Wir lachen über Menschen, die sich für reicher, schöner oder tugendhafter halten, als sie sind. Dieses Vergnügen hielt er für moralisch bedenklich [1]. Aristoteles schätzte zwar den Witz im Gespräch, meinte aber ebenfalls, dass Lachen Verachtung ausdrückt. Witz nannte er gebildete Frechheit [1].
Ausgearbeitet hat die Idee Thomas Hobbes. In seinem "Leviathan" von 1651 beschreibt er den Menschen als Wesen im ständigen Wettbewerb, das auf Zeichen von Sieg und Niederlage achtet. Lachen entsteht nach Hobbes, wenn uns plötzlich bewusst wird, dass wir überlegen sind. Er nannte das "sudden glory", also plötzlichen Triumph, ausgelöst durch eine eigene gelungene Tat oder durch einen Mangel an einem anderen [1]. Hobbes fügte hinzu, viel Lachen über die Fehler anderer sei ein Zeichen von Kleinmut [1]. Den Namen Überlegenheitstheorie bekam diese Sicht erst im 20. Jahrhundert [1].
Was gegen die Theorie spricht
Schon 1750 kritisierte Francis Hutcheson die Erklärung von Hobbes. Überlegenheit sei zum Lachen weder nötig noch ausreichend. Wir lachen über schiefe Sprachbilder, ohne uns mit jemandem zu vergleichen, und wir fühlen uns Bettlern überlegen, ohne dass uns das erheitert [1]. Die Enzyklopädie nennt weitere Gegenbeispiele. Wer seine Brille überall sucht und sie dann auf dem eigenen Kopf findet, lacht über sich selbst. Und in Versuchen von Lambert Deckers lachten die meisten Teilnehmer, als ein Gewicht in einer Reihe scheinbar gleicher Gewichte plötzlich viel schwerer oder leichter war [1].

Seit dem 18. Jahrhundert stehen deshalb zwei weitere Erklärungen daneben: die EntlastungstheorieEntlastungstheorie Die Entlastungstheorie sieht im Lachen eine Abfuhr von Spannung, ähnlich einem Überdruckventil. Herbert Spencer beschrieb Lachen als Entladung überschüssiger Nervenenergie, Sigmund Freud deutete Witze 1905 als Ventil für unterdrückte Wünsche. Im Glossar, die Lachen mit einem Überdruckventil vergleicht, und die InkongruenztheorieInkongruenztheorie Die Inkongruenztheorie erklärt Humor mit dem Bruch einer Erwartung: Wir lachen, wenn zwei Dinge nicht zusammenpassen und wir den Widerspruch erkennen. Vorläufer finden sich bei Aristoteles und Cicero, ausgearbeitet haben die Theorie im 18. und 19. Jahrhundert James Beattie, Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer. Im Glossar, die es mit dem Unpassenden und Unerwarteten erklärt [1].
Beispiel: Überlegenheit beim Aprilscherz
Unsere Lesart: Auf den AprilscherzAprilscherz Ein Aprilscherz ist ein harmloser Streich oder eine glaubhaft klingende, aber erfundene Geschichte, mit der man andere am 1. April hereinlegt. Aufgelöst wird er meist mit dem Ruf "April, April!". Im deutschen Sprachraum ist der Brauch seit dem 17. Jahrhundert belegt. Im Glossar übertragen erklärt die Theorie vor allem das Lachen dessen, der den StreichStreich Ein Streich ist eine Handlung aus Übermut, mit der man jemanden neckt oder hereinlegt, etwa Salz in der Zuckerdose oder ein Zettel unter der Computermaus. Ursprünglich bedeutete das Wort Hieb oder Schlag. Ein guter Streich ist harmlos und schnell aufgelöst, am Ende lacht auch der Hereingelegte. Am 1. Im Glossar spielt. Wer jemanden in den April schicktin den April schicken Jemanden in den April schicken heißt, ihn am 1. April mit einem Scherz hereinzulegen. Ursprünglich schickte man Leichtgläubige auf sinnlose Botengänge, etwa um etwas zu holen, das es nicht gibt. Im Glossar, weiß etwas, das der andere nicht weiß, und genießt diesen kurzen Vorsprung. Ein harmloser Streich gleicht das Gefälle schnell wieder aus. Mit "April, AprilApril, April Mit "April, April!" löst man in Deutschland einen Aprilscherz auf. Der Ruf kommt gleich, nachdem jemand den Scherz geglaubt hat, und zeigt, dass alles nur Spaß war. Das Wörterbuch DWDS beschreibt ihn als umgangssprachlichen Ausruf der Schadenfreude. Auf Englisch ruft man "April fool!". Im Glossar!" erfährt der andere die Wahrheit und lacht mit, im besten Fall auch über sich selbst.
Bleibt die Auflösung aus oder wird jemand vor anderen vorgeführt, kippt der Spaß in Spott. Deshalb gehört zu jedem Streich auf unserer Seite eine Auflösung noch am selben Tag. Wo die Freude am Missgeschick anderer aufhört, beschreibt der Eintrag Schadenfreude.
Verwandte Begriffe
Die beiden anderen klassischen Humortheorien sind die Inkongruenztheorie und die Entlastungstheorie. Was die Forschung über Lachen und Streiche weiß, fassen wir auf der Seite zur Psychologie des Aprilscherzes zusammen.
Auch genannt: Überlegenheitstheorie des Humors, Superiority Theory
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wer hat die Überlegenheitstheorie begründet?
Einen einzelnen Gründer gibt es nicht. Die Gedanken gehen auf Platon und Aristoteles zurück, ausgearbeitet hat sie Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert. Den Namen bekam die Theorie erst im 20. Jahrhundert.
Stimmt die Überlegenheitstheorie?
Sie erklärt manches Lachen, zum Beispiel Spott. Für Wortspiele oder das Lachen über sich selbst reicht sie nicht, deshalb stehen heute andere Theorien daneben.
Quellen
- Stanford Encyclopedia of Philosophy (John Morreall): Philosophy of Humor, plato.stanford.edu, abgerufen am 06.11.2026.