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Glossar

Was bedeutet "einen Bären aufbinden"?

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Jemandem einen Bären aufbinden heißt, ihm eine Unwahrheit so glaubhaft zu erzählen, dass er sie glaubt. Das DWDS führt die Wendung als umgangssprachlich. Ihre Herkunft ist nicht sicher geklärt: Eine Deutung sieht darin einen Bären, den man niemandem unbemerkt auf den Rücken binden kann, eine andere ein altes Wort für Last.

Brauner Teddybär mit kleinem Rucksack auf dem Rücken sitzt auf einem grauen Sofa
Bild: KI-generiert

Wer jemandem einen Bären aufbindet, erzählt ihm eine Unwahrheit so überzeugend, dass er sie glaubt. Das DWDS nennt die Wendung umgangssprachlich und stellt sie neben "jemandem ein X für ein U vormachen" und "jemandem einen vom Pferd erzählen" [1]. Wer darauf hereingefallen ist, hat sich einen Bären aufbinden lassen.

Gebraucht wird die Wendung für Geschichten, die jemand glaubhaft erzählt, vom Scherz über den Haggis bis zur Behauptung vor Gericht. Das Wort "aufbinden" allein kann im selben Sinn stehen, das DWDS nennt dafür den Beleg "er band ihm manchen Bären auf" [3]. Der Ton reicht vom freundlichen Spott bis zum Vorwurf der Täuschung.

Woher die Redewendung kommt

Sicher geklärt ist das nicht, es gibt mehrere Deutungen. Das DWDS geht von einem Bild aus: Es ist praktisch unmöglich, jemandem einen Bären auf den Rücken zu binden, ohne dass er es merkt [1]. Wem es trotzdem gelingt, der muss sehr geschickt vorgegangen sein.

Bärenspuren im frischen Schnee am Rand eines Nadelwalds im bläulichen Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Eine andere Erklärung führt Wiktionary nach dem "Lexikon der Redensarten" und dem Duden an. Danach geht die Wendung ursprünglich auf die germanische Wurzel bar- für "tragen" zurück. Man hätte jemandem also eine Last aufgebunden. Als diese Bedeutung vergessen war, wurde aus der Last der Bär [2]. Später entstanden volkstümliche Geschichten, die das Tier erklären sollen, zum Beispiel von Jägern, die ihre Zeche im Wirtshaus nicht zahlen können und einen Bären als Pfand dalassen [2].

Beispiel: der Bär am 1. April

Für den 1. April passt die Wendung gut, denn viele Aprilscherze sind genau das: eine erfundene Geschichte, die gerade glaubhaft genug klingt. Du erzählst beim Frühstück, im Stadtpark seien über Nacht Palmen gepflanzt worden, und nach ein paar Minuten löst du mit "April, April!" auf. Einen schönen Fall bringt das DWDS aus dem Fränkischen Tag: Schotten binden Unwissenden gern einen Bären auf, indem sie vom Haggis als einem angeblichen Tier der Highlands erzählen [1].

Wo der Spaß aufhört, zeigt ein anderes Beispiel im Wörterbuch. Ein Dachdecker legte einer Rentnerin selbst mitgebrachte Würmer als angebliche Schädlinge vor, um ihr ein neues Dach zu verkaufen [1]. Das ist Betrug. Ein Aprilscherz wird aufgelöst und kostet niemanden etwas, so steht es auch in unseren Grundsätzen.

Verwandte Begriffe

Ähnliche Wendungen sind jemanden auf den Arm nehmen, verkohlen und veräppeln. Für übertriebene Geschichten gibt es eigene Wörter, etwa Jägerlatein und Seemannsgarn.

Auch genannt: Bären aufbinden, Bären aufgebunden, Bären aufzubinden, Bären aufbindet

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Ist "einen Bären aufbinden" unhöflich?

Das DWDS stuft die Wendung als umgangssprachlich ein. Unter Freunden und im Alltag passt sie gut, in einem förmlichen Brief eher nicht.

Was bedeutet "sich keinen Bären aufbinden lassen"?

Wer sich keinen Bären aufbinden lässt, durchschaut die erfundene Geschichte und fällt nicht darauf herein. Auch diese Form führt das DWDS als feste Wendung.

Quellen

  1. DWDS, Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: jmdm. einen Bären aufbinden, dwds.de, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Wiktionary: jemandem einen Bären aufbinden, de.wiktionary.org, abgerufen am 06.11.2026.
  3. DWDS, Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: aufbinden, dwds.de, abgerufen am 06.11.2026.