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Hunt the Gowk und Tailie Day: Aprilscherze in Schottland

In Schottland dauerte der Aprilscherz zwei Tage: Hunt the Gowk mit dem Brief für den Narren und Tailie Day mit dem Papierschwanz. So liefen beide Bräuche ab.

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Kuckuck auf einem alten Zaunpfahl in einer schottischen Heidelandschaft unter grauen Wolken
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

In Schottland gab es für Aprilscherze traditionell zwei Tage. Am ersten April, dem Hunt the Gowk, schickte man jemanden mit einem versiegelten Brief auf einen sinnlosen Botengang, am Tag danach, dem Tailie Day, hängte man anderen heimlich einen Papierschwanz an. Beide Bräuche sind heute selten geworden.

In Schottland gab es für Aprilscherze traditionell zwei Tage. Am 1. April, dem Hunt the Gowk, schickte man jemanden mit einem versiegelten Brief auf einen sinnlosen Botengang. Am 2. April, dem Tailie Day, hängte man anderen heimlich einen Schwanz aus Papier an die Kleidung [2]. Beide Bräuche werden noch in manchen Gegenden gepflegt, sind aber seltener geworden [2].

Was ein Gowk ist

"Gowk" ist das schottische Wort für den Kuckuck [3]. Im Brauch steht der Vogel für den Narren, der auf einen Scherz hereinfällt. Das große Wörterbuch der schottischen Sprache, das Scottish National Dictionary, erklärt "to hunt the gowk" als "einen Narrenbotengang machen" oder "zum Aprilnarren gemacht werden". Das Wort "huntegowk" bezeichnet das Spiel des Aprilnarren selbst und den sinnlosen Auftrag, vor allem am 1. April [1].

Die Belege im Wörterbuch reichen weit zurück. Schon der Dichter Allan Ramsay verwendete die Wendung 1728, und 1777 notierte John Brand den Spruch "On the first day of April Hunt the Gowk another mile" [1]. Walter Scott ließ 1815 eine Figur über einen "hunt-the-gowk errand" klagen, und noch 1925 schrieb die Kelso Chronicle, der 1. April habe Hunt-the-Gowk gebracht, wenn fröhliche Streiche gespielt wurden [1]. Eine kurze Erklärung des Begriffs steht in unserem Glossar unter Hunt the Gowk.

Der Gowk in Gedichten und Geschichten

Die Belege im Scottish National Dictionary zeigen, wie fest der Ausdruck in der Sprache saß. Bei Allan Ramsay fragt 1728 der Götterbote Hermes, ob Jupiter ihn nur zu diesen Leuten geschickt habe, um den Gowk zu jagen [1]. Der Ausdruck war also schon damals so bekannt, dass ein Dichter ihn für einen Witz über die Götter nutzen konnte. In einem Text aus Ayrshire von 1887 ruft jemand anderen "Hunt 'e gowk!" ins Ohr, und in einem Text aus Fife von 1894 beginnt jemand "Hint-a-gowk, April!" zu rufen [1].

Später wurde die Wendung auch bildlich gebraucht. In einem Beleg von 1894 aus Edinburgh will man sich von den Tories nicht zum Gowk machen lassen, und 1932 heißt es in Fife, Noah habe gewusst, dass Gott ihn nicht zum Narren halten werde [1]. Hunt the Gowk bedeutete damit allgemein, jemanden hereinzulegen, ganz gleich an welchem Tag.

Der Brief für den Narren

Der Ablauf war einfach. Jemand bekam einen versiegelten Brief, den er einer anderen Person bringen sollte, angeblich mit einer wichtigen Nachricht. Die Empfängerin öffnete ihn und las: "Dinna laugh, dinna smile, Hunt the gowk another mile" [2]. Auf Hochdeutsch heißt das etwa: "Lach nicht, lächle nicht, jag den Kuckuck noch eine Meile weiter."

Versiegelter Briefumschlag ohne Schrift auf einer alten Türschwelle aus Stein vor einer Holztür
Bild: KI-generiert

Der Reim lässt sich als Aufforderung an die Empfängerin lesen, das Spiel mitzuspielen: nichts verraten, den Boten mit derselben Nachricht eine Meile weiterschicken. So konnte der Gowk von Tür zu Tür laufen, bis ihm jemand die Wahrheit sagte. Ältere Fassungen des Spruchs nennen ausdrücklich das Datum, wie die Notiz von John Brand aus dem 18. Jahrhundert zeigt [1]. Das Prinzip kennt man auch im Deutschen, wo man jemanden in den April schickt, etwa um Mückenfett zu holen.

Nur bis zum Mittag

Für Hunt the Gowk galt nach der Überlieferung eine feste Zeitgrenze. Wer nach zwölf Uhr mittags noch jemanden hereinlegen wollte, war selbst der Narr. Die Scottish Society of Ottawa zitiert dafür den Reim "Huntigowk is past, and you're the fool at last" [4]. Sinngemäß heißt das: "Die Kuckucksjagd ist vorbei, und jetzt bist du der Narr."

Zum zweitägigen Brauch passte die Regel gut: Am Vormittag des ersten Tages wurde gejagt, am zweiten Tag kam der Papierschwanz an die Reihe. Wie der Aprilscherz im übrigen Großbritannien aussieht, beschreiben wir unter Aprilscherz in Großbritannien.

Tailie Day: der Schwanz am Rücken

Am 2. April folgte der Tailie Day, der manchmal auch Preen-Tail Day genannt wird [3]. An diesem Tag befestigte man anderen heimlich einen Schwanz aus Papier am Rücken [2]. Wer mit dem Schwanz durchs Dorf oder über den Schulhof lief, ohne es zu merken, hatte die Lacher auf seiner Seite. "Preen" ist das schottische Wort für eine Nadel aus Metall. Das Scottish National Dictionary beschreibt den preen-tail day als den Tag nach dem Narrentag, an dem man Unwissenden Papierschwänze an den Rücken heftete, mit Belegen von 1942 und 1966 aus den Grenzgrafschaften Berwickshire und Roxburghshire [5]. Das Glossar erklärt den Begriff unter Tailie Day.

Karierte Wolljacke an einer Garderobe, an deren Rücken ein langer Schwanz aus weißem Papier hängt
Bild: KI-generiert

Der Papierschwanz erinnert an den Papierfisch, den man in Frankreich und Italien am 1. April auf den Rücken klebt. Ob die beiden Bräuche zusammenhängen, lässt sich mit den Quellen, die uns vorliegen, nicht sagen. Gemeinsam ist ihnen der Witz: Das Opfer trägt den Beweis seiner Gutgläubigkeit sichtbar mit sich herum, während alle anderen Bescheid wissen. Wer den Streich nachmachen will, findet bei uns den Papierfisch auf dem Rücken, mit Malerkrepp statt Nadel.

Wie es heute aussieht

Hunt the Gowk und Tailie Day sind heute selten. Der Scottish Banner schrieb 2020, die Tradition werde in einigen Gegenden noch gepflegt, sterbe aber langsam aus [2]. Wo der zweitägige Brauch verschwunden ist, bleibt der übliche 1. April mit Streichen und Zeitungsenten an einem einzigen Tag.

Ganz verschwunden ist der Brauch aber nicht. Im Wörterbuch finden sich Belege bis ins späte 20. Jahrhundert. Die Schriftstellerin Lavinia Derwent erwähnte 1979 den "Hunty Gowk day" in einem Satz, ohne ihn zu erklären [1]. Die Scottish Society of Ottawa erinnerte 2026 in einem Beitrag an den Brauch [4].

Woher die schottischen Bräuche kommen

Wann der Hunt the Gowk entstanden ist, weiß niemand genau. Die frühesten Belege im Wörterbuch stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert [1]. Die Familienforschungsseite von Iain Laird verweist darauf, dass der Ursprung unklar sei und möglicherweise im Frankreich des 16. Jahrhunderts liege [3]. Das entspricht den Theorien, die man auch in anderen Ländern hört. Belegt ist es nicht. Was über die Herkunft des Aprilscherzes insgesamt bekannt ist, haben wir unter Herkunft des Aprilscherzes zusammengetragen.

Hunt the Gowk selbst ausprobieren

Der Brauch lässt sich leicht nachspielen, in der Familie, in der Schule oder unter Freunden. Du brauchst einen Umschlag, einen Zettel mit dem Reim und ein paar Eingeweihte, die mitspielen. Der erste Bote bekommt den Brief mit dem Auftrag, ihn bei der Nachbarin abzugeben. Die Nachbarin liest, lacht innerlich und schickt den Boten mit demselben Brief weiter zur nächsten eingeweihten Person.

Damit der Spaß harmlos bleibt, sollte die Strecke kurz sein, am besten innerhalb des Hauses, des Schulhofs oder der Straße. Die letzte Station löst auf, ruft "April, April!" und hat für den Boten eine kleine Belohnung bereit. Wer sich an die schottische Regel halten will, beendet die Jagd spätestens zum Mittagessen. Am nächsten Tag ist dann Zeit für den Papierschwanz, mit Malerkrepp statt Nadel.

Häufige Fragen

Was heißt Hunt the Gowk?

Wörtlich "jag den Kuckuck". "Gowk" ist das schottische Wort für den Kuckuck und zugleich für einen Narren. Gemeint ist ein sinnloser Botengang am 1. April, auf den man jemanden schickt.

Was stand in dem Brief beim Hunt the Gowk?

Meist der Reim "Dinna laugh, dinna smile, Hunt the gowk another mile". Die Empfängerin schickte den Boten damit zur nächsten Tür, bis jemand den Scherz auflöste.

Was ist der Tailie Day?

Der Tag nach dem Hunt the Gowk, also der 2. April. An ihm hängte man anderen heimlich einen Schwanz aus Papier an den Rücken. Andere Namen sind Preen-Tail Day oder Taily Day.

Gibt es Hunt the Gowk heute noch?

In einigen Gegenden Schottlands ja, insgesamt ist der Brauch aber selten geworden. Meist wird der 1. April inzwischen wie im übrigen Großbritannien an einem Tag gefeiert.

Quellen

  1. Dictionaries of the Scots Language, Scottish National Dictionary: GOWK, n.1, v.1, dsl.ac.uk, abgerufen am 06.11.2026.
  2. The Scottish Banner: Editorial: The Scottish Banner Says (April 2020, Vol. 43, Nr. 10), scottishbanner.com, abgerufen am 06.11.2026.
  3. Iain Laird's Family History Project: April, laird.org.uk, abgerufen am 06.11.2026.
  4. The Scottish Society of Ottawa: Hunt the Gowk: April Fools in Scotland, ottscot.ca, abgerufen am 06.11.2026.
  5. Dictionaries of the Scots Language, Scottish National Dictionary: PREEN, n., v., dsl.ac.uk, abgerufen am 06.11.2026.