Zum Inhalt springen
Ausgabe vom Bis zum 1. April: Noch 145 Tage
april-scherz.comDie Streich-Werkstatt für den 1. April
Glossar

Was ist eine Münchhausiade?

Von Veröffentlicht

Eine Münchhausiade ist eine prahlerische Lügengeschichte, deren Erzähler das Unmögliche als selbst erlebt ausgibt. Der Name geht auf Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen (1720 bis 1797) zurück, dem man Geschichten wie den Ritt auf der Kanonenkugel zuschrieb. Rudolf Erich Raspe veröffentlichte sie 1785 auf Englisch, Gottfried August Bürger 1786 auf Deutsch.

Eine eiserne Kanonenkugel liegt auf einer Wiese vor einem alten Herrenhaus im Morgendunst
Bild: KI-generiert

Eine Münchhausiade ist eine prahlerische Lügengeschichte, in der jemand von Abenteuern erzählt, die so niemals passiert sein können [1]. Das Wort ist eine literarische Gattungsbezeichnung und geht auf den Freiherrn von Münchhausen zurück, der durch die gedruckten Geschichten als "Lügenbaron" bekannt wurde [1].

Erklärung

Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder geboren und starb dort am 22. Februar 1797 [1]. Er stand in Russland im Militärdienst und nahm 1750 seinen Abschied [1]. Seine Erzählungen machten im Freundeskreis die Runde. Dass er später als Lügenbaron galt, soll ihn geärgert haben [1].

Gedruckt erschienen die ersten Geschichten ohne seinen Namen. 1761 nahm Rochus Graf zu Lynar drei davon in "Der Sonderling" auf, 1781 folgten sechzehn Anekdoten in einem anonymen "Vademecum für lustige Leute" [1]. Im Dezember 1785 brachte Rudolf Erich Raspe in London anonym eine englische Fassung heraus: "Baron Munchhausen's Narrative of His Marvellous Travels and Campaigns in Russia" [1]. Gottfried August Bürger übersetzte sie, ergänzte eigene Geschichten und veröffentlichte im September 1786 in Göttingen die "Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande". Seine Fassung ist die bekannteste [1].

Die Erzählform selbst ist viel älter als der Baron. Ähnliche Lügengeschichten finden sich schon bei Lukian von Samosata in der Antike und später in den Schwanksammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts [1].

Beispiele aus den Lügengeschichten

Am bekanntesten ist der Ritt auf der Kanonenkugel, mit der Münchhausen über eine belagerte Stadt fliegt [1]. In einer anderen Geschichte bindet er sein Pferd im tiefen Schnee an eine Spitze, die aus der Schneedecke ragt. Nach der Schneeschmelze stellt sich heraus, dass es die Wetterhahnspitze eines Kirchturms war; das Pferd hängt oben, bis er den Halfter durchschießt [1]. Aus einem Sumpf zieht er sich samt Pferd am eigenen Haarschopf heraus [1].

Ein braunes Pferd steht im tiefen Schnee vor dem Kirchturm einer kleinen Dorfkirche
Bild: KI-generiert

Für einen Aprilscherz taugen solche Geschichten nur bedingt. Ein Aprilscherz lebt davon, dass die Behauptung gerade noch glaubhaft klingt. Bei Münchhausen ist die Übertreibung so groß, dass der Spaß im Zuhören liegt und niemand hereingelegt wird. Wer am 1. April jemanden in den April schicken will, nimmt sich besser eine kleine, alltägliche Lüge vor und löst sie schnell auf.

Verwandte Begriffe

Ähnlich übertriebene Erzählungen heißen Seemannsgarn und Jägerlatein. Wer jemandem eine Lüge glaubhaft macht, will ihm einen Bären aufbinden. Ein anderer berühmter Spaßmacher der deutschen Literatur ist Till Eulenspiegel. Nach dem Baron benannt sind außerdem die Münchhausen-Methode, sich aus eigener Kraft aus einer Notlage zu befreien, und das Münchhausen-Trilemma aus der Philosophie [1].

Auch genannt: Münchhausiaden, Münchhauseniade

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Hat es den Baron von Münchhausen wirklich gegeben?

Ja. Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen lebte in Bodenwerder an der Weser und erzählte gern von seiner Zeit in Russland. Aufgeschrieben und veröffentlicht haben die Geschichten andere, vor allem Raspe und Bürger.

Gibt es neuere Münchhausiaden?

Ja, die Gattung wurde immer wieder aufgegriffen. Karl Leberecht Immermann veröffentlichte ab 1838 einen "Münchhausen", von Walter Hasenclever stammt ein gleichnamiges Stück, das 1948 uraufgeführt wurde [q:1].

Quellen

  1. Wikipedia: Münchhausiade, de.wikipedia.org, abgerufen am 06.11.2026.