Streiche am 28. Dezember in Spanien und Lateinamerika
In Spanien und Lateinamerika fällt der Tag der Streiche auf den 28. Dezember, den Tag der Unschuldigen Kinder. Woher der Brauch kommt und wie man ihn feiert.

Kurz gesagt
In Spanien und weiten Teilen Lateinamerikas spielt man sich die Streiche am 28. Dezember, dem Día de los Santos Inocentes. Die Scherze heißen Inocentadas, typisch sind Papierfiguren auf dem Rücken und erfundene Meldungen in den Medien. Am ersten April wird dort traditionell kaum gescherzt.
In Spanien und weiten Teilen Lateinamerikas spielt man sich die StreicheStreich Ein Streich ist eine Handlung aus Übermut, mit der man jemanden neckt oder hereinlegt, etwa Salz in der Zuckerdose oder ein Zettel unter der Computermaus. Ursprünglich bedeutete das Wort Hieb oder Schlag. Ein guter Streich ist harmlos und schnell aufgelöst, am Ende lacht auch der Hereingelegte. Am 1. Im Glossar am 28. Dezember, dem Día de los Santos InocentesDía de los Santos Inocentes Der Día de los Santos Inocentes ist der 28. Dezember, der Tag der Unschuldigen Kinder. Die Kirche erinnert an diesem Tag an den Kindermord in Bethlehem, von dem das Matthäusevangelium erzählt. Im Glossar, dem Tag der Unschuldigen Kinder [4]. Die Scherze heißen InocentadasInocentada Eine Inocentada ist ein Streich oder eine erfundene Nachricht am 28. Dezember, dem Día de los Santos Inocentes. Der Brauch ist in Spanien und Lateinamerika verbreitet, Zeitungen drucken an diesem Tag Falschmeldungen. Im Glossar. Typisch sind kleine Papierfiguren, die man jemandem heimlich auf den Rücken klebt, und erfundene Nachrichten [1]. Am 1. AprilApril April ist der vierte Monat des Jahres und hat 30 Tage. Der Name geht auf das lateinische Aprilis zurück, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist. Gedeutet wird er als "der zweite, folgende" Monat des altrömischen Jahres, das im März begann, oder nach lateinisch aperire, "öffnen". Am 1. April sind Aprilscherze Brauch. Im Glossar wird dort traditionell kaum gescherzt.
Ein Gedenktag mit ernstem Hintergrund
Der Name des Tages geht auf eine Erzählung im Matthäusevangelium zurück. Als König Herodes merkte, dass die Sterndeuter ihn getäuscht hatten, ließ er in Betlehem alle Jungen töten, die jünger als zwei Jahre waren. Josef war vorher im Traum gewarnt worden und mit Maria und dem Kind nach Ägypten geflohen [3]. Die getöteten Kinder werden als Märtyrer verehrt und seit den frühen Jahrhunderten des Christentums am 28. Dezember bedacht [2].
Wie aus einem traurigen Gedenktag ein Tag der Späße wurde, ist nicht genau geklärt. Die Universidad Isabel I schreibt, die katholische Kirche habe das Gedenken seit dem 4. Jahrhundert begangen. Mit der Zeit habe es sich mit älteren Festen vermischt, in denen für einen Tag die Rollen getauscht wurden, etwa mit den NarrenfestenNarrenfest Das Narrenfest, lateinisch festum stultorum, war ein mittelalterlicher Brauch des Klerus, der vermutlich in Südfrankreich entstand und vor allem am 1. Januar gefeiert wurde. Niedere Geistliche übernahmen für einen Tag die Rolle der höheren, wählten einen Narrenbischof und parodierten kirchliche Rituale. Im Glossar des Mittelalters und den römischen SaturnalienSaturnalien Die Saturnalien waren ein römisches Fest zu Ehren des Gottes Saturn, das am 17. Dezember begann und später mehrere Tage dauerte. In dieser Zeit lockerte sich die gewohnte Ordnung: Man beschenkte sich, das Würfelspiel um Geld war erlaubt, und Sklaven wurden wie Gleichgestellte behandelt. Im Glossar [1]. Diese Erklärung klingt einleuchtend, sie ist aber eine Deutung und kein Nachweis einer durchgehenden Linie.
Was eine Inocentada ist
Eine Inocentada ist ein harmloser Streich am 28. Dezember. Wer darauf hereinfällt, ist der "Inocente", der Unschuldige oder Gutgläubige. Der Klassiker in Spanien ist der Monigote, eine kleine Figur aus Papier, die man jemandem unbemerkt auf den Rücken klebt [1]. Wer den ganzen Tag mit einer Papierfigur herumläuft, ohne es zu merken, ist der Inocente des Tages.
Daneben gibt es die Streiche, die man auch vom 1. April kennt: erfundene Neuigkeiten, falsche Anrufe mit verstellter Stimme, Scherze im Chat [1]. Der Papiermonigote ähnelt dabei dem Papierfisch, den Kinder in Frankreich und Italien am 1. April verteilen. Über den italienischen Brauch schreiben wir unter Pesce d'aprile in Italien.
Inocentadas in den Medien
Wie bei uns am 1. April machen in Spanien auch die Medien mit. Die Universidad Isabel I nennt falsche Nachrichten als festen Bestandteil des Tages [1]. Wer am 28. Dezember die Zeitung aufschlägt, liest Meldungen deshalb besser zweimal. Das Fernsehen hat sogar eine eigene Sendung zum Tag: Die Wohltätigkeitsgala "Inocente, Inocente" sammelt Geld für Kinder [1].
Für Reisende aus Deutschland ist das ungewohnt, weil die Streiche mitten in die Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr fallen. Wer Ende Dezember in Spanien oder Mexiko ist, sollte bei überraschenden Nachrichten also genau hinschauen. Wie man FalschmeldungenFalschmeldung Eine Falschmeldung ist eine Nachricht, die dem tatsächlichen Sachverhalt widerspricht. Sie kann aus einem Irrtum entstehen, absichtlich gestreut werden oder als Scherz gemeint sein. Ein Aprilscherz ist eine Falschmeldung, die am 1. April erscheint und bald aufgelöst wird. Im Glossar ganz allgemein erkennt, zeigen wir unter Aprilscherze erkennen.
Feste in spanischen Orten
In einigen spanischen Orten ist der Tag ein großes Volksfest. Am bekanntesten sind die Enfarinats im Ort Ibi bei Alicante. Dort verwandelt sich der Ort in ein Schlachtfeld, auf dem Mehl und Eier die Waffen sind. Dazu kommen erfundene Gerichtsverfahren und eine symbolische Machtübernahme, die Universidad Isabel I nennt den Brauch mehr als zwei Jahrhunderte alt [1].

Auch anderswo wird gefeiert. In Jalance bei Valencia übernehmen bei der Fiesta de los Locos verkleidete junge Leute für einen Tag symbolisch die Herrschaft im Ort. In Tremp in der Provinz Lleida hängt eine große Papierfigur am Glockenturm und wird nach einem Umzug verbrannt. In Burgos ziehen bei der Fiesta del Obispillo Kinder und Familien mit einer kleinen Eselsfigur durch die Straßen [1]. Allen gemeinsam ist der Rollentausch: Für einen Tag regieren die Narren, die Jungen oder die Kinder.
Für Besucherinnen und Besucher sind diese Feste ein Erlebnis, beim Mehlkampf in Ibi allerdings eins mit Folgen für die Kleidung. Wer zuschauen will, zieht etwas an, das danach in die Wäsche darf, und hält Abstand zu den Kämpfenden. Die genauen Termine und Abläufe veröffentlichen die Gemeinden jedes Jahr selbst, und es lohnt sich, dort vor der Reise nachzusehen.
Mexiko und die Inocente palomita
In Mexiko ist der 28. Dezember ebenfalls der Tag der Streiche. Der Nachrichtensender N+ beschreibt, dass dort an diesem Tag falsche Nachrichten verbreitet werden und manche sich Geld leihen, ohne es zurückgeben zu wollen [2]. Wer an diesem Tag etwas verleiht, muss damit rechnen, es nicht wiederzubekommen, jedenfalls nicht ohne einen Spruch.

Dieser Spruch ist das mexikanische Gegenstück zu "April, AprilApril, April Mit "April, April!" löst man in Deutschland einen Aprilscherz auf. Der Ruf kommt gleich, nachdem jemand den Scherz geglaubt hat, und zeigt, dass alles nur Spaß war. Das Wörterbuch DWDS beschreibt ihn als umgangssprachlichen Ausruf der Schadenfreude. Auf Englisch ruft man "April fool!". Im Glossar!". Nach José de Jesús Aguilar, einem Sprecher der Erzdiözese Mexiko, hat sich der ursprüngliche spanische Ruf in Mexiko verändert. Heute sagt man: "Inocente palomita que te dejaste engañar" [2]. Auf Deutsch etwa: "Unschuldiges Täubchen, du hast dich hereinlegen lassen." Der Reim geht weiter mit dem Hinweis, dass man das Geliehene heute, am Tag der Unschuldigen, nicht zurückgibt [2].
Unsere Grundsätze sehen übrigens keine Streiche mit Geld vor. Wer den mexikanischen Brauch nachspielen will, leiht sich lieber einen Stift oder einen Keks und gibt ihn mit einem "Inocente palomita!" nach ein paar Minuten zurück.
Warum nicht am 1. April?
Der 1. April spielt in Spanien und den meisten Ländern Lateinamerikas traditionell keine Rolle. Die italienische Zeitung Il Post weist darauf hin, dass man dort die Streiche am 28. Dezember spielt, am Fest der Unschuldigen Kinder [4]. Ein Grund dafür ist nicht überliefert. Naheliegend ist, dass der katholische Gedenktag in diesen Ländern schon fest mit Späßen verbunden war, sodass für einen zweiten Tag kein Bedarf bestand. Belegen lässt sich das nicht.
Wie es in den portugiesischsprachigen Ländern aussieht, beschreiben wir unter Aprilscherz in Brasilien und Portugal. Die verschiedenen Theorien zum Ursprung des 1. April haben wir unter Herkunft des Aprilscherzes zusammengetragen.
Eine Inocentada zum Nachmachen
Wer Freunde oder Familie aus Spanien oder Lateinamerika hat, kann den Brauch leicht aufgreifen und ihnen am 28. Dezember eine Überraschung bereiten. Am einfachsten ist der Monigote. Schneide aus weißem Papier eine kleine Figur aus, ein Männchen, einen Stern oder eine Taube, und befestige sie mit einem Stück Malerkrepp unbemerkt am Rücken einer Jacke. Geklebt wird nur auf Kleidung, nie auf Haut oder Haare, und am Ende des Besuchs gibt es die Auflösung.
Ebenso gut funktioniert eine erfundene Nachricht aus dem Familienalltag: Der Weihnachtsbaum bleibt dieses Jahr bis Ostern stehen, der Hund hat die Plätzchen gezählt und eins fehlt. Sie sollte erkennbar harmlos sein und schnell aufgelöst werden, mit einem "¡Inocente!" oder auf Mexikanisch mit "Inocente palomita". Unsere Grundsätze für harmlose Streiche gelten am 28. Dezember genauso wie am 1. April: keine erfundenen Notfälle, kein Geld, niemand wird bloßgestellt.
Wer Kinder hat, kann beide Tage feiern. Im Dezember klebt der Monigote auf dem Rücken, im April der Papierfisch.
Häufige Fragen
Wann ist der Aprilscherz in Spanien?
In Spanien spielt man sich die Streiche am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder. Am 1. April wird dort traditionell kaum gescherzt. Dasselbe gilt für Mexiko und viele andere Länder Lateinamerikas.
Was ist eine Inocentada?
Ein harmloser Streich am 28. Dezember, zum Beispiel eine Papierfigur auf dem Rücken oder eine erfundene Nachricht. Wer hereinfällt, ist der Inocente, der Gutgläubige.
Was bedeutet "Inocente palomita"?
"Unschuldiges Täubchen". Mit diesem Spruch löst man in Mexiko einen Streich am 28. Dezember auf, ähnlich wie bei uns mit "April, April!".
Warum werden am Tag der Unschuldigen Kinder Streiche gespielt?
Genau weiß man es nicht. Die Universidad Isabel I vermutet, dass sich das kirchliche Gedenken mit älteren Festen des Rollentauschs vermischt hat, etwa mit den mittelalterlichen Narrenfesten und den Saturnalien.
Quellen
- Universidad Isabel I: Día de los Santos Inocentes: historia, costumbres y las mejores bromas (27.12.2024), ui1.es, abgerufen am 06.11.2026.
- N+: Día de los Inocentes ¿Por qué se celebra esta fecha? (28.12.2024), nmas.com.mx, abgerufen am 06.11.2026.
- Bibleserver, Einheitsübersetzung 2016: Matthäus 2, bibleserver.com, abgerufen am 06.11.2026.
- Il Post: Cos'è il "pesce d'aprile" (01.04.2019), ilpost.it, abgerufen am 06.11.2026.