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Der 1. April in Italien heißt Pesce d'aprile

In Italien heißt der Aprilscherz Pesce d'aprile, der Aprilfisch. Was der Brauch bedeutet, warum es ein Fisch ist und welche Herkunft unsicher bleibt.

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Bunter Papierfisch an einer ockerfarbenen Hauswand in einer engen Gasse mit Wäscheleinen
Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

In Italien heißt der Aprilscherz Pesce d'aprile, also Aprilfisch. Am ersten April schickt man andere in den April, verbreitet erfundene Nachrichten oder klebt jemandem heimlich einen Papierfisch auf den Rücken. Woher der Brauch und sein Name stammen, ist nicht geklärt.

In Italien heißt der Aprilscherz Pesce d'aprile, auf Deutsch Aprilfisch. Am 1. April schickt man andere los, um etwas zu holen, das es nicht gibt, verbreitet erfundene Nachrichten oder klebt jemandem heimlich einen Fisch aus Papier auf den Rücken. Das Wörterbuch Treccani beschreibt genau diese Formen [3]. Woher der Brauch und sein Name stammen, ist dagegen nicht geklärt.

Was ein Pesce d'aprile ist

Treccani, das große Wörterbuch der italienischen Sprache, erklärt den Pesce d'aprile als Scherz, den man am ersten Tag des Aprils macht. Er folgt nach dem Eintrag einem Volksbrauch, der in den meisten europäischen Ländern und in Amerika verbreitet ist. Meist schickt man eine Person los, jemanden oder etwas zu suchen, das sie nicht finden wird, oder man lässt sie glauben, jemand habe nach ihr verlangt. Andere Spielarten sind falsche, aufsehenerregende Nachrichten. Manchmal besteht der Scherz einfach darin, jemandem einen Papierfisch an den Rücken zu hängen [3].

Der Name bezeichnet also beides: den Streich und den, der darauf hereinfällt. Wer den ganzen Vormittag mit einem Papierfisch auf dem Rücken herumläuft, ist selbst der Aprilfisch. In Frankreich gibt es denselben Brauch unter dem Namen Poisson d'avril [1]. Wie er dort aussieht, beschreiben wir unter Aprilscherz in Frankreich.

Papierfische, Botengänge und falsche Briefe

Der bekannteste Teil des Brauchs ist der Papierfisch. Kinder und Schulfreunde schneiden kleine Fische aus und kleben sie ihren Opfern unbemerkt auf den Rücken [1]. Je länger der Fisch unentdeckt bleibt, desto größer ist das Gelächter. Für Kinder ist das bis heute der einfachste Aprilscherz, eine Anleitung dazu steht bei unserem Papierfisch auf dem Rücken.

Person von hinten auf einer italienischen Piazza mit einem blauen Papierfisch auf dem Mantelrücken
Bild: KI-generiert

Älter sind die unmöglichen Botengänge. Die Zeitschrift Focus nennt als Beispiele den Auftrag, ungesalzenes Salz zu kaufen oder ein Seil, mit dem man den Wind festbinden kann [2]. Eine andere Spielart war ein angeblich dringender Brief, in dem nur ein gezeichneter Fisch stand [2]. Solche Aufträge kennt man auch im deutschen Sprachraum, wo man jemanden "in den April schickt".

Warum ausgerechnet ein Fisch?

Eine sichere Antwort gibt es nicht. Schon der Volkskundler Giuseppe Pitrè schrieb 1891, im Bereich der Volksbräuche sei kaum ein Brauch zu finden, dessen Ursprung so dunkel und umstritten sei, und auch er konnte den Fisch nicht erklären [2]. Die heute verbreiteten Erklärungen sind deshalb Vermutungen.

Focus hält es für wahrscheinlich, dass der Fisch für den Leichtgläubigen steht, der jeden Köder schluckt und am Haken hängt [2]. Il Post nennt zwei weitere Deutungen: Manche Fische lassen sich besonders leicht fangen, andere verweisen darauf, dass die Sonne Ende März das Sternbild der Fische verlässt [1]. Keine dieser Deutungen lässt sich mit alten Quellen belegen. Am überzeugendsten ist noch die erste, weil sie zum Wortsinn passt: Der Aprilfisch ist der, der angebissen hat.

Für den Alltag spielt die Frage ohnehin keine große Rolle. Wer in Italien einen Papierfisch auf dem Rücken trägt, weiß sofort, was gemeint ist, auch ohne die Geschichte dahinter zu kennen.

Kam der Brauch aus Frankreich?

Die meisten italienischen Quellen sehen den Ursprung in Frankreich. Focus schreibt, das einzig Sichere sei, dass der Brauch im 16. Jahrhundert in Frankreich entstand und sich von dort in Europa verbreitete [2]. Il Post verbindet das mit dem Kalender. Das Edikt von Roussillon legte 1564 den Jahresbeginn in Frankreich auf den 1. Januar, vorher feierte man Neujahr um den 25. März. Der gregorianische Kalender von 1582 hat daran nichts geändert. Wer weiter Ende März Neujahr feierte, wurde verspottet [1].

Diese Erklärung hat einen Haken. Sie beschreibt, warum man Menschen verspottet haben könnte, die das neue Datum nicht kannten. Sie erklärt nicht, warum es dafür einen festen Tag mit Streichen gab und warum er Fisch heißt. Wir behandeln die Kalendertheorie deshalb als eine Möglichkeit unter mehreren, mehr dazu unter Herkunft des Aprilscherzes. Il Post nennt außerdem ältere Frühlingsfeste wie die römischen Hilaria Ende März zu Ehren der Göttin Kybele, ohne eine direkte Linie zum heutigen Brauch zu ziehen [1].

Die Legende aus Florenz

In Italien selbst wird gern eine Geschichte aus Florenz erzählt. Die Florentiner Zeitung La Nazione schrieb 2023, vor sechs oder sieben Jahrhunderten habe man in Florenz am 1. April leichtgläubige Bürger mit dem Versprechen von billigem Fisch auf einen Platz gelockt. Wer kam, fand an einem Stand nur einen einzigen großen Fisch, als Bild [4]. Daraus sei der Pesce d'aprile entstanden.

Marktstand mit Fischen aus buntem Papier zwischen echten Zitronen auf Eis
Bild: KI-generiert

Belege aus jener Zeit nennt der Artikel nicht, und die Geschichte steht neben einer zweiten Erklärung, die ebenso ohne Quelle auskommt: Ein Papst habe den Verzehr von Fisch an einem 1. April verboten, und Spaßvögel hätten das ausgenutzt [4]. Beide Erzählungen sind Legenden. Sie zeigen, wie gern man einen Brauch mit einer Geschichte aus der eigenen Stadt verbindet. Als Herkunft taugen sie nicht, solange keine alten Zeugnisse auftauchen.

Der 1. April in Italien heute

Am 1. April sind in Italien Papierfische, kleine Streiche in Familie und Schule und erfundene Meldungen in den Medien üblich, ganz ähnlich wie in Deutschland. La Nazione erwähnt in diesem Zusammenhang auch die berühmte Reportage über Spaghetti, die an Bäumen im Tessin wachsen [4]. Die Geschichte dieses Streichs erzählen wir unter Die Spaghetti-Ernte.

Wer in Italien unterwegs ist, kann am 1. April also auf zweierlei achten: auf Nachrichten, die zu schön oder zu seltsam klingen, um wahr zu sein, und auf den eigenen Rücken. Der Ausruf, mit dem man einen gelungenen Scherz auflöst, ist schlicht "Pesce d'aprile!". In Spanien und weiten Teilen Lateinamerikas ist das anders, dort liegt der Tag für Streiche am 28. Dezember [1]. Mehr dazu erklären wir unter Aprilscherz in Spanien und Lateinamerika.

Einen Pesce d'aprile selbst basteln

Der Papierfisch ist schnell gemacht. Du schneidest aus buntem Papier einen Fisch in Handgröße aus, malst Schuppen und ein Auge darauf und klebst ein Stück Malerkrepp auf die Rückseite. Geklebt wird nur auf Kleidung, nie auf Haut oder Haare. Wer seinen Fisch entdeckt, darf ihn weitergeben. In Kita und Grundschule wird daraus schnell ein ganzer Schwarm, der am Mittag an der Wand hängt.

Wer den Brauch zu Hause ausprobieren will, kann ihn mit einem zweiten italienischen Klassiker verbinden, dem unmöglichen Botengang. Schick ein Familienmitglied zum Nachbarn, um ungesalzenes Salz zu leihen, und gib dem Nachbarn vorher Bescheid. Der hält statt Salz einen Papierfisch bereit und ruft "Pesce d'aprile!". So bleibt der Streich freundlich, und niemand muss weiter laufen als bis zur Tür nebenan. Für Schulkinder reicht ein Bogen buntes Papier, eine Schere und Malerkrepp. Eine Vorlage zum Ausdrucken findest du bei unserer Vorlage für den Aprilfisch.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Ausdruck Pesce d'aprile?

Wörtlich "Aprilfisch". So heißt in Italien der Aprilscherz und zugleich der Mensch, der darauf hereinfällt. Der bekannteste Streich ist ein Papierfisch, der heimlich auf dem Rücken klebt.

Woher kommt der Pesce d'aprile?

Das ist nicht geklärt. Italienische Quellen sehen den Ursprung meist in Frankreich im 16. Jahrhundert, die Geschichte aus Florenz ist eine Legende ohne alte Belege. Schon der Volkskundler Giuseppe Pitrè nannte die Herkunft dunkel und umstritten.

Warum heißt der Aprilscherz in Italien Fisch?

Am häufigsten wird erklärt, der Fisch stehe für den Leichtgläubigen, der jeden Köder schluckt. Andere verweisen auf das Sternbild der Fische, das die Sonne Ende März verlässt. Belegen lässt sich keine dieser Deutungen.

Feiert man den Aprilscherz in Italien wie in Deutschland?

Weitgehend ja: Streiche in Familie und Schule und erfundene Meldungen in den Medien. Dazu kommt der Papierfisch auf dem Rücken, der in Deutschland weniger bekannt ist.

Quellen

  1. Il Post: Cos'è il "pesce d'aprile" (01.04.2019), ilpost.it, abgerufen am 06.11.2026.
  2. Focus.it: Qual è l'origine del pesce d'aprile? E perché si chiama pesce d'aprile? (01.04.2023), focus.it, abgerufen am 06.11.2026.
  3. Treccani: Vocabolario: pesce, treccani.it, abgerufen am 06.11.2026.
  4. La Nazione: Pesce d'Aprile, sapete che l'usanza degli scherzi nacque a Firenze? (01.04.2023), lanazione.it, abgerufen am 06.11.2026.