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So feiert Polen den 1. April

In Polen heißt der Aprilscherz Prima aprilis. Woher Name und Brauch kommen, was der Dichter Potocki darüber schrieb und welche Zeitungsenten bekannt sind.

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Straßenbahn in einer Altstadt im frühen Frühling mit Schneeresten auf dem Kopfsteinpflaster
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

In Polen heißt der Aprilscherz Prima aprilis, lateinisch für "erster April". Der Brauch kam nach polnischen Quellen im 16. Jahrhundert aus Westeuropa über Deutschland ins Land. Man legt sich in Familie, Schule und Büro gegenseitig herein, und Zeitungen bringen bis heute erfundene Meldungen.

In Polen heißt der Aprilscherz Prima aprilis, lateinisch für "erster April". Der Brauch kam nach polnischen Quellen im 16. Jahrhundert aus Westeuropa über Deutschland ins Land [1]. Am 1. April legt man sich in Familie, Schule und Büro gegenseitig herein, und Zeitungen bringen erfundene Meldungen. Ein Spruch fasst den Tag zusammen: "Prima aprilis, uważaj, bo się pomylisz", sinngemäß "Erster April, pass auf, sonst fällst du herein" [1].

Ein lateinischer Name

"Prima aprilis" ist schlicht das Datum, der erste Tag des Aprils [1]. Anders als im Deutschen, wo man jemanden "in den April schickt", oder im Italienischen mit dem Pesce d'aprile, steckt im polnischen Namen also kein Bild, nur der Kalender.

Der Spruch "Prima aprilis, uważaj, bo się pomylisz" steht unter anderem als Überschrift über einem Beitrag des polnischen Regierungsportals für Rückkehrer, powroty.gov.pl [1]. Er warnt davor, an diesem Tag alles zu glauben, was man hört oder liest. Dass auch Zeitungen am 1. April gern mitmachen, zeigen die Beispiele weiter unten.

Im Alltag wird "Prima aprilis!" ähnlich gebraucht wie bei uns "April, April!". Man ruft es, sobald jemand auf einen Scherz hereingefallen ist, und löst damit den Streich auf. Wer den Ausruf hört, weiß sofort, dass die Neuigkeit von eben nicht stimmt.

Wie der Brauch nach Polen kam

Die polnischen Quellen sind sich in einem Punkt einig: Der Brauch ist nicht in Polen entstanden. Die Enzyklopädie PWN, die der Historiker Kamil Wrotkowski zitiert, schreibt, Prima aprilis sei im 16. Jahrhundert aus dem Westen nach Polen übertragen worden und unter verschiedenen Namen in fast ganz Europa verbreitet [3]. Nach powroty.gov.pl führte der Weg aus Westeuropa über Deutschland [1]. Auch der Ethnologe Grzegorz Odoj von der Schlesischen Universität sagte der Zeitung Rzeczpospolita 2014, erst im 16. Jahrhundert habe man in Polen den 1. April mit Späßen zu verbinden begonnen [2].

Wie der Brauch selbst entstanden ist, weiß in Polen ebenso wenig jemand wie anderswo. Odoj nannte in dem Gespräch mehrere Theorien: den römischen Mythos von Ceres, die von Pluto mit der falschen Stimme ihrer Tochter getäuscht wurde, die Veneralia, ein römisches Fest für Venus Anfang April, die französische Kalenderreform von 1564 und den mittelalterlichen Glauben, am 1. April seien Geister besonders aktiv [2]. Powroty.gov.pl erwähnt außerdem eine christliche Deutung, die den 1. April mit dem angeblichen Geburtstag des Judas verbindet und daraus einen Tag der Lüge macht [1]. Keine dieser Theorien ist belegt. Wir stellen sie unter Herkunft des Aprilscherzes ausführlicher vor.

Was der Dichter Potocki schrieb

Das älteste polnische Zeugnis, das in den Quellen genannt wird, stammt vom Dichter Wacław Potocki aus dem 17. Jahrhundert. In seiner Sammlung "Ogród fraszek" (Garten der Epigramme) beginnt ein Gedicht mit den Zeilen "Prima Aprilis, albo najpierwszy dzień kwietnia, / Do rozmaitych żartów moda staroletnia" [1]. Auf Deutsch heißt das etwa: "Prima aprilis oder der allererste Tag des Aprils, für allerlei Scherze ein altmodischer Brauch."

Schon für Potocki war der Brauch also alt. Das Gedicht erzählt von einem Mann, der einen Schuldschein mit dem Datum 1. April unterschreibt und später behauptet, das Ganze sei ein Scherz gewesen. Vor Gericht kommt er damit nicht durch: Wer sich so gut auf Scherze versteht, soll auch die Schuld begleichen [1]. Das Gedicht zeigt, dass Prima aprilis im 17. Jahrhundert bekannt genug war, um daraus eine Pointe zu machen. Ein Beispiel für einen Scherz zwischen Privatleuten bringt powroty.gov.pl aus dem Buch "Z dziejów obyczajów polskich" von Zbigniew Kuchowicz: Eine Frau verschickte eine versiegelte Schachtel, in der ein lebender Floh saß, und der Empfänger antwortete mit zwei Eierschalen, in denen lebende Vögel steckten [1].

Ein Bündnis mit falschem Datum

Wie ernst man den Tag nahm, zeigt eine Geschichte aus der großen Politik. Nach powroty.gov.pl wurde das Bündnis zwischen dem polnischen König Jan III. Sobieski und Kaiser Leopold I. gegen das Osmanische Reich im Jahr 1683 zwar am 1. April unterzeichnet, aber auf den 31. März zurückdatiert. Kein Vertrag dieser Bedeutung sollte das Datum eines Scherztags tragen [1].

Das Portal gibt bis heute einen ähnlichen Rat: Verträge schließt man besser nicht am 1. April, weil eine Seite sie später als Scherz abtun könnte [1]. Der Hinweis zeigt vor allem, wie fest der Tag im Alltag verankert ist. Was ein Aprilscherz in Deutschland rechtlich bedeutet, erklären wir unter Aprilscherze und Recht.

Zeitungsenten aus Warschau und Danzig

Polnische Zeitungen haben am 1. April eine lange Tradition. Die Gazeta Polska meldete am 1. April 1938, in Warschau sei heimlich eine Metrolinie gebaut worden, dazu gläserne Dächer über den Straßen der Hauptstadt [1]. Der Kurier Poranny berichtete 1925, für die Rattenplage in Warschau habe man eine Methode mit einer Rattenfängerflöte gefunden [1]. Wer binnen drei Monaten 1.500 Ratten erledigte, sollte laut der Meldung von Gebühren befreit werden [1]. Beide Meldungen waren erfunden.

Kleine gelbe Gummiente sitzt auf einem gefalteten leeren Blatt auf einem Holzschreibtisch am Fenster
Bild: KI-generiert

Wie solche Scherze auch unter schwierigen Bedingungen weiterliefen, hat der Historiker Kamil Wrotkowski am Beispiel des Dziennik Bałtycki aus Danzig untersucht. Die Zeitung meldete am 1. April 1958, an einem Kiosk neben dem Hauptbahnhof werde jetzt Coca-Cola verkauft, und stellte am nächsten Tag klar, das seien nur Träume gewesen [3]. Wrotkowski zeigt, dass viele Scherze der Jahre 1947 bis 1970 auf Mangel und hohe Preise anspielten, etwa auf fehlende Zitrusfrüchte, Glühbirnen oder billigere Busfahrkarten. Andere spielten mit dem technischen Fortschritt, zum Beispiel mit einer Raumsonde, die angeblich in Gdynia abgestürzt war, oder mit einer Botschaft einer außerirdischen Zivilisation [3]. Für Wrotkowski sind diese Scherze deshalb eine Quelle für die Alltagsgeschichte: sie verraten, was den Menschen fehlte und worauf sie hofften [3]. Weitere berühmte Beispiele aus anderen Ländern sammeln wir bei den berühmten Aprilscherzen.

Prima aprilis heute

Inzwischen gehört der 1. April in Polen wie in Deutschland zu den Tagen, an denen man Nachrichten zweimal liest. Powroty.gov.pl rät, Meldungen an diesem Tag skeptisch zu betrachten und am nächsten Tag noch einmal zu prüfen [1]. Im Alltag sind es die bekannten kleinen Streiche: falsche Botengänge, vertauschte Dinge, erfundene Neuigkeiten unter Freunden.

Frühstückstisch mit weißen Tassen, einem leeren Zettel und Tulpen in der Vase
Bild: KI-generiert

Der Ethnologe Odoj beobachtete 2014, dass der Brauch an Beliebtheit verliert. Man vergesse den Tag immer öfter, früher sei man viel eher zu Späßen aufgelegt gewesen. Als Grund nannte er, dass Menschen heute schneller gekränkt seien und weniger Einfallsreichtum zeigten [2]. Das ist eine persönliche Einschätzung, Zahlen dazu nennt er nicht. Wie der Brauch im Nachbarland aussieht, beschreiben wir unter Aprilscherz in Deutschland.

Wer polnische Freunde, Kolleginnen oder Nachbarn hat, kann den Tag mit einem kleinen Gruß auf Polnisch verbinden. Ein freundlicher Streich, aufgelöst mit "Prima aprilis!", kommt gut an, wenn er harmlos bleibt und schnell aufgeklärt wird.

Häufige Fragen

Was bedeutet Prima aprilis?

Der Ausdruck ist Latein und heißt "erster April". In Polen ist er der übliche Name für den Tag der Aprilscherze. Ein Bild wie im deutschen "in den April schicken" steckt nicht darin, nur das Datum.

Seit wann gibt es den Aprilscherz in Polen?

Nach polnischen Quellen seit dem 16. Jahrhundert. Der Brauch kam aus Westeuropa über Deutschland, und schon im 17. Jahrhundert nannte der Dichter Wacław Potocki ihn einen altmodischen Brauch.

Was ist der berühmteste polnische Aprilscherz?

Oft genannt wird die Meldung der Gazeta Polska vom 1. April 1938 über eine heimlich gebaute Metrolinie in Warschau. Bekannt ist auch die Coca-Cola-Meldung des Dziennik Bałtycki von 1958.

Warum unterschreibt man in Polen am 1. April ungern Verträge?

Das Regierungsportal powroty.gov.pl rät davon ab, weil eine Seite den Vertrag später als Scherz abtun könnte. Nach powroty.gov.pl wurde 1683 aus diesem Grund ein Bündnis gegen das Osmanische Reich auf den 31. März zurückdatiert. Für Rechtsfragen im Einzelfall hilft eine Anwältin oder ein Anwalt.

Quellen

  1. Powroty.gov.pl: Prima aprilis, uważaj, bo się pomylisz! (31.03.2023), powroty.gov.pl, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Rzeczpospolita: Dziś trzeba się mieć na baczności (Gespräch mit Grzegorz Odoj, 01.04.2014), rp.pl, abgerufen am 06.11.2026.
  3. Argumenta Historica, Kamil Wrotkowski: Żarty z okazji prima aprilis jako źródło historyczne na przykładzie "Dziennika Bałtyckiego" 1947-1970, czasopisma.bg.ug.edu.pl, abgerufen am 06.11.2026.